Gemeine Osterverstecke & infame Geburtstagsgeschenke

Werte LeserInnen,

es ist ganz vortrefflich einen Vogel sein eigen zu nennen – der entschuldigt nämlich so einiges. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen präsentiert Ihnen das Froilein heute einfach wieder den ein oder anderen Piepmatz … auf einem Kleidchen. Eine gewisse Vorliebe zu textilem Flattergetier kann ich nun nicht mehr leugnen:

Cape & Clutch: H&M, Kleid: Hell Bunny, Gürtel: Collectif Clothing, Schuhe: Deichmann, Ohrstecker: Bijou Brigitte

Eigentlich entstammt dieses Kleid der vergangenen Herbstkollektion – aber bitte wer trägt ein kurzärmeliges Flatterkleid im erzgebirgischen Herbst, wenn es bereits Ende Oktober schneit? Keine Dame mit gesundem Menschenverstand und bestimmt auch kein Froilein, welches sich wieder einmal routiniert vor der alljährlichen Grippeschutzimpfung gedrückt hat. Sie wissen, ich verabscheue Nadeln. Also biete ich Ihnen dieses Lila-Flatter-Piepmatz-Gewand eben erst jetzt dar … im Frühling. Apropos österliche Festivität – nebst den Häschen und den versteckten Eiergeschichten – ich hoffe Ihre Osterfeiertage waren entspannt und Sie haben alle verborgenen Präsente entdeckt. Meinen Glückwunsch, wenn dem so war. Sollte dem hingegen nicht so gewesen sein – ich kann durchaus nachempfinden, wie frustrierend es ist, sich einen Wolf zu suchen. Die Rache des Göttergatten erfolgt immer am Ostersonntag: „Wie viel hast du denn versteckt?“ „Vier im Wohnzimmer und zwei im Schlafzimmer.“ Diese Antwort brachte die geschenkegeile Dame an dieser Stelle keinen Millimeter weiter, aber fabelhaft, dass sie fragte. „Gib mir doch wenigstens einen Tipp!“ „Das eine im Wohnzimmer findest du nie.“ Irgendwo „unter“ den Weiten einer riesigen Sofalandschaft ist eben nicht dahinter und Osternester aufspüren ist kein Frühjahrsputz mit lustigem Möbelrücken. „Na, schönen Dank auch, und nächstes Jahr lassen wir das mit dem Verstecken, wir sind ja keine Kinder mehr.“

Der Minimann konnte sich vergangene Woche nicht nur an den hoppelnden & leicht zu erspähenden Gaben des Meister Lampes erfreuen,  er feierte auch sein 3. Wiegenfest und das am 1. April – Geburtstagsdaten kann man sich wahrlich nicht aussuchen. Auf das Gemeinste veräppeln wäre zwar in unserer Familie justament passé, dafür tragen wir jetzt allesamt bunte Geburtstagshütchen (auch der Boxerbim) und trällern fröhlich, laut & schief „Happy Birthday Minimann“ (der Boxerbim singt nur höchst ungern). Auch schön, und zum Veralbern braucht es bei uns bestimmt keinen 1. April. Nun habe ich Ihnen schon einmal von dem elterlichen & großelterlichen Gerangel um des Minimanns Gunst in Sachen superduper Geschenk berichtet und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass es dieses Mal anders war. Schon Wochen vorher wurde der Minimann immer wieder befragt, was er sich zu seinem Ehrentag wünsche – es ist ein Segen, wenn der Nachwuchs eine gewisse Kommunikationsfähigkeit erlangt hat. „Minimann, was möchtest du denn zum Geburtstag haben?“ „Einen Grill, wie der Papa hat.“ Ja, der holde Papa. „Aha, und was noch?“ „Einen Rasentrimmer, wie der Opa hat.“ Ja, und der holde Opa erst. „Noch etwas, lieber Minimann?“ „Ein Bügeleisen, wie die Oma hat.“ Palim, palim … da guckten die Herren der Schöpfung aber komisch aus der Wäsche und die Damen des Hauses lachten schallend laut – eher über die verdrießlichen Gesichter ihrer Männer, als über den geäußerten Wunsch.

