Hänsel und Gretel & die närrische Zeit

Werte LeserInnen,

Das Froilein und der Gatte verliefen sich im Wald, es war so finster und auch so bitterkalt. Manches Mal gibt es doch tatsächlich Textilhersteller, die wohl ein Faible für Märchen und ihre Akteure besitzen. Und dann gibt es noch die unverbesserlichen Dorfpomeranzen, welche unheimlichen Gefallen an einem Gretel Coat finden:

Mantel: Collectif Clothing, Stiefel, Deichmann, Ohrstecker: C&A

Sollten Sie sich nun fragen: „Na herrje, wie viele Mäntel besitzt denn so ein Froilein vom Dorf?“ Nun ja, das wären schon ein paar – in unseren Breiten ist schließlich eine lange Zeit Winter – eine sensationelle Rechtfertigung an dieser Stelle. Das Froilein hat eben eine Schwäche für wärmende Überwürfe – und für vieles Kleidsames mehr. Jede Dame kämpft mit ihren ganz eigenen textilen Dämonen … oftmals erfolglos. Aber einmal ehrlich, der Mantel trägt seinen Namen nicht ganz zu Unrecht. Was eine Kapuze, ein Cape und ein paar Bommeln so alles bewirken können, man glaubt es kaum. Ja, und Bommeln sind fantastisch, solange sie nicht überdimensioniert eine Strickmütze zieren.

Das Gretel-Mäntelchen wurde letzten Winter auch noch in einem diffizilen Feuerwehrrot angeboten  – sozusagen für alle Rotkäppchen-Liebhaberinnen. Das Froilein entscheid sich folgerichtig für Schwarz, denn: „Och nö, Rotkäppchen brauche ich nicht, bin ich ja schon.“ Allerdings muss ich ehrlich zu Ihnen sein, es gibt gerade bei Wintermänteln weitaus vorteilhaftere Schnittformen, als dieses Prachtstück aufweist. Er trägt ein wenig auf und die Ärmel könnten auch etwas länger sein. Aber bei der Fülle an Stoff, die einen da so umgibt, friert man gewiss nicht. Auch schön.

Apropos Rotkäppchen – das wäre bisweilen eine, nicht gerade einfallsreiche, aber mögliche Kostümierung für den Fasching. Mit der närrischen Zeit hat es das Froilein nicht so wirklich. Was die Kußfreiheit betrifft, da könnte ich emsig Reißaus nehmen, denn der ein oder andere Herr nimmt diese doch recht wörtlich. „Ach nö, lass mal.“ – Da bin ich gern prüde und nix da mit „Mensch, ist doch Fasching“. Fratzenähnliche Masken sind gelegentlich nicht nur furchteinflößend, in der face-to-Maske Kommunikation irritieren sie mich auch ernstlich. Außerdem fragt man sich ständig: „Wer sind denn Sie eigentlich und kennen wir uns? Und bitte nehmen Sie Ihre Hand von meinem Hinterteil – unverzüglich!“ So eine Maske (oder gekonnte Ganzkörper-Verkleidung) verleitet nämlich oftmals zu höchst mutigen Handlungen. Aber irgendwann muss man sich doch der Maskerade wieder entledigen und dann ist man ganz schnell wieder der schüchterne Rainer oder die pikierte Erika von nebenan.

Da wäre noch die Sache mit dem Alkohol, der zu Zeiten des närrischen Treibens unaufhörlich in die Kehlen fließt. Durchaus verständlich, denn zu Aschermittwoch beginnt die Zeit des Fastens – ob davon der ein oder andere Karnevalist überhaupt Kenntnis hat? Der Alkohol und das Froilein gehen sich ja gekonnt aus dem Weg, nachdem ich ein- oder zweimal in jungen Jahren vornüber gebeugt über eine Toilettenschüssel hing. Das hat mir wahrlich für den Rest meines Lebens gereicht. Außerdem vermag der liebe Alkohol, in rauen Mengen genossen, das eigene Erinnerungsvermögen auszuschalten … und die körperliche und sprachliche Beherrschung. Brenzlig wird es dann, wenn am nächsten Morgen die Geschehnisse des Vorabends im Nebel versinken und man gar nicht mehr so recht weiß, was man gegebenenfalls gelallt und fabriziert hat. Andere wissen es aber bestimmt noch – detailliert. Diese vertragen nämlich entweder den Alkohol besser als man selbst oder haben bei dem zweiten Gläschen lauwarmen Prickelwasser die Notbremse gezogen und sind auf Sprudelwasser umgestiegen. Aber sie werden mit hämischer Freude, ausgeschmückt & theatralisch von den beobachteten Missetaten berichten – allen anderen natürlich: „Hast du gestern Abend die Ursula gesehen, die war ja völlig betrunken, hat erst eng umschlungen mit dem Rainer getanzt und hat sich dann noch dem Heinz an den Hals geschmissen. Was da wohl ihr Mann Volker dazu sagt“ Na, da kann man nur hoffen, dass der Volker auch nicht mehr ganz nüchtern war. In der Provinz wird man so ungewollt zum delikaten Dorfgespräch. Sie wissen, in den provinziellen Gefilden fegt man äußerst gern vor anderen Hauseingängen, obwohl es vor der eigenen Haustür notweniger wäre. Aber wer lenkt nicht gern von seinen eigenen Verfehlungen ab.

Und was die Kostümierung anbelangt – verkleidet bin ich ja eh schon das ganze Jahr. Verwundert hat das Froilein doch letztlich folgende Frage: „Sind das da deine echten Haare?“ An dieser Stelle für alle, welche sich diese Fragen vielleicht schon einmal gestellt haben: „Das sind tatsächlich meine echten Haare und keine Perücke!“ Wer hat eigentlich einmal festgehalten, das es angeblich keine dummen Fragen gibt?

Liebe Leserschaft, wenn Sie Freude an der 5. Jahreszeit finden, wünsche ich Ihnen von Herzen viel Vergnügen – zwischen dem Funkenmariechen und dem Dracula.

Es grüßt Sie Ihr treu ergebenes Froilein Anstandswauwau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s