Renovierungsabsichten oder „Das ist aber nicht mehr modern!“ – Teil I

Liebe Leserschaft,

nun haben sich der Gatte und sein Froilein (wohl eher das Froilein als der Gatte) endlich einmal aufgerafft. Surprise, liebe LeserInnen, surprise: Noch in diesem Herbst soll die Verschönerung der heimischen Naßzelle erfolgen … dem Gatten ist es ja prinzipiell egal wo er sich seine Zähne putzt. So, und mit Verschönerung meine ich nun nicht den Erwerb von andersfarbigen Handtüchern oder die Verwendung von bezaubernden Stickern an den ollen Fliesenwänden. Nein, nein – das hatten wir nämlich schon vor 2 Jahren getätigt, hat aber leider nur bedingt geholfen. Ich meine an dieser Stelle also wirklich die komplette Erneuerung des Badezimmers mit Fliesen, Mobiliar & Dusche. Ach, ein neues Klosett wäre auch ganz schön. Jedenfalls schwebte die Badezimmerrenovierung schon eine hübsche Weile wie ein fieses Damoklesschwert über meinen Kopf, und hätte ich auch nur im Entferntesten geahnt, was das alles für eine nervenstrapazierende Odyssee wird, dann hätte ich das Damoklesschwert weiterhin kokett ignoriert und mir neue Frottierwaren & Aufkleber besorgt – auch mit Accessoires kann man bisweilen viel bewegen. Aber was muss, das muss irgendwann einmal. Auf die thematische Ausrichtung des heutigen Beitrages (und des nächsten) dürfte ich Sie nun feierlich eingestimmt haben, fotografisch gesehen wird es elegant … eine weitere schöne Facette des Herbstes ist, dass Dame endlich wieder Hüte tragen kann, ohne dabei allzu dämlich angestarrt zu werden:

Was tun die Dame und der Herr in der Regel als erstes, wenn der Badezimmererneurungs-Entschluss gefasst wurde („Na, Olivia, wenn du meinst, dann machen wir das Bad eben neu.“)? Richtig, man besucht ein Fliesengeschäft – oder in unserem Fall: alle möglichen Fliesengeschäfte von unserer Provinz bis nach Dresden. Schütteln Sie ruhig Ihre Köpfe, aber Sie müssen doch zugeben, dass dieser Wandputz niemals leichtfertig ausgesucht werden sollte, denn man sollte sich schon ein Weilchen an ihm erfreuen –  bestenfalls 18 Jahre oder bei den derzeitigen Fliesenpreisen möglichst das ganze restliche Leben. Außerdem würde der Gatte mich fressen, wenn ich in fünf Jahren angetrabt käme und verkünden würde: „Roli (der Gatte heißt übrigens Roland und das „i“ bedeutet niemals etwas Gutes) mir gefallen die Badezimmerfliesen so gar nicht mehr, können wir bitte neue kaufen?“ „Olivia, du kannst auch gern die nächsten 5 Jahre mit der Katze fressen.“ Würde ich machen, wenn wir eine hätten. Das also gilt es tunlichst zu vermeiden und wie heißt es außerdem so schön: Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch noch eine bessere Fliese findet. Und zwar eine, welche jene Vorliebe widerspiegelt, die auch in des Froileins Kleiderschrank Einzug gehalten hat: also irgendetwas im Stil der 40er, 50er oder auch der 60er Jahre Jahre. Verwundert Sie an dieser Stelle doch nicht die Bohne, oder? Der Gatte findet es auch folgerichtig … notgedrungen.