Frau Großmutter & Herr Großvater meinten dann, dass der Minimann mit seinen nunmehr 3 Lenzen bereit wäre … für ein Laufrad. Dem Froilein war es schlagartig speiübel und vor ihrem geistigen Auge tanzten die wildesten apokalyptischsten Bilder; Hauptakteure dabei der behelmte Minimann und das Laufrad. Da ist man als Mutter heilfroh, dass sich der Sohnemann gegenwärtig & endlich auf seinen zwei Beinen stabil fortbewegen kann und man eine Notaufnahme nur noch vom Hörensagen kennt, da muss man das Schicksal wirklich nicht unnötig herausfordern, finden Sie nicht auch? Der Gatte hingegen entschied sich für einen Traktor – also einem zum Draufsetzen, Fortbewegen und zum Schaufeln – kann bei uns in der Provinz durchaus von Nöten sein und das Verletzungsrisiko hält sich bei solch einem Gerät auch in überschaubaren Grenzen – wenn der Minimann damit umpurzelt dann wenigstens nicht mit 5 Stundenkilometern auf der Uhr. Sie haben übrigens richtig gelesen, der Gatte war dieses Mal für die Auslese der Geschenke zuständig, nach meinem durchschlagenden Erfolg am Tage des Nikolaus. Nein, zu seinem Geburtstag sollte sich der Minimann einmal aus vollen Herzen an seinen Präsenten erfreuen … und nicht nur das Froilein Mutter –  von dem Weihnachtsmannhaus bin ich allerdings immer noch ganz angetan. Jedenfalls kam des Minimanns Ehrentag und der Tag der Geburtstagshütchen und der Luftballons, mit denen der Boxerbim immer so freudig spielt – nicht lange, aber wirklich vergnügt.

„Auspacken, auspacken!“ Jawohl, Minimann. „Ein Rasentrimmer. Der Opa hat aber zwei.“ „Ja, … der Opa ist ja auch schon groß.“ „Was ist denn das?“ „Ein Presslufthammer. Der macht auch so schöne Geräusche, wie der Rasentrimmer.“ Liebe Leserschaft, was wäre die Spielzeugindustrie, ohne authentische Spielzeuggeräusche, welche nach geschätzten fünf Minuten oder gefühlten Stunden an den mütterlichen Nerven zerren? Kann man aber diesen nervtötenden Umstand nicht vor dem Nachwuchs verbergen, hat man dann für die nächste halbe Stunde verloren, so lange halten die Batterien nämlich locker durch. Also presslufthämmerte der Minimann unter den neidischen Blicken seines Herrn Vaters, welcher gehörig mit dem aufkommenden Kind in sich kämpfte. Das wollte bestimmt auch einmal „presslufthämmern“. Mit der großelterlichen Miniatur-Kettensäge rannte dieser nämlich einst voller Glückseligkeit durch den heimischen Garten. Um Ihnen das Bildchen im Kopf ein wenig zu verdeutlichen: Ein 1,90m großer (ja, großer auch im Sinne von erwachsener), bärtiger Mann prescht mit einer Kinderkettensäge, welche freilich auch Geräusche von sich gibt, wie eine besengte Sau grölend durch einen dörflichen Garten. Da macht man sich als Nachbarn auch so seine Gedanken: „Der hat doch einen Vogel.“ Da kennen Sie seine Frau noch nicht. Zurück zu der grenzenlosen Freude des Minimanns an seinen Geschenken … oder auch nicht, wie sich gleich zeigen wird. Der heiß ersehnte Grill war nur mäßig erquickend. Dieser kann aber, dank angebrachter Rollen, wunderbar geschwind durch die Gegend geschoben werden – damit „grillen“ könnte der Minimann freilich auch. Den sprichwörtlichen Vogel schoss dann allerdings der Traktor ab. Anfänglich war des Sohnemanns Welt noch in heiler Ordnung: „Möchtest du dich mal drauf setzen?“ „Ja.“ „Minimann, das ist wie bei dem Dreirad.“ „Ja, klar.“ Kurze Zeit später: „Der fährt nicht“, und die Krokodilstränen flossen … nur eben nicht vor Freude. Der Gatte schmunzelte verwegen: „Schatz, du brauchst hier gar nicht so siegessicher zu gucken, der ist nur für 50 Kilo zugelassen!“ Warum nicht doch probieren, dachte sich der Gatte, und platzierte sich. Schlussendlich sollte dem Minimann in seinem Traktordilemma aufrichtig geholfen werden. Aber der Papa ungelenk auf des Kindes Gefährt, nicht wissend wohin mit den langen Stelzen und feststellend, dass sich Schuhgröße 45 und die Pedale auch nicht so recht vertragen wollen, machte es für den Minimann nicht erträglicher. (Alle anderen aber lachten köstlich.) Auch aufmunternde Worten mit Engelszungen geflötet, interessierten den Minimann nicht die Bohne: „Das macht großen Spaß.“ „Nein, Minimann will nicht!“ Was ein Kind nicht will, das will es nicht. Dem sollte man sich zähneknirschend fügen, alles andere wäre zweifellos Nötigung. So, und dann hatte das großelterliche Laufrad seinen großen Auftritt: „Minimann mal fahren,“ sprach es, war von dannen und wollte da gar nicht mehr so recht runter. Hat Sie das an dieser Stelle ernstlich verwundert? Das Froilein auch nicht. An des Minimanns Präferenz hat sich übrigens gegenwärtig noch nichts geändert und das Froilein Mutter hat diesbezüglich eine Theorie. Der gewiefte Sohnemann musste wohl sehr schnell feststellen, dass er zum Tippeln weniger kräftige Wassersuppe aufbringen muss als zum Pedale-Treten – die üble Not eines kleinen Faulis, der seinem Froilein Mutter einmal verriet: „Ich möchte ein Auto zum Reinsetzen, das selber fährt“. Palim, palim. „Olivia wusstest du das?“ „Nein, natürlich nicht!“ Kommt Zeit, kommt Rat oder vielleicht auch Freude oder doch der erforderliche eigene Antrieb. Dem Rücken des Gattens würde das sicher sehr behagen.

