Das Froilein gärtnert

Liebe Leserschaft,

heute klärt das Froilein einmal auf … also für alle unter Ihnen, die sich gefragt haben, was die Dorfpomeranze den ganzen lieben langen Sommer eigentlich so getrieben hat. Sollten Sie sich diese Frage nicht gestellt haben (und das könnte ich Ihnen wirklich auch nicht verübeln) scrollen Sie zu den Bildchen, aber wundern Sie sich nicht, wenn Sie da heute kein – in die Jahre gekommenes – dörfliches Mädel mit roten Haaren erpichen (Was halten Sie eigentlich von dem Namen „Frau Olivia“?). Ja, vor nicht allzu langer Zeit feierte das Froilein doch wieder Geburtstag … es ist freilich jedes verdammte Jahr dasselbe … nur die Zahl ändert sich. Apropos Zahl, nur gut, dass ich keine 34 Kerzen auf einer mittelmäßig mundenden Geburtstagstorte auspusten musste. Das Froilein hätte ja ab Kerze 10 mehr gespuckt als gepustet. Und da wir gerade so schön beim Älterwerden sind: Es mag wohl am Alter liegen, dass man sich von Zeit zu Zeit neue Aufgaben im Leben sucht. Manche widmen sich dem Eigenheimbau (ich bin doch nicht lebensmüde), andere wandern durch die Welt (öhm … nö) und wieder andere beginnen Briefmarken zu sammeln (auch schön). Dem Froilein aber kam Anfang des Jahres etwas ganz anderes in den Sinn: „Ich will“ … Pardon (diesen Satzanfang versuchen wir nämlich gerade dem Minimann abzugewöhnen, keine Ahnung bei wem er das aufgeschnappt hat) … „Ich möchte gärtnern“! Wie mich dieser Geistesblitz ereilte? Schuld ist ein digitaler Spartenkanal von RTL … und die Engländer, die nicht nur irrsinnige Ahnung von Schwarzem Tee haben, sondern auch ganz toll gärtnern können. Vielleicht kennen Sie den Alan Titchmarsh.

Nun gibt es freilich die vielfältigsten Gartenstile. Auf dem gut 500 Quadratmeter großen Grundstück im tiefsten Erzgebirge sollte fortan nicht etwa ein formaler oder gar ein Englischer Garten entstehen. Nein, nein … weit gefehlt … das kann ja jeder. Sie wissen, ich habe eine ausgeprägte Vorliebe für alte Dinge. Ist dabei noch ein gehöriger Schuss Nostalgie mit von der Partie … ist die Dorftrulla völlig aus dem Häuschen. So, und nun dürfte es Sie nicht die Bohne wundern, dass es mir vornehmlich die alte Rosensorten angetan haben. Und mit alt meine ich nun richtig alt oder der gängigen Definition nach: Alle Rosensorten, die vor dem magischen Scheidepunkt-Jahr 1867 gezüchtet wurden (alles davor gilt weithin als historisch, alles danach wird weithin als modern oder als nicht ganz so historisch angesehen). Diese Röschen sind aber auch hübsch, sage ich Ihnen … dichtgefüllt, hervorragend duftend und oftmals nur einmal im Frühsommer blühend. Jetzt gucke ich über diese Tatsache noch wohlwollend hinweg, aber spätestens nächstes Jahr im späten Juli, wenn viele der Sträucher nur noch als banales, grünes Gebilde punkten, werde ich bitterlich weinen – na, wer das eine liebt, muss auch das andere mögen.

