Leipzig: Beratung & Burlesque

Werte LeserInnen,

sind Sie schon einmal in den Genuss einer Burlesque-Darbietung gekommen? Das Froilein schon, und zwar vergangene Woche im Rahmen der Firebirds Burlesque Show, welche unter anderem in Leipzig gastierte. Und da ein Dorfbewohner des Nächtens … im Dunkeln … ungern weite Strecken mit dem Automobil zurücklegt (ähnliches gilt wahrscheinlich auch für den ein oder anderen Senioren) wurde eine Unterkunft gebucht. Schlussendlich überzeugte der Göttergatte sein Froilein und wir fuhren bereits den Abend zuvor in die sächsische Metropole. So konnte dann ein ganzer Tag in dieser schönen Stadt sinnvoll genutzt werden … ein Teil davon für eine kosmetische Beratung beispielsweise. Liebe Leserschaft, ich verspreche Ihnen hiermit feierlich, dass ich die nächsten Wochen vorerst nicht über Schminke, Gesichtspflege oder Kosmetik palavern werde – es gibt eine Menge anderer Anekdoten mit denen ich Sie ebenfalls ermüden kann. Die Geschehnisse des Anreiseabends sind schnell umrissen: Nach einer äußerst entspannten übers-Land-Fahrt (das ist bei dem Gatten nicht immer der Fall) folgte die Begutachtung der Unterkunft, das Lob an den Gatten für seine Wahl (das ist auch nicht immer der Fall), ein nettes Abendessen und das Dilemma mit den Hotelfluren. Denn bei den Fluren großer, städtischer Hotels zeigt sich immer wieder, dass des Froileins Orientierungssinn nur im heimischen Dorf & Forst einwandfrei funktioniert (Obwohl, einige Male habe ich mich mit dem Boxerbim schon verwandert … im Wald.): Der Fahrstuhl erreicht ruckelnd die Etage. Die Tür öffnet sich. Das Froilein watschelt los. Dabei ignoriert sie kokett die angebrachten Schilder, auf denen Nummern und Pfeile prangen, und fußt … natürlich in die falsche Richtung. Den Gatten amüsiert das jedes Mal auf das Neue und wahrscheinlich derartig, dass er mich erst einige Zeit den langen (wirklich langen) Flur entlang schreiten lässt, ehe er aus der Ferne ruft: „Olivia, falsche Richtung.“ Urkomisch, sage ich Ihnen. Aber es ist wahrlich eine Wohltat, dass jede Zimmertür mit einer Nummer versehen ist, ich würde ja ständig im falschen Zimmer stehen. Zurück zu den Geschehnissen in Leipzig. Ach, und Bildchen gibt es heute auch:

Ausgeruht und frohen Mutes ging es am nächsten Vormittag unter dem Deckmantel „Ostergeschenke erwerben“ in die Innenstadt. Zufälle gibt es, liebe Leserschaft, kamen wir doch gleich in den ersten 5 Minuten an einer Filiale einer namenhaften Parfümeriekette vorbei. „Du kannst gleich draußen warten, ich brauche nicht lange“, und schwupps, weg war das Froilein. Werte Herren, sollte Sie einmal in die gleiche Situation geraten, suchen Sie sich in der Nähe ein nettes Café und genießen Sie in aller Ruhe eine Kaffeespezialität – eine große – , ihre Dame werden Sie nämlich vorerst nicht mehr zu Gesicht bekommen. Nun weiß ich nicht wie es Ihnen ergeht, wenn Sie sich Rat von einem Profi in Sachen dekorative Kosmetik einholen, aber dem Froilein ist in diesem Punkt immer ein wenig mulmig zumute. Sind doch die Mitarbeiterinnen stets tadellos hergerichtet und sehen auf den ersten Blick was im eigenen Gesicht alles falsch läuft … oder aufgetragen wurde. Freilich ertragen wir alle tapfer Kritik, schön ist die Bemängelung deshalb noch lange nicht. So nahm das Froilein all ihren dörflichen Mut zusammen – fern ab der Heimat kann man sich freilich zum Obst machen, ohne dabei in der provinziellen Klatschpresse zu landen – und steuerte zielgerichtet im Paradies der Duftwässerchen und der Kosmetika eine Dame an, an deren Hüfte ein riesiges Täschchen mit Pinseln baumelte. Diese Mitarbeiterin muss die Richtige sein, bei des Froileins Suche nach einem adäquaten Puder. Liebe Damen, Sie wissen, eine Foundation sollte mit einem schicklichen Puder fixiert werden, damit auch alles schön dort bleibt, wo es bleiben soll. Nun ist das Froilein recht eigensinnig oder starrköpfig … oder bequem, wenn Ihnen das lieber wäre. Demnach muss zum Abpudern der gleiche Hersteller her, wie zum farbigen Gesichtskleistern. Diesbezüglich kann ich so gar nicht aus meiner Haut oder auf meine Haut. Unter Beachtung des Knigges trug ich schüchtern mein Anliegen vor.  „Ich würde Sie gern an meinen Kollegen verweisen.“ Kollegen? Na, da hat sich das Froilein aber vermacht und bestimmt auch verhört. Sie müssen wissen, freilich weiß ich um die Existenz männlicher Schminkprofis, aber bei uns im ländlichen Kleinod ist schon ein Friseur oder eine Kfz-Mechatronikerin eine echte Rarität (oder Sensation). Aber ich bin voller Hoffnung, dass unsere dörflichen Gefilden irgendwann die konservativen Rollenbilder gänzlich überwinden werden … so in 2.000 Jahren vielleicht.