Sollten Sie sich an dieser Stelle interessiert fragen: „Was ist denn eigentlich aus dem Kinderbügeleisen geworden?“ Gewisslich war auf dem Gabentisch noch ein kleines Plätzchen frei. Und der Authentizität wegen, gab es ein adäquates Bügelbrett gleich noch mit dazu – wenn schon, denn schon. Dieses Amüsement konnten sich die Damen des Hauses nicht verkneifen. Der Minimann freute sich wie ein Schneekönig und „bügelt“ seitdem weit häufiger als seine Mutter. Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, weist dieses Ding einen Wassertank auf – Sie wissen, die liebe Glaubwürdigkeit. Die Tatsache, dass der gescheite Minimann seine Wäsche zum besseren Bügeln vorher nass spritzen wollte – tätigt die Frau Großmutter ja auch so – wurde von den Damen des Hauses zunächst kokett ignoriert: „Wasser reinmachen!“ „Minimann, du kannst auch so bügeln“. Das Froilein sollte Ihnen an dieser Stelle vielleicht offenbaren, dass ihr Küchenfußboden mehrmals täglich einem Schwimmbad gleicht, und zwar immer dann, wenn der alte Boxerbim nach seinem Saufgang fünf Runden um den Esstisch gedreht hat. Zugegeben, an seinen altersbedingt tief herabhängenden Lefzen, welche einen phänomenalen Wasserspeicher abgeben, trägt er keine Schuld, aber ein klitzekleines bisschen Absicht unterstelle ich meinem grauen, vierbeinigen Freund und seinen dreckigen Pfoten schon, eine Runde täte es nämlich auch: „Mama, guck mal hier ist wieder ganz nass und schmutzig, da musst du wischen.“ „Minimann lauf langsam! Nicht, dass du ausrutschst und hinfällst!“ Und da wären wir wieder bei der Geschichte mit dem Verletzungsrisiko. Das sollte als Begründung genügen, weshalb der Wassertrank eigentlich leer bleiben sollte, aber just diesen befüllte der Gatte dann doch klammheimlich – ein wahrer Spaßvogel, der Angetraute. Der Küchenfußboden ähnelte daraufhin einmal mehr einer Seenlandschaft: „Was ist denn hier passiert?“ – Unschuldiger Blick und Fingerzeig des Minimanns auf den Boxerbim und seine Wasserschüssel. Cleveres Kerlchen, der Sohnemann … nur eben nicht beim Traktorfahren.

Es grüßt Sie Ihr treu ergebenes, Scheuerhader schwingendes Froilein Olivia

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2 Kommentare zu “Gemeine Osterverstecke & infame Geburtstagsgeschenke

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