Der Plan Froileins historischer Rosengarten war gefasst. „Kann ja freilich nicht so schwer sein … als alte Frischluftfanatikerin“, dachte sich das Froilein … „Ach du Schreck, sie hat wieder eine neue Idee“, dachte sich ächzend der Göttergatte. Herr Vater und Frau Mutter wurden der Vorsicht nach eingeweiht … bei der älteren Generation sollte man ja immer Umsicht walten lassen. Aber ich meine, insgeheim stellten sie sich wohl die Frage, wie lange die Euphorie bei ihrer holden Tochter anhalten würde. Ich schätze, sie gaben mir und meiner Euphorie ein Beet … 2 Meter lang und 1 Meter breit. Ja, haste gedacht. Und los ging der Spaß … oder die adrette Gestaltung von Randbeeten an den Grundstücksgrenzen … irgendwo muss man ja freilich anfangen. Und so begann das Froilein der Spaten ist ab sofort mein bester Freund der Grasnarbe zu Leibe zu rücken … auf 14 Metern. Warum auch nicht, wenn Frau sonst nix zu tun hat. Den lieben Eltern wurde Angst und Bange … der Ausmaße & der abflauenden Euphorie wegen. Aber auch der Göttergatte guckte verdrießlich. Ihn plagte aber anscheinend eher die Sorge, dass sich sein geschicktes Froilein mit dem Spaten ernsthaft verletzen könnte. Na, also bitte … so eine Dorfschönheit wird doch wohl mit einem Spaten umgehen können. Dennoch eilte er mir zu Hilfe. Eine Wohltat, sage ich Ihnen, ich würde ja immer noch auf den ersten beiden Metern wüten … drei Monate nach dem ersten Spatenstich.

Asche auf des Froileins Haupt. Das wäre ein durch und durch moderner Herr, namens Dieter … Dieter Müller

An und für sich ist die Arbeit mit einem Spaten kein großes Ding. Zwei Dinge, liebe Leserschaft, sollten Sie allerdings beachten, insofern Sie vielleicht auch gärtnerisch ambitioniert sind und einmal ein Beetchen anlegen wollen. Erstens: Diese formschönen Gartenclogs (schon der Name ist ein Graus, na Sie wissen jetzt schon, diese unförmigen, riesigen Schlapperschuhe, in denen jede Frau Füße wie ein Yeti hat) eigenen sich nur bedingt zur fröhlichen Spatenarbeit. Zweitens: Es ist völlig überflüssig und unnötig an der zukünftigen Beetstelle im Vorfeld den Rasenmäher zu schwingen … nö, nö … je höher des holde Grünzeug desto freudiger das Grasnarbeentfernen, sage ich Ihnen.

Das Froilein & der Gatte stachen und gruben um … verschwanden in Erdlöchern („Muss das wirklich so tief sein?“) und fluchten. Ein Lehmboden ist freilich eine feine Sache … für so einen Rosenbusch … es sei denn dieser fantastische Boden verfügt über eine knochenharte Tonschicht und allerhand Steine in reichhaltiger Form & Größe, dann nämlich ist das mit dem feinen Lehmboden auch schon wieder so eine Sache. Als angehender Gärtner kommt man dann schnell ins Grübeln, ob das mit dem nostalgischen Rosengarten wirklich so eine gute Idee war … Astern & Chrysanthemen hätten es ja vielleicht auch getan. Dennoch … wir hielten wacker durch und sprachen mit jedem großen Brocken ein ernstes Wörtchen … oftmals stundenlang. Manche waren aber auch hartnäckig. Die wollten sich einfach nicht von ihrem Aufentaltsort trennen … das kann man ja als eingefleischtes Heimchen durchaus nachfühlen. Aber Sie wissen doch wie das so ist, was ein Spaten nicht vermag zu richten, richtet notfalls eine Kreuzhacke und zwei zeitlich, angesäuerte Gärtner. Der Herr Vater entsetzt: „Olivia, was machst du denn da? Lass das lieber!“ Nur Mut … mit der richtigen Beinstellung ist die Benutzung einer Kreuzhacke ein wahres Kinderspielchen. Und dann freut man sich, wenn das Objekt der Begierde vor einem auf dem verbliebenen Rasen kapituliert hat. Ja, das Gärtnern hat bisweilen auch etwas unheimlich Urtümliches an sich.