Da stand er also … der Kollege. Ein adretter junger Mann und glauben Sie mir, hätten Sie seine makellose Gesichtshaut gesehen, Sie wären dahin geschmolzen, wie das Froilein oder wie ein Stück Butter auf der Heizung. „Einen wunderschönen guten Tag, ich bin auf der Suche nach einem geeigneten Puder des Herstellers XY.“ „Sehr gern.“ Zur Wahl standen dann ein Kompaktpuder und ein loses Puder. Mit losem Puder habe ich ja so meine Schwierigkeiten … das mag ich nämlich gar nicht in der Handhabung: Döschen im geschlossenen Zustand vorsichtig schütteln oder auf den Kopf stellen. Danach umsichtig öffnen, um in der Quintessenz das wertvolle Gut dann doch linkisch auf dem Badezimmerfußboden zu verteilen. Da sprach der junge Mann: „Das kann ich gut verstehen, ich persönlich benutze auch lieber Kompaktpuder.“ Aha, nichts kommt also von ungefähr. Ab jenem Zeitpunkt war ich hin und weg vom losen Puder (seine Argumente waren ähnlich überzeugend wie sein Teint) … und von der neuen Foundation: „Haben Sie diese schon einmal probiert? Da gibt es eine Farbnuance, die würde perfekt zu Ihrem Hautton passen.“ Und zu guter Letzt, man wird schließlich nicht alle Tage von einem fantastischen Profi beraten, versuchte der charmante Bursche dem Froilein das Konturieren & Highlighten näher zu bringen. Das hingegen leider nur mit mäßigem Erfolg, denn ich bezweifele stark, mir wirklich alles eingeprägt zu haben. Dennoch verließ ich gut beraten, stolz & zufrieden den Schönheitstempel und sammelte meinen leicht angesäuerten Gatten ein … nicht in einem Kaffeehaus sondern auf einer Parkbank. Präsente wurden dann freilich auch noch erworben … und Strumpfhosen. Diese benötigt Dame immer – ja, auch in den wärmeren Monaten. Wussten Sie eigentlich, dass die durchschnittliche Höchsttemperatur im Erzgebirge in den Sommermonaten keine 20 Grad Celsius beträgt? Das könnte durchaus eine weitere, mögliche Begründung dafür sein, weshalb der Erzgebirgler ein wenig griesgrämig ist. (Haben Sie sich eigentlich einmal das Gesicht eines handelsüblichen Nussknackers genauer angesehen? – Nichts kommt von ungefähr.)

Ab dem Nachmittag konnte man sich dann ganz wunderbar im hübschen Hotelzimmer mental (mit einem Nickerchen) & körperlich (mit einer ausgiebigen Körperreinigung & Körperverzierung, das ist man freilich den anderen Gästen der Veranstaltung schuldig) auf das abendliche Highlight einstimmen. Also das Froilein … dem Gatten reichen 10 Minuten und er ist „ausgehfertig“ – bewundernswert wie viel Zeit einem bleibt, wenn Mann sich nicht schminkt. Die Vorfreude war riesig und liebe Leserschaft, das Froilein ist immer noch völlig hin weg von der Firebirds Burlesque Show. Stimmgewaltig führten The Firebirds & The Cool Cats durch das Programm. Diese musikalischen & optischen Darbietungen waren schon sensationell. Bei den 3 umwerfenden Burlesque-Damen der Petit Fours blieb dem Froilein aber sprichwörtlich die Spucke weg – Parfümeriemitarbeiterinnen schüchtern mich ein, Parfümeriemitarbeiter irritieren mich, aber Burlesquetänzerinnen finde ich toll – das Froilein und ihre dörfliche Logik. Dabei ist Burlesque nicht nur das schnöde Entblättern einer Dame auf einer Bühne vor Publikum mit Hintergrundgedudel. Nein, Burlesque ist Kunst, Theatralik & Schauspiel und alles andere als anrüchig oder anstößig. Bemerkenswert dabei ist der unbändige Facettenreichtum. Eine tänzerische Darbietung kann verführerisch, verträumt, sinnlich, bizarr, skurril, oder witzig sein. Abgerundet wird jede Vorführung durch umwerfende Kostüme und ausgefallene Requisiten. Liebe Leserschaft, sollten sie einmal die Möglichkeit haben, sich eine solche Show anzusehen, zögern Sie bitte nicht, es ist ein wahres Erlebnis – das Froilein kam aus dem Beifallklatschen gar nicht mehr heraus. Der Gatte hingegen spendete etwas verhaltener Applaus. Möglicherweise hatte er auch die Dame vor ihm beobachten können, die ihrem Begleiter immer dann giftige Blicke sandte, wenn sich auf der Bühne eine Tänzerin nur mit Pasties & String bekleidet vom Publikum verabschiedete und seine Beifallsbezeugungen wild jauchzender Natur waren.

Kleid: Hell Bunny, Gürtel: Tatyana, Schuhe: Deichmann, Ohrstecker: Bijou Brigitte, Brosche: Vintage

Die heutigen Bildchen sind folglich keine Schnappschüsse der Kurzreise. Den Hintergrund kennen Sie ja bereits … viele Berge und Bäume oh haamit, wie bist du schie. Ja, an diesem Tag wusste der holde Frühling noch mit Kaiserwetter zu überzeugen.

Es grüßt Sie von Herzen Ihr Froilein Olivia

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