Die Richtung wo es mit dem knappschen Badezimmer hingehen soll, stand fest. Nun könnte man meinen, dass es bei klaren Vorstellungen ein Leichtes wäre, etwas Passendes zu finden … in einem der vielen Fliesenfachgeschäfte, die wir die letzten 6 Wochen so besucht haben. Denkste. Anbei bemerkt rollt Frau Mutter ja schon seit exakt 4 Wochen mit den Augen, wenn das junge Gemüse verkündet: „Heute fahren wir wieder nach Fliesen gucken.“ Der Herr Vater sagt vorsichtshalber gar nichts mehr. Und eine Zusammenfassung der Erlebnisse würde ich Ihnen jetzt gern in einem Gespräch (das tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht) präsentieren: Eine hochmotivierte Fliesenfachverkäuferin spricht: „Kann ich Ihnen helfen?“ „Wir sind auf der Suche nach einer Retrofliese für unser Badezimmer.“ (Fragezeichen über den Kopf der Fliesenfachverkäuferin) Gut, der Wunsch war vielleicht etwas unpräzise ausgedrückt. „Wir meinten eine Fliese etwa im Stil der 40er, 50er oder auch der 60er Jahre.“  (Das Fragezeichen war immer noch da – unverständlich bei 3 möglichen Jahrzehnten) „Aha, Wand- oder Bodenfliese?“ – „Beides.“ (Zu dem einen Fragezeichen gesellten sich jetzt 3 weitere, aber bisweilen hilft vielleicht die Flucht nach vorn, wenn man gar nicht weiter weiß.) „Ich glaube, ich hätte da etwas für Sie.“ Sensationell. Ab ging es im Gänsemarsch zu den verschiebbaren Wandelementen mit den Fliesen darauf. Die Dinger sind übrigens furchtbar, aber nun gut. Vielleicht hätte ich 1940er, 1950er und 1960er Jahre sagen sollen, denn was uns die Dame präsentierte, hatte den Charme längstvergangener Jahrhunderte, zwar mit hübschen, verspielten Ornamenten, aber eher der Sparte Nostalgie als der Sparte Retro angehörig. (Na, vielleicht wissen Sie, was ich meine.) Zweifelsohne eine adrette Kombination, aber so gar nicht das was wir eigentlich suchten. „Oder hätten Sie eine Dekorfließe mit gemalten Blumen, also nichts Modernes, die sich mit einer einfarbigen Fliese kombinieren lässt?“ (Entsetzer Gesichtsausdruck) „Also, Blümchenfliesen sind schon seit einiger Zeit nicht mehr modern.“ Aha. „Oder vielleicht etwas in Pastellfarben?“ (Verständnisloser Gesichtsausdruck) „Seit einem Jahr werden Grautöne bevorzugt.“ Herrje, jede Dame ist dankbar für ein Tageslichtbad, da muss man doch keine Dunkelkammer daraus machen, oder? „Gibt es eigentlich auch kleinere Fliesenformate? Die rechteckigen Großformate gefallen uns nicht.“ (Schockierter Gesichtsausdruck): „Die kleinen Fliesenformate wurden schon vor 2 Jahren aus den Sortimenten der Hersteller genommen.“ Entzückend oder wer zu spät kommt, den bestraft die Fliese. Einmal ehrlich liebe Leserschaft, gefallen Ihnen diese rechteckigen Monsterfliesen? Die Fliesenleger von heute sind wahrlich nicht zu beneiden. Da stellt sich ja die Frage, ob sich die Herren beim Verlegen eigentlich von Zeit zu Zeit ihre Finger brechen.“Die heutigen Fliesenformate haben aber nicht zu verachtende Vorteile.“ Na dann, überraschen Sie mich einmal, liebe Dame Fliesenfachverkäuferin – ich nehme Rücksicht auf Kundenwünsche, dachte ich mir so. „Große Fliesen vergrößern optisch ein kleines Badezimmer, wie groß ist eigentlich ihr Badezimmer?“ „6 (ganze) Quadratmeter.“ „Na sehen Sie, da würde sich eine große Wandfliese aber wirklich anbieten!“ Ungeachtet der Tatsache, dass ich mich mit großen rechteckigen Fliesen nicht anfreunden kann und will, bin ich überaus zufrieden mit meinem Miniaturbadezimmer. Gut, beim nackig Polkatanzen muss ich höllisch aufpassen, dass ich mich nirgends stoße, aber ansonsten mag ich meine knuffige Naßzelle. „Bei großen Fliesen gibt es weniger Fugen, die geputzt werden müssen, denn welche Frau putzt schon gern?“ Das Froilein beispielsweise? Und die Fliesen, welche sich noch aktuell an unseren übersichtlichen Badezimmerwänden befinden, sind tatsächlich weiß verfugt (Oh, du große Putzschande!) und stellen Sie sich einmal vor, die sind nach 18 Jahren immer noch strahlend weiß – sowohl die Fugen als auch die Fliesen. Gibts nicht? Gibts doch! Und stellen Sie sich weiter vor, so häufig kommen unsere Badezimmerwände nicht in den Genuss eines Putzlappens. Wunder gibt es doch immer wieder. „Oder wie gefällt Ihnen diese Fliese?“ Oh Schreck! Retro ist an sich ein weiter Begriff und 3 zur Wahl stehende Jahrzehnte lassen wirklich viel Spielraum, aber eine dunkelrote Monsterfliese mit reichlich Maserungen und (Achtung!) Straßsteinen war damalig bestimmt nicht modern. „Diese Fliese verkaufen wir übrigens sehr gut.“ Schön. Ist mir ja ein Rätsel. Aber nun gut, Geschmäcker sind verschieden und wie es mit dem Badezimmerdilemma weiterging, verrate ich Ihnen das nächste Mal. 

