Frohe Ostern!

Liebe LeserInnen,

Überraschung … das Froilein vom Dorf gibt es noch. Ja, es war ruhig in der Provinz in den letzten Wochen, aber ich kann Sie trösten, ich erfreue mich bester Gesundheit und mit meinem Gemütszustand ist auch alles wunderbar. Sie wissen doch wie das manches Mal so ist … da rennt die Zeit einfach. Und nun steht auch schon die nächste Festivität vor der Tür. Und damit meine ich nicht den Frühling, der so gar nicht aus den Puschen kommen will, nein ich meine natürlich das Osterfest … „Hö, es war doch gerade erst Weihnachten?“ So, und weil Meister Lampe mit seinen bunten Eiern (diverse österliche Floskeln muten ja immer ein wenig schlüpfrig an) nicht mehr allzu fern ist und das mit dem Anstand eine feine Sache ist:

Liebe LeserInnen von Nah und Fern, ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein frohes Osterfest & viel Freude und Erfolg bei der Eiersuche (und wieder wird es anrüchig).

So, das Obligatorische hätten wir … ja, auch das mit den unschönen, bunten Plastikeiern …, aber da wäre noch etwas anderes … und zwar zwei österliche Anekdoten, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte und nach des Froilein langer Abstinenz könnte ein wenig epische Erzählung freilich nicht schaden, oder?

Erlebnis das Erste oder weshalb sich das Froilein nicht mehr mit versteckten, österlichen Präsenten anfreunden kann:

Also verstehen Sie mich nun nicht falsch, keiner hat etwas gegen Geschenke und ich schon einmal gar nicht, aber nicht wenn ich diese erst umständlich aufspüren muss und schlimmstenfalls gar nicht erst finde. Ja, dieses Risiko ist freilich nicht zu unterschätzen. Da lob ich mir doch das Weihnachtsfest, bei dem alles schön unter einer Kitzelfichte aufgebahrt ist. Und wie immer im Leben, wenn man urplötzlich gegen etwas Bestimmtes eine Antipathie entwickelt hat, ist ein tiefschürfendes Erlebnis in der Kindheit schuld. Ja, wie denn auch anders? Ich berichte nun von dem erschütternden, kindlichen Zwischenfall: Klein-Olivia freute sich einmal wieder auf den Osterhasen, denn – und das muss man ihr wirklich lassen – in Sachen erfreuliche Geschenke ist Frau (Osterhase-) Mutter eine wahre Meisterin. Fragen Sie einmal den Minimann. So, Frau Mutter kann aber noch mehr – ja, Mütter sind echte Heldinnen – Frau Mutter kann nämlich auch unsagbar gut verstecken. Nix da mit hinterm Sofakissen … nein, nein viel zu augenscheinlich. Ostern könnte auch heute noch so schön sein, wenn sich Frau Mutter alljährlich genau eingeprägt hätte, wo genau sie alle Präsente für Klein-Olivia deponiert hatte. Nein, nein … auch das wäre wieder viel zu naheliegend gewesen. Anstelle dessen wurde sich gemerkt, wieviele Geschenke eigentlich versteckt wurden. Sensationelle Vorgehensweise, sage ich Ihnen und lange Zeit ging alles gut mit dem Osterhasen. Aber eines schönen Jahres kam es am Vormittag des Ostersonntages wie es kommen musste: „Olivia, da fehlt aber noch eins.“ „Ich habe aber schon überall gesucht!“ (Und das hatte ich tatsächlich, also für mein Dafürhalten) „Guck doch noch einmal ganz genau, es ist noch etwas ganz Tolles versteckt!“ (Ja, auch Eltern können grausam sein) „Och menno, ich finde es nicht!“ Mittlerweile war Mittagszeit und hätte ich damals gewusst, dass Frau Mutter ähnlich ahnungslos war wie ich … dann … na dann … hätte mich das auch nicht weitergebracht. Allerdings ein wenig gewundert hat sich die kleine Olivia schon … und zwar über mangelnde, mütterliche Bereitsschaft zur Suchunterstützung. Na, Sie wissen jetzt schon … das eigene, unvermögende Kind mit kalt, es wird wärmer, ganz warm und heiß zum begehrten Objekt zu lotsen. Nö, anstelle dessen suchte Frau Mutter emsig mit … und leider ebenfalls erfolglos. Blöder Osterhase. Und das Ende der Geschichte? Der Zufall wollte es und ich kam doch noch zu meinem letzten österlichen Geschenk … ein gutes halbes Jahr später … also kurz vor Weihnachten. Ja, bitte welches Kind guckt in einem ollen Zinnkrug (mit Deckel) nach, der sich, seiner vollkommenen Schönheit wegen, ganz hinten in der Schrankwand versteckt hält? Ja, und auch Frau Mutter wollte sich wohl nicht an das häßliche Ding erinnern. So, und seitdem ist mir die österliche Eiersuche nicht ganz geheuer und erfreut mich nicht im Geringsten. Frau Mutter versteckt anbei bemerkt noch heute leidenschaftlich gern und gut … nur nicht gut genug für den Göttergatten, der nämlich findet alles.

