Fliesendilemma oder Rot ist eben nicht gleich Rot

Werte Leserschaft,

das Schicksal ist bisweilen ein wahrlich mieser Verräter (Oh, zwei des Froileins Lieblingswörter in einem Satz … fabelhaft.). Im Herbst beispielsweise, wenn inmitten des Güldenen Oktobers – die Bäume stehen gerade in flammenden Farben und einige Blümchen raffen sich zur letzten Blüte auf – der erste Schnee fällt. Sicherlich, der Wetterbericht hatte gewarnt … vor Schnee in den Mittelgebirgen am Dienstag. Ja, das hatte er … der Wetterfrosch. Man hätte aber auch meinen können, der witzelt oder hat den 14. Oktober mit dem 1. April verwechselt. Aber einmal ohne Flunkereien, der erste Schneefall Mitte Oktober ist selbst für das Erzgebirge zu früh. Das war es wohl mit dem schönen Herbst im Gebirge – die Bäume haben ja kaum noch Blätter die golden in der Herbstsonne funkeln könnten und die Blümchen fanden den Frost nur mäßig berauschend. Eine Wohltat, dass der Gatte vor dem weißen Gedöns noch einmal den Herbst fotografisch eingefangen hat … mit dem Froilein natürlich:

Der Gatte ist ja von Natur her ein wirklich ruhiges, abwartendes und geduldiges Gemüt. Kurzum, den Roland bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Das widerrum macht ja Frau Mutter ganz fuchsig, aber sei es drum. Auf die Jahre hin ist ein wenig von des Gattens Gemütlichkeit auf meine Wenigkeit übergeschwappt … vorteilhaft für meinen Blutdruck war das allemal. So, nun dachten Sie doch nicht ernstlich, dass ich den heutigen Beitrag ausschließlich dem unerwarteten Schneefall im Gebirge widme? Jetzt wo wir uns alle so schön auf den Herbst eingestellt haben … mental & textiltechnisch. Nein, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Sie erinnern sich bestimmt, die Fliesen für den Küchenfußboden und für die Badezimmerwände waren erpicht und mit dem Verweis auf eine zweiwöchige Lieferzeit geordert. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Eine Woche nach „Wir wollen genau diese Fliesen und keine anderen“ meldet sich der Herr Fliesenfachverkäufer per Fernsprechapparat und teilte uns mit, dass ihm der Hersteller der bezaubernden weißen & roten Bodenfliese ins Ohr geflüstert hätte, dass zwischen den einzelnen Fliesen Größenunterschiede bestehen, die zwar nur minimal (wir bewegen uns hier im Milimeterbereich), aber legitim wären und erkundigte sich, ob wir die Fliesen dennoch käuflich erwerben möchten. Natürlich wollten wir! Wo denkt der werte Herr Fliese denn hin? Andernfalls müssten wir uns nochmals auf die nervenstrapazierende Suche begeben … nein, dankeschön. Außerdem können die Herren Fliesenleger mit Größenunterschiede wahrlich umgehen. Aber aufmerksam war er ja … der Herr Fliesenfachverkäufer. So zog eine weitere Woche ins Land. Und dann noch eine. Geduld ist freilich eine Tugend in der man sich stets üben sollte. Also verging eine weitere Woche. Nun sind Sie ja aufmerksame Leser und mit einem fabelhaften Talent zum Rechnen ausgestattet … eigentlich hätten die Fliesen schon längst da sein müssen. Und uneigentlich ist der Weg aus dem fernen (und bestimmt noch wohltemperierten) Spanien ins schöne Sachsen doch recht weit. Der Gatte sprach: „Die kommen schon noch.“ „Sicher,“ antwortete das Froilein zähneknirschend. Die Herren Fliesenleger schreiten ja erst in drei Wochen zur Tat. Sie sehen, liebe Leserschaft, nichts eilt. Nein, nein. Eine weitere Woche zog ins Land. Ruhig Blut, die Fliesen erreichen uns schon noch rechtzeitig. Na, ein wenig mulmig war dem Froilein nun aber doch zumute und so klingte der Fernsprechapparat im schönen Karl Marx Stadt und das Froilein erkundigte sich freundlichst bei Frau Steffi über den Verbleib der Fliesen. Glauben Sie mir, Frau Steffi war ähnlich überrascht wie wir, dass die Fliesen noch nicht eingetrudelt waren. „Hat man Sie über eventuelle Lieferschwierigkeiten informiert?“ „Äh, nein?“ „Ich erkundige mich sofort wo Ihre Fliesen stecken.“  Ja, und Frau Steffi kann wohl zaubern oder ordentlich Fliesen beim Hersteller bestellen, denn … Trommelwirbel … einen Tag, bevor die goldenen Handwerker zur Tat schritten, verlud der Gatte die schweren Fliesenpakte ins Automobil. Nun könnte man spekulieren, was da wohl schief gegangen ist … aber das wollen wir doch gar nicht, oder? Und schon gar nicht, wenn man in Betracht zieht, was noch so alles schief ging mit der schönen, roten Fliese. Während der Gatte schniefend und keuchend die vielen Fliesenpakete ins Automobil wuchtete, bestellte das Froilein derweil die Fliesen für den Badezimmerfußboden … natürlich in einwandfreier Holzoptik. Als ich zu dem Gatten stieß, warf ich einen ersten schüchternen Blick in den Kofferraum auf das langersehnte Steingut. Na, Moment einmal … genauer prüfender Blick in Richtung eines roten Fliesenpaketes und sorgenvolle Frage an den Gatten: „Sag mal, ist das da die Rückseite von der Fliese?“ „Nein.“ „Bist du dir da sicher?“ „Ja!“ Und schon rieß das Froilein an einem Fliesenpaket herum und hangelte sich eine Fliese heraus. „Roland (und zwar ausgesprochen mit einem äußerst harten am Ende!), die sind aber nicht Rot!“ „Was denn sonst?“ Das Schicksal ist bisweilen ein mieser Verräter. Die nächste Viertelstunde verbrachte das Froilein dann übrigens damit, mit einem roten Exemplar (Na, die genaue Farbbezeichnung bliebe noch zu klären…) abwechselnd zwischen Sonne und Schatten im herbstlichen Chemnitz zu hüpfen und ihren Blutdruck in den Griff zu bekommen. Vergebens. Der Blutdruck blieb in schwindelerregender Höhe und die Fliese wurde nicht etwa Rot, nein sie blieb wie sie war … unansehnlich & dreckig Orangerot. Gut, man könnte da jetzt auch dunkles Terrakotta dazu sagen. Aber Terrakotta ist nun wirklich nicht schön rot und auch längst nicht mehr modern.