Kein Beitrag und auch kein Fliesenbeitrag ohne nähere Betrachtung der Garderobe. Die, LeserInnen unter Ihnen, die das Froilein schon lange Zeit in der Provinz besuchen, kennen dieses Kleid bereits in schwarz. Ist es eigentlich verwerflich sich ein und dasselbe Kleid in zwei verschiedenen Farben zuzulegen? Das Froilein sagt an dieser Stelle einmal vehement „nein“, denn diese „light pinke“ Variante, die gehörig ins pastellige Koralle geht, ist bezaubernd im Sommer und mit den richtigen Accessoires auch ein echter farblicher Hingucker im Herbst. Widersprechen Sie mir jetzt ruhig.

Sie wissen, ich liebe Hüte, Hütchen und alles andere, das ich mir auf den Kopf pappen kann. Obwohl ich retroliebend bin, bringt mich eines an den Rande der Verzweiflung: Hutgummis. Vielleicht mag es an meiner provinziellen Herkunft liegen, vielleicht auch an meiner Talentfreiheit, aber ich komme mit dieser Befestigungsvariante überhaupt nicht zurecht. Umso besser, dass sich im Hutinneren zwei verschließbare Kämmchen befinden.

Mantel & Handschuhe: H&M, Kleid: Daisy Dapper, Hut: Collectif Clothing, Ohrclips: Glitter Paradise, Gürtel: Tatyana, Schuhe: Deichmann

Was den Mantel in Trenchcoatoptik betrifft, befürchte ich fast, dass dies ein Fehlkauf war. Wohl dem, dass ich ihn reduziert erstanden habe, ansonsten würde ich mich noch mehr über ihn ärgern. Denn wahrer Trenchcoat hin oder Trenchcoatoptik her, Knöpfe zum winddichten Verschließen eines Mantels scheinen wohl auch nicht mehr modern zu sein, wie ich auch bei der neulichen Betrachtung der Herbst- und Wintermäntel in etlichen Geschäften im schönen Karl-Marx-Stadt feststellen musste. Anstelle dessen werden vielzählige Modelle, nur locker mit einem Bindegürtel am Körper festgezurrt. Die Grippeviren freuen sich. Wie gefällt Ihnen die heutige Garderobe (und der bisherige Flieseneklat)?

Es grüßt Sie von Herzen Ihr renovierungsfreudiges Froilein Olivia

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2 Kommentare zu “Renovierungsabsichten oder „Das ist aber nicht mehr modern!“ – Teil I

  1. Herrjeh, die Fliesenfachverkäuferin hatte ja echt mal null Durchblick, was Kundenwünsche angingen. Ich hoffe, ihr findet noch die passende Fliese. Ich könnte mir etwas hübsch pastelliges sehr gut vorstellen: entweder im zarten Pink des hier gezeigten Kleides (einfach nächstes Mal beim Einkauf anziehen und als Referenz benutzen) oder ein hübsches Minzgrün. Das hübsch kombiniert mit Gold und Schwarz macht bestimmt einen herrlichen Retrolook 🙂
    Viel Erfolg wünscht
    Sandy

    • Liebe Sandy, vielen Dank für deine mitfühlenden Worte. Nun denn, ich möchte nicht allzu viel verraten – denn im nächsten Beitrag geht es freilich weiter – es gibt tatsächlich noch charmante und fachkundige Fliesenfachverkäufer (wohl bemerkt, da haben einmal die Herren die Nase vorn). Aber mit einer deiner trefflichen Farbeinschätzungen liegst du goldrichtig. Liebe Grüße & ein schönes Wochenende – Froilein Olivia

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