Erlebnis das Zweite oder Nächtliche Bräuche sind auch etwas Feines:

Sie wissen doch, wie das in ländlichen Gefilden so ist … hier wird nämlich engagiert allerlei Gebräuchen und Gepflogenheiten nachgegangen. Kennen Sie eigentlich den Brauch des Osterschießens? Nein? Das Froilein kannte ihn auch nicht … bis es mich vor vielen Monden in die jetzige dörfliche Gemeinde verschlug, deren Bewohner witzigerweise als „Mondputzer“ bezeichnet werden. „Herrlich ist das neue eigene Heim mit seiner himmlischen Ruhe“, dachten sich wohl meine Eltern. Das jugendliche Froilein aber dachte sich damals: „Jetzt ist mein Leben zu Ende“. Zur Erklärung, ich war damals zarte 16 Lenze, da geht die Welt des Öfteren unter … vorallem in der ländlichen Einöde. Irgendwann folgte dann das erste Osterfest … im neuen Heim oder am Ende der Welt und so auch die erste Nacht von Karsamstag auf den Ostersonntag. Gegen 2 Uhr nachts (ich benötigte übrigens schon einstmals meinen Schönheitsschlaf) war es urplötzlich vorbei mit der provinziellen Ruhe, riss uns doch Donnergedöns und Kanonengeknall aus unserem lieblichen Schlaf. „Hö, ist der Krieg ausgebrochen?“ Aber einmal ernstlich, was würden Sie denken, wenn mitten in der Nacht unweit Ihrer Haustür (also quer übers Feld in Richtung des Waldes … Luftlinie keine 10 Meter) Donnergedöns und Kanonengeknall losbrechen würde und Sie beim prüfenden Blick aus dem Fenster nichts erspähen würden außer Finsternis? Frau Mutter wollte die Ordnungshüter verständigen, Herr Vater tobte und wollte sich sofortig nach einem neuen Heim umsehen und das Froilein widmete sich einmal nicht dem Ende ihres sozialen Lebens sondern der Sorge um unschöne, dunkle Augenringe am nächsten, nicht mehr allzu fernen Morgen. Einige Tage später erfuhren wir von unseren freundlichen Nachbarn, welche wohl die Neuankömmlinge nicht gänzlich im Dunklen tappen lassen wollten, dass es sich bei diesem kriegerischen, nächtlichen Schauspiel um das alljährliche Osterschießen des Ortes handelte. Also wirklich, böse Geister kann man wahrlich auch anders vertreiben.

Liebe Leserschaft, genießen Sie die österlichen, freien Tage und lassen Sie es sich gut gehen.

Hut: Collectif Clothing, Bluse: The Seamstress of Bloomsbury, Rocke: Hell Bunny, Brosche & Ohrclips: Vintage, Schuhe: Coco Shoes … und jede Menge Schnee auf des Berges Höhn … ja, da ist´s halt ewig schön

Es grüßt Sie von Herzen Ihr Froilein Olivia

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