Liebe Leserschaft, Rot ist nicht gleich Rot. Sie wissen das, das Froilein weiß das (und das nicht erst seitdem ihre Kopffäden rot sind) und der Gatte, der weiß das jetzt auch. Es gibt Rottöne mit eben erwähnten Orangestich oder mit einem Pinkstich (in Frisörkreisen auch gern als Magenta bezeichnet). Und dann gibt es das wahre Rot – ein hübsches Feuerwehrrot oder die Tornadorot-Lackierung beim VW Golf – das Froilein ist ja immer gern Golf gefahren. Jedenfalls gönnten sich der Gatte und meine Wenigkeit auch einen neuen Kühlschrank … so einen Retrokühlschrank in glänzendem Feuerwehrrot. Gut, das Lebensmittelverwahrungsobjekt weilte zwar noch irgendwo auf Deutschlands Autobahnen in einem Lkw, aber wie fabelhaft zum neuen Kühlschrank gab es gleich noch die passende Mikrowelle dazu … gleicher Hersteller … gleiche Farbe … gleiches glänzende Rot und schon in der heimischen Provinz weilend. Ja, und Feuerwehrrot und Terrakotta … vertragen sich so gar nicht. Das war dem Froilein durch Chemnitz hüpfend bewusst, dem Gatten ja noch nicht so wirklich: „Wir können die Fliesen doch Zuhause an die Mikrowelle halten, vielleicht passen sie ja doch.“ „Natürlich, wenn du bitterlich weinen möchtest.“ Nun sind Sie bestimmt neugierig und fragen sich: „Na, du gescheites Froilein, wie ist das denn passiert?“ Verbuchen wir es unter der Kategorie dumm gelaufen. Das Fliesenmuster an der Wand sah in meiner Erinnerung nämlich anders aus … irgendwie röter und irgendwie dunkler. Vielleicht war das Licht ungünstig, vielleicht hatte ich einen schlechten Farbtag, vielleicht hatten die Hersteller einen schlechten Farbtag, vielleicht, vielleicht, vielleicht. Das alles änderte aber nichts an der Tatsache, dass eine 12 Quadratmeter-Alternative her musste … und zwar binnen der nächsten 12 Stunden. Also ab zum Fliesenfachverkäufer. Manches Mal ist verrückten Dörflern das Glück doch hold: Auf Lager war tatsächlich eine schwarze Bodenfliese im gleichen Format – ja, ja die Größenunterschiede, da pfeifen wir jetzt einmal gekonnt drauf. Gut, die Fliese war nicht reinschwarz … ein paar wenige Maserungen waren vorhanden. Aber sie war hautpsächlich schwarz & matt und in der Not frisst der Teufel eh gern Fliegen. So landeten wir über Umwege wieder bei des Froileins anfänglichen Farbplan: Schwarz & Weiß. Ja, hätten wir doch gleich … denn Schwarz ist doch eigentlich immer Schwarz, oder? Übrigens bekamen die fiesen Terrakottafliesen tatsächlich noch ihren großen Auftritt … probehalber unter dem feuerwehrroten Warmmachgerät. „Also ich finde das gar nicht so schlimm“, sprach der Gatte besänftigend. „Ach, du möchtest also die Küche künftig nur mit Sonnenbrille oder im Dunklen betreten?“ „Na gut Olivia, die passen wirklich nicht.“ Am nächsten sonnigen Herbsttage verlegten die goldenen Handwerker die schwarze Notfallfliese und die bestellte weiße Fliese und das Froilein sah, dass es gut war. Übrigens, wie sagte Frau Mutter so schön: „Olivia, sei froh, dass das mit den roten Fliesen nichts geworden ist, dich hätte es ja in deiner Küche erschlagen…“ aber nicht vom Nudelholz. Recht hat sie, die Frau Mutter & Ende gut, alles gut. Das Froilein kann Sie allerdings beruhigen, die Badezimmerfliesen sind wundervoll … leibhaftig und in Farbe.

Headpiece: Jazzafine, Ohrclips: Summer Blue Jewelry, Fake Fur: H&M, Pullover: Orsay, Rock: Miss Candyfloss, Schuhe: Deichmann

Kein Herbst ohne die Farben Curry, Senf oder Orange, wenn wir da heute schon einmal so schön dabei sind. Ach, der herrliche Herbst. Genießen Sie ihn … ohne Schnee und mit viel buntem Laub.

Es grüßt Sie herzlichst Ihr farbengescheites Froilein Olivia

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