Das schwedische Einrichtungshaus und seine Verlockungen

Werte LeserInnen,

neulich begaben sich der Gatte und sein Froilein doch einmal wieder über das Land. Ziel: das schwedische Einrichtungshaus in Karl-Marx-Stadt, Grund: die anberaumte Wohnstubenrenovierung. Ja, liebe Leserschaft, am Anfang eines jeden neuen Jahres ist man bekanntermaßen voller Elan und Tatendrang und schmiedet jedwede sinnvollen Pläne für die nächsten 11 Monate. „Wir könnten eigentlich mal wