Das sportive Froilein und der Skilanglauf

Werte LeserInnen,

sind Sie eigentlich begeisterte AnhängerInnen wintersportlicher Aktivität? Ja? Meine Hochachtung vor Ihrem Talent … oder vor Ihrem ausgeprägten Gleichgewichtsempfinden. Nun könnte man meinen, einem erzgebirgischen Knirps würde die Schneeschuh-Passion gleich mit in die Wiege gelegt, bei der wintersportberüchtigten Heimat … und bei dem werten Herrn Weißflog. Ja, könnte man meinen. Aber Sie wissen doch wie das ist; Ausnahmen gibt es freilich immer. Das Froilein wäre beispielsweise so eine Ausnahme in Sachen Grazie auf zwei Brettern. Ich kann mit Absatzschuhen anmutig durch den Schnee waten, aber schnallen Sie mir zwei Ski unter meine Füße und vorbei ist es mit meiner Körperspannung … und mit meinem entspannten Gemüt.

Nun bin ich zwar eine waschechte Pomeranze vom Dorf, aber definitiv keine Kanone de la Sport. Es gibt die sportiven Menschen und das Froilein, welches über die Maßen unsportlich ist und auch keinerlei Freude an sportlichen Aktivitäten empfindet. Schon die kleine Olivia hatte ihre liebe Not mit den Leibesübungen … und mit dem Schulsport. Denken Sie eigentlich mit Freude an das Bockspringen, den Stufenbarren, den Kugelstoß, den Weitsprung (in eine Sandkiste, in welcher sich doch hoffentlich kein Tier verewigt hat; wer bitte, springt schon gern in Katzenkot hinein?) oder an das sinnlose Gerenne im Kreis zurück? Nichts davon hat bei der kleinen Olivia grenzenlose Entzückung hervorgerufen … oder grenzenloses Können. An ein sportliches Folterinstrument entsinne ich mich allerdings besonders gern: die Kletterstange. Fragen Sie mich nicht, wie die Sporthalle von oben aussah, ich kann es Ihnen nicht beantworten, denn erklommen habe ich dieses Ding in all den Jahren nicht ein einziges Mal. Aber so ganz ohne Taktik war Klein-Olivia dennoch nicht: Die Stange heldenhaft anfassen, aus dem Stand beherzt und möglichst weit in die Höhe springen und genau an jenem hoch-hüpf-Punkt mehr oder weniger festgekrallt hängen bleiben. An dieser Stelle hing ich dann wie ein nasser Sack und das war nun nicht sonderlich weit oben – Anlauf nehmen durfte man ja leider nicht – bis entweder die Zeitmessung beendet war oder Frau Sportlehrerin endlich ein Einsehen hatte, dass ich nicht den leisesten Versuch unternehmen werde, mich auch nur ein kleines Stück nach oben zu bewegen. Das stärkste erzgebirgische Mädel war ich nämlich nicht gerade.

Nun kam unsere Sportlehrerin gelegentlich auf recht alberne Ideen. Skilanglauf war eine davon (Das Schulsportfest war übrigens die andere.). „Na, hervorragend“, dachte sich da die kleine Olivia und: „Das kann ja heiter werden“, meine werten Eltern, denn Frau Mutter und Herr Vater hatten nämlich schon früh erkannt (wahrscheinlich in meinem Krabbelalter), dass das mit dem Sport und ihrer Tochter wohl nichts werden wird. Aber welche Eltern lassen ihr Kind schon gern in das offene, sportive Messer rennen, also ging es mit dem Herrn Vater zum Üben hinaus in den Schnee. Des Vaters Nerven wurden gleich zu Anfang stark beansprucht, denn der kleinen Olivia wollte so gar nicht einleuchten, welches Brett denn nun unter welchen Fuß muss. Das war mir ja gänzlich schleierhaft und verkehrt herum, sah eben auch irgendwie richtig herum aus und umgedreht. Zu meiner Verteidigung sei an dieser Stelle erwähnt, ich wusste schon welcher Fuß mein linker und welcher Fuß mein rechter ist, nur bei den Brettern wollte sich mir diese links-rechts Unterscheidung partout nicht erschließen. Kein Verzagen – Eltern wissen ja immer Rat in heikler Lage. Zum Einsatz kamen dann zwei quadratische Heftpflasterstücke (das braune) mit einem formschönen L und einem noch schöneren R. Hatte ich erwähnt, dass ich diese Bretter auch zum Schulsport mitnehmen musste – Kinder können untereinander, unsagbar grausam & fies sein!

Wer nun meint, dass dieser kleine Pflaster-Trick mich dem Skilanglauf näher brachte, der irrt. Und wer weiter meint, Skilanglauf wäre eine vermeintlich simple Sache, der irrt gewaltig. Da wären zwei Bretter, zwei Stöcke, die kleine Olivia und die erzgebirgische Hügellandschaft … . Irgendwann (gefühlte Jahre später) hatte ich zwar den Dreh raus, wie ich mich auf gerader Strecke mit Brettern und Stöcken fortbewegen musste – nicht sonderlich elegant und bestimmt auch nicht im Einklang, aber immerhin kam ich vom Fleck – der Herr Vater freute sich ja schon. Sobald es allerdings bergauf oder gar bergab ging, war es vorbei mit meinem Talent, wie denn nun das Körpergewicht verlagert werden muss, um hoch oder gar runter zu fahren. Aber die kleine Olivia wusste sich auch hier zu helfen: Eine mittelprächtige Steigung überwand ich, indem ich die Schneeschuhe einfach abschnallte, mit ihnen im Arm hinauflief und sie oben wieder an den Füßen befestigte – dank des Heftpflasters war das die geringste Herausforderung. Bei einem klitzekleinen Abfall im Gelände hingegen, schmiss ich mich vorsichtshalber mit vollem Körpereinsatz in den Schnee, der liebe Mut war nämlich in Kindheitstagen nicht gerade mein bester Freund, und kugelte hinunter. So war ich dann nämlich auch unten – mit oder ohne Schneeschuhe an den Füßen. Dem Herrn Vater wurde Angst und Bange, der kleinen Olivia auch. Jedenfalls waren dies nicht die eingängigsten Lösungen und das Erzgebirge ist landschaftstechnisch eben nicht die Nordsee – „Na Olivia, das wird wohl nichts werden.“ „Nö.“

Mit dem Schulsport und den lieben Klassenkameraden war die kleine Olivia dann exakt einmal auf Brettern unterwegs. Das hat meinem kindlichen Seelenheil wahrlich gereicht. Man sollte ja Kinder niemals wegen mangelndem sportiven Talent schikanieren. Wenn es danach hieß: „Morgen bringt ihr bitte eure Ski mit, wir wollen Skilanglauf machen“, ereilte Klein-Olivia immer eine unschöne Magen-Darm-Geschichte – unverhofft natürlich. Wie ärgerlich, fanden auch meine werten Eltern.

Da man freilich immer zwei Ski benötigt, um sich im Winter Wonderland adäquat fortbewegen zu können – mit einem macht das wirklich nur wenig Sinn, dachte sich das Froilein: „Wie wäre es denn heute einmal mit einem Kostüm?“ Und dieses muss, das wissen wir Damen nicht erst seitdem der Quido auch so tolle Bücher verfasst, aus Rock und Blazer bestehen, welche aus dem gleichen Material gefertigt und mit der gleichen Couleur versehen sind. Und da ich der Meinung bin, dass ich Sie mit Tartan noch nicht genug penetriert habe, gibt es heute nochmals eine Hommage an dieses, stark an die englische Weihnachtszeit erinnernde, Muster:

Headpiece: Jazzafine, Blazer & Rock: Banned, Brosche: Bijou Brigitte, Ohrstecker: Collectif Clothing, Tasche: Milan, Schuhe: Deichmann

Den Rock kennen Sie bereits, werte Leserschaft. Den dazugehörigen Blazer hat sich das Froilein erst später zugelegt, denn ein Kostüm im Kleiderschrank kann niemals schaden.

Es grüßt Sie Ihr treu ergebenes Froilein Wintersport, welches lieber ein Brett vor ihrem Kopf hat, als zwei unter ihren Füßen.

 

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2 Kommentare zu “Das sportive Froilein und der Skilanglauf

  1. Tolle Geschichte^^
    Das Kostüm sieht auch ganz bezaubernd aus. Auf dem ersten Foto scheint es fast, als wäre der Rock einfarbig in dunkelblau. Das Muster zeigt sich erst beim zweiten Foto eindeutig^^ Persönlich fände ich ja die erste Variante fast noch etwas praktischer, denn zum einfarbigen Rock ließe sich ja auch mehr kombinieren. Nichtsdestotrotz stehen dir die Karos aber ganz hervorragend^^
    Liebe Grüße,
    Sandy

    • Dankeschön, liebe Sandy – schön wieder von dir zu lesen! Du hast völlig recht, auf dem ersten Bild könnte man das tatsächlich meinen und ich muss dir auch beipflichten, dass es bei unifarbenen Teilen vielmehr Kombinationsmöglichkeiten gibt. Bei Mustern wird das da schon schwieriger und auch gefährlicher – manches sieht nämlich auch schnell albern aus. Ich wünsche dir einen fantastischen Sonntagabend und einen guten Start in die neue Woche.

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