Und so entstand mühevoll das erste Randbeet auf 14 Metern Länge … zwischen 3,5 & 2,5 Meter breit … schön in verschiedenen Wellen … ist ja so viel gefälliger fürs Auge. Und da so ein Randbeet allein in einem Garten auch ein wenig blöd aussieht; und Sie ja wissen wie es ist, wenn Frau sprichwörtlich einmal Blut geleckt hat; folgte Randbeet Nr. 2 und mit einigem Abstand nun Anfang September auch Randbeet Nr. 3 (das zeige ich Ihnen später einmal). Rosenschönheiten mit verheißungsvollen Namen wie Madame Boll, Madame de la Roche-Lambert, Madame Issac Pereire. Madame Ernest Calvat (auffällig viele Madame´s, nicht wahr?), Königin von Dänemark, Reine des Violettes, Honorine de Brabant, Sidonie, Fantin Latour, Charles de Mills, Blanche de Belgique, Belle sans Flatterie, Gloria de France, Belle de Crecy und viele mehr zogen ein … dazu noch ein paar Storchschnäbel, Rittersporne, Katzenminzen, Sterndolden, Sommerflieder, Winterschneebälle, Schafgarben, Prachtkerzen, Herbstanemonen, Purpurglöckchen und Gräser. Was bitte wäre eine Königin ohne adäquaten Hofstaat?

Sehen Sie die vielen, vielen, adrett aufgereihten Steine im obersten Bild? Die haben der Göttergatte und ich tatsächlich alle ausgebudelt … oder gefunden. Wie pflegte ein Nachbar kürzlichst so schön zu sagen: „Wir sind hier ja steinreich.“ Wie wahr, wie wahr.

Ja, und was soll ich sagen nach 3 Monaten des Spatenschwingens, des Herumwühlens im Dreck, des Rankgerüstbauens, des Pflanzens, des Pflegens und Unkrautjätens? Ameisen sind bisweilen echte Mistviecher … „Ohhh, guckt doch mal ein frisch angelegtes Beet, da wohnt es sich doch bestimmt auch schön drin!“ Und auf gings zum tausendfachen Umzug & fröhlichen Durchhöhlern. Aber auch Rosenläuse sind wahrlich lästig … und diverse Rosenpilze sowieso. Ein ums andere Röschen widmet sich bei letzteren nämlich gern einmal der gepflegten Freiluft-Körper-Kultur und der Nicht-Rosenkenner stellt dann verdutzt die Frage, ob es botanisch eigentlich richtig sei, dass die „Madame sowieso“ ganz nackig dasteht. Und von diesem weißlich-milchigen Überzeug auf den Büschen, die sich noch ihres Blattwerkes erfreuen, fange ich jetzt gar nicht erst an … dieser fiese Melhtau ließ mich den ganzen Sommer über meine rote Hauptwolle raufen. Toleranz ist wahrlich eine gärtnerische Tugend … auch den eigenen Füßen gegenüber. Denn glauben Sie mir, intensives Füßeschrubben ist vergebliche Liebesmüh, sofern man sich an einem gewissen Bestand von Hornhaut erfreuen darf. Und davon hat das Gummistiefel-ich lauf doch auch so gern einmal barfuss-Froilein mittlerweile reichlich. Aber es beginnt ja bald die gärtnerisch ruhige Zeit, dann dürfte das Froilein auch wieder ihre Füße sauber kriegen. Aber darf ich Ihnen an dieser Stelle etwas anvertrauen? Richtig, mich graust es ehrlich vor dem Winter und dem ungewissen Überleben einiger Schätze und Stauden, aber ich finde das Gärtnern ganz wunderbar, habe viel Freude daran und wer weiß, vielleicht besitzt das talentfreie Froilein einen grünen Daumen. Und soviel kann ich Ihnen schon verraten, nächsten Frühling geht es wacker weiter mit dem nostalgischen Rosengarten … denn auf meiner Haben-Will … Verzeihung … Haben-Möchte-Liste befindet sich noch die ein oder andere Rosenschönheit, der ich ebenfalls ein neues Zuhause schenken möchte. Es bleibt also spannend. 

