Sturmfrei oder die verlernte Kunst der Entspannung

Verehrte Leserschaft,

vielleicht erinnern Sie sich an das großartige Gefühl, als die Eltern das erste Mal ohne den holden Nachwuchs in den Urlaub fuhren (also ohne uns lieben Kinderlein) und man sich eine geraume Zeit an einem sturmfreien Heim ergötzen konnte. Ja, das war durchaus fabelhaft, und so ähnlich fühlten sich das Froilein und der Gatte zu Beginn der Woche als Frau Mutter & Herr Vater in Richtung Oberbayern aufbrachen – dort soll es ja auch sehr schön sein. So, und wenn man sich endlich an einer Großelternschaft erfreuen kann – man musste dafür freilich jahrelang ausharren: „Olivia, allmählich wäre es schon mal an der Zeit für Kinder!“ „Hö, ich bin doch noch so jung“, sprach die 28 Jährige damals – nimmt man natürlich das geliebte Enkelkind mit auf Reisen (und das Laufrad). Alles andere würde wahrlich das großelterliche, schlechte Gewissen auf den Plan rufen. Also winkten der Gatte und sein Froilein den Reisenden am montäglichen Morgen, schlossen die Haustür und lauschten: „Hör mal, diese Ruhe … himmlisch“ – nur das stetige Schniefen des Boxerbims war zu hören. Der durfte nämlich nicht mit; wäre ja auch anstrengend mit zwei Kindern gleichzeitig. „Ich geh jetzt auf Arbeit.“ „Und ich putze die Wohnung.“ Entgegen den sturmfreien Zeiten in jüngeren Jahren, macht man nämlich mit über 30 nicht mehr blau, tanzt nackig durch das Haus, feiert wilde Festivitäten oder macht die Nacht zum Tage. Nein, in diesem Alter widmet man sich ganz plötzlich, ganz sinnvollen Dingen, wie beispielsweise der längst überfälligen Umgestaltung des Kinderzimmers, die dann auch gleich als Überraschung für den Minimann bei seiner Rückkehr diente oder der gründlichen Verteilung der Kunststofftiefenpflege im Inneren des Automobils – beim baldigen Reifenwechsel möchte sich Frau nicht für ihren fahrbaren Untersatz schämen. Und weil man freilich ach soviel Zeit und Ruhe genießt, könnte die Dame des Hauses auch gleich den Frühjahrputz in Angriff nehmen. Einmal unter uns, liebe LeserInnen,  wann haben sie Ihren großen Hausputz das letzte Mal ungestört und in himmlischer Ruhe getätigt? So können die  vielen schönen „Kleinigkeiten“, welche sich Frau höchstens einmal im Quartal in Sachen Haushalt abverlangt, durchaus eine entspannende Wirkung entfalten. Gemeint wären hier unter anderem das Putzen der Fenster, das Herumkriechen in den wüstesten Ecken und Winkeln (also dort wo natürlicherweise kein Tageslicht hinreicht) oder die ganz große Wäsche. Soviel zu dem tagesfüllenden, „sturmfreien“ Animationsprogramm. Da verwundert es dann auch keineswegs, dass man etwa zu der Halbzeit des allabendlichen Fernsehfilmes (welcher 20.15 Uhr beginnt) das große Gähnen bekommt und man sich noch vor dessen Ausgang in das Schlafgemach trollt … himmlische Stille ist eben unheimlich ermüdend und Nächte „durchmachen“ etwas anderes – das mit dem uneingeschränkten entertain me allerdings auch.

Am dritten Tage (von übrigens fünf in himmlischer Ruhe), als sämtliches nützliches Werkeln (eigentlich) vollbracht war, musste das Froilein entsetzt feststellen: „Und nun?“ Nochmals den Putzlappen schwingen, war selbst mir zu albern, und ich bin wahrlich häuslich veranlagt. Zeit also für ein wenig angedachte Entspannung bei dem Froilein und da es diese Woche wettertechnisch einen zaghaften Vorgeschmack auf den Sommer gab, wollte auch ich die wenigen Stunden Sonne, Sonnenschein & angenehme Temperaturen nicht ungenutzt verstreichen lassen, platzierte mich auf der heimischen Plastikliege und aalte mich in der Sonne. Kurze Zeit später, an einen Sonnenbrand war gewiss noch nicht zu denken, klopfte sie wieder … die bange Frage: „Und nun?“ Ungewohnte Stille kann doch ganz flott die Langeweile zu Tage fördern … auch auf einem Grünflächen-Diwan bei 20 Grad: „Irgendetwas muss doch bestimmt noch verrichtet werden“. Und so sprang  das Froilein von der Gartenliege und widmete sich ihrem Rosenbeet … und den Holzmöbeln, welche den neuen Anstrich wirklich nötig hatten … und der Bepflanzung des Eingangsbereich. Ja, sich in himmlischer Ruhe entspannen ist tatsächlich eine Kunst, welche ich wohl verlernt habe. Und das ist höchst ärgerlich, sage ich Ihnen, denn als der Rest der knappschen Sippe wieder zu Hause eintrudelte und nicht einmal mal 12 Stunden vergangen waren, jammerte das Froilein: „Ein bisschen Ruhe wäre jetzt schön“. Nun denn, man lechzt immer nach dem, das man gerade nicht hat.

Das Wetter der vergangene Woche animierte das Froilein auch ihren neuen Kopfputz auszuführen:

Ein Lila-Traum aus Iris – ich liebe dieses Hütchen abgöttisch und ja, lila ist derzeit des Froileins bevorzugte Farbe… und schwarz, natürlich. Allmählich macht sich bei mir die Befürchtung breit, dass der florale Sommertrend an mir vorbeirennen wird, wir werden sehen, ob ich ihn einhole. Die fotografischen Aufnahmen entstanden übrigens in der Parkanlage des Schlosses zu Schlettau … sehen Sie es als weitere Ausflugsempfehlung an, insofern Sie das Erzgebirge in Ihre touristischen Pläne aufnehmen wollen.

Und natürlich gab es einen Kerker …

… und einen Schlossteich.

Headpiece: Jazzafine, Ohrhänger: Fräulein Wildkirsch, Kleid: Glamour Bunny, Schuhe Deichmann, Tasche: La Parisienne (by Topvintage)

Es grüßt Sie Ihr Froilein Schloßgespenst

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