Von Eulen & Rapsfeldern

Werte LeserInnen,

ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass Gelb eine dominierende Farbe des Frühlings ist? Für alle unter Ihnen, die sich nun stirnrunzelnd und kopfschüttelnd fragen, ob das Dorffroilein etwa den meteorologischen Sommerbeginn per 1. Juni verschlafen hat. Nein, liebe LeserInnen, ich bin seit jeher eine große Verfechterin der astronomischen Jahreszeitensichtweise und danach gesehen befinden wir uns immer noch im Frühling … gut, im Spätfrühling.

Nebenbei bemerkt, verschlafen habe ich in letzter Zeit nicht einen einzigen Morgen, ganz zur spitzbübischen Freude des Gattens: „Na, du Frühnickel.“ Aberwitzig der Gute, und urkomisch.  Ja, die Tage werden länger und die Nächte mit ihrer wohltuenden Dunkelheit rasch kürzer – ein freudiges Naturspektakel für jede Lerche, die mit dem ersten Hahnenkrächzen munter und voller Tatendrang aus dem Bett hüpft – ein heikles Unterfangen aber für jedes Eulen-Froilein, das erst abends so richtig munter wird und deswegen morgens gern ein Stündchen länger schläft … oder zwei. Der Herr Vater meinte einmal: „Unsere Olivia verschläft nochmal ihr ganzes Leben“. Das kann man nun wirklich so nicht stehen lassen, denn zu den wichtigen Ereignissen meines Lebens trollte ich mich bisweilen recht- und frühzeitig aus den Federn … zur Abschlussprüfung in Sprachwissenschaft beispielsweise. Allerdings wäre bei diesem 4 stündigen Martyrium voller Böhmischer Dörfer ein schlaftrunkener Zustand auch nicht schlimm gewesen … das Ergebnis hätte nur besser werden können.

So, und nur weil ich eine überzeugte Langschläferin bin, bedeutet das keinesfalls, dass ich mit Beginn der Sommerzeit nicht doch frühzeitig erwache … gerädert, muffelig und übelgarstig gelaunt. Ja, und wer reißt mich jeden Morgen wagemutig aus meiner Tiefschlafphase? Der Gatte nicht, denn dieser hat in den letzten Jahren rasch gelernt, dass mit einem schläfrigen Froilein nicht gut Kirschen essen ist. In den wärmeren Monaten des Jahres ist das ja so: Jeden Tag taucht die Sonne am Himmel auf. Gut, die Angewohnheit hat sie im Winter auch, nur im Sommer tätigt sie dies jeden Tag ein bisschen früher. Schön, wenn man dann ein Schlafzimmer mit Blick gen Osten sein Eigen nennen darf, weil es doch so schön ruhig ist „hintenraus zu schlafen“. Wunderbar, wenn man dann noch eine unverbesserliche Eule ist, die es partout nicht einsehen möchte, dass der Schlaf vor Mitternacht der Gesündeste ist. Sollten Sie nun meinen: „Herrje du Froilein Umstandskasten, dann kauf dir eben Verdunklungsrollos!“ Die wachkitzelnden Sonnenstrahlen wären das eine, die unzähligen gefiederten Tierchen, welche auf des Nachbars Baum hocken (Luftlinie keine 5 Meter) und ab Sonnenaufgang fröhlich ihre Liedchen trällern, wären das andere. Freilich, der Winter war lang, es gibt viel nachzuholen, aber so ein Durchschnittsvogel hat doch ein äußerst lautes Organ. Also, was bitte mache ich mit diesen Dauerbeschallern und Dezibelignoranten? Mit der Flinte vom Baum holen? Oder klammheimlich des Nachbars Baum fällen? Fakt ist, beides würde nicht lange unbemerkt bleiben, wobei das eine mit meinem Herz für Tiere kollidieren würde (ja, auch wenn diese mir frühmorgens gewaltig auf den Wecker gehen) und eine rothaarige Furie mit Flinte in der Hand brächte bestimmt nicht nur den Gatten gehörig ins Grübeln. Das andere würde bei meinem Glück des Herrn Vaters neuen Gartenzaun in Mitleidenschaft ziehen und den Nachbarschaftsfrieden stören. Und diesbezüglich, liebe Leserschaft, bin ich nicht lebensmüde. „Dann schließ doch das Fenster!“ Würde ich liebend gern, aber was meinen Sie, würde dann mit dem Raumklima über Nacht geschehen? Eine Anmerkung an dieser Stelle: Unser Schlafgemach umfasst sagenhafte 8 m². Komatöse Zustände hervorrufen, wäre eine Antwortmöglichkeit. Gut, der störende Singsang wäre dann zwar passé, die gesunde Gesichtsfarbe aber auch. Aber darf ich Ihnen etwas verraten, spätestens zur herbstlichen Tag-Nacht-Gleiche, habe ich mich an das Gefunzel und Geträller gewöhnt. Jedem Tierchen sein Pläsieren und jedem Froilein ihre Marotten.

Nun hätte ich wieder allerhand palavert, nur nicht über das Gelbe am Frühling. Das gilt es nun schleunigst nachzuholen: Die Narzisse ist gelb, die ein oder andere Tulpe auch, der Löwenzahn ebenfalls und nicht zu vergessen, leuchtet derzeit in unserer Provinz der Raps kilometerweit auf etlichen Feldern (um nicht zu sagen, eigentlich auf fast allen Äckern – ein Hoch auf die subventionierte Landwirtschaft).

Kleid: Stop Staring!, Gürtel: H&M, Schuhe: Deichmann, Ohrstecker: Orsay

Wie gefällt Ihnen eigentlich Gelb in textiler Hinsicht? Ja, Gelb ist durchaus heikel. Diese Farbe kann noch so angesagt sein und von etlichen Modekennern fleißig angepriesen werden – Sie wissen, ich richte mich nun nicht unbedingt nach den neusten Trends – Gelb ist und bleibt aber bekannt dafür, allerlei Insekten anzuziehen – klappt bei einer gewöhnlichen Maiblume ja auch ganz fabelhaft. Aber welche Dame möchte schon als Ganzkörper-Insektenstimulanzia durch die ländlichen Gefilde wandeln? Wie steht es mit Ihnen, liebe Leserschaft, haben Sie eine gelbe Robe in Ihrem Kleiderschrank oder finden Sie, dass Gelb ausschließlich einer handelsüblichen Zitrone vorbehalten bleiben sollte?

Navyblau wäre da schon gediegener. Und dieses Stop Staring! Schätzelein wollte ich Ihnen schon immer einmal präsentieren, aber stets kam die ein oder andere Neuerwerbung dazwischen. Und da feststand, dass sich das Froilein in den Raps begibt, kam das dunkle Fähnchen wahrlich zupass. Der Stoff ist äußerst straff und erinnert ein wenig an Bengalin, formt aber sensationell. Ja, es lebe die Kunstfaser. Eigentlich gehört zu diesem Kleid ein braunmelierter Gürtel, der optimal auf die Farbe der Knöpfe mit Ankermotiv abgestimmt ist. Nun ist Gelb schon Geschmackssache, meine innige Freundschaft zu Brauntönen konnte ich auch noch nicht entdecken – die braune Salz & Pfeffer Stoffhose vom vergangenen Herbst hierbei außen vor gelassen. Oh Schreck, Gürtel weg, fand ja auch Frau Mutter: „Olivia der Gürtel ist furchtbar,“ und mit Nude-Tönen liegt Dame nie wirklich falsch oder völlig daneben. Zudem hat das Froilein zu diesem Gürtel tatsächlich passende Sandälchen. Friede … Freude … eine langschläfrige Dorfpomeranze im Rapsfeld.

Es grüßt Sie von Herzen Ihr Froilein Olivia

Advertisements

2 Kommentare zu “Von Eulen & Rapsfeldern

    • Liebe Karin, gelbe Robe und rote Haare ist natürlich eine unschlagbare Kombination. Lieben Dank für dein Kompliment, von einer Fachfrau etwas ganz Besonderes. Schönes und entspanntes Wochenende auch dir. Auf bald.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s