Übrigens, nahezu alle Rosenschönheiten (und etliche Stauden) wurden im Internet erworben und trudelten per Post ein … nun sage einmal einer, dass das Internet mit seinen Möglichkeiten nicht einfach fabelhaft ist. Da geht es im heimischen Gartenfachmarkt schon etwas  … nun ja … übersichtlicher zu. Dort stellt man sich nämlich oftmals die Frage: „Na du Schöne, wer bist du denn eigentlich?“ Der Blick aufs Etikett verkündet: Rose rot. Aha, welch törichte Frage.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an meine schelmischen Worte über die kümmerlichen Apfelbäume oder den baufälligen Schuppen im knappschen Garten. Hehe. Im Vergleich zur Unterbringungsmöglichkeit für Rasenmäher und Gartengeräte (und natürlich allerhand Zeugs, dass man im Leben nie wieder benötigt, aber vorsichtshalber dennoch weiter wacker hortet) erfreuen sich die Apfelbäume noch ihres Lebens und bieten nun zwei adretten Ramblerrosen eine hoffentlich standfeste Stütze (na, daran wird aber noch arg gezweifelt). Der Schuppen hingegen musste weichen. Ja, auch wenn Herr Vater erst vor zwei Jahren mühevoll das Dach ausbesserte. Half nix, das olle Ding musste weg. Blush Hip & Madame Plantier werden es die nächsten Jahre bestimmt danken, da bin ich mir ganz sicher. Natürlich gab es für Herrn Vater an passender Stelle ein neues hübsches Gartenhaus mit dem noch hübscheren Namen Luisa … und der unhübschen Lieferzeit von sage und schreibe 30-40 Arbeits(!)tagen. Wir dachten ja schon im Schneegestöber aufbauen zu dürfen.

So, liebe Leserschaft, das wäre des Froileins freizeitliches Tätigkeitsfeld der letzten Wochen gewesen … ich widme mich nun gezählten 100 (& gefühlten 1000) Tulpenzwiebeln, verpasse danach vielleicht der Luisa einen weiteren Anstrich in hellblau und darf Ihnen verraten, dass der nächste Beitrag nochmals recht sommerlich anmuten wird.

Es grüßt Sie von Herzen Ihr Froilein das mit dem grünen Daumen muss sich erst noch herausstellen Olivia

 

 

 

 

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2 Kommentare zu “Das Froilein gärtnert

  1. Nun habe ich eine ganze Woche gebraucht alles zu lesen, vor allem aber zu verarbeiten! Und jetzt will raus und auch gärtnern. Und kann nicht. Weil man jetzt nix mehr einpflanzt. Bis auf Krokusse, Narzissen und Tulpen. Wie e gemein! Böser Herbst.

    Aber nächstes Jahr, ja, da geht es dann wieder mächtig los. Ich speichere diesen Post einfach. Und freue mich auf den nächsten!

    Herzliche Grüße aus denn Laubhaufen
    Stefy mit Claralotti ❤️

    • Liebe Stefy, liebe Claralotti,
      welch wundervolle Worte ihr mir wieder hinterlassen habt – dankeschön. Es gibt ja botanische Experten, die meinen der Herbst wäre die beste Pflanzzeit und das nicht nur für Frühlingsblüher. Gut, das ist mir offen gestanden auch ein wenig zu heikel. Vorallem, wenn man bedenkt dass der Wetterfrosch für Ende dieser Woche schon dir ersten Schneeflocken vorhersagt … also bei uns im Gebirge … fürchterliche Gegend und so gärtnerunfreundlich. Mir wird angst & bange. Dennoch ein paar Röschen (wenn auch in wurzelnackter Form … probieren geht ja bekanntlich über studieren) sind noch bestellt und werden auch jetzt im Herbst noch gepflanzt. Aber für nächstes Jahr wünsche ich euch ganz viel Freude beim Gärtnern. Und Freude ist es wirklich. Ganz liebe Grüße zu euch – euer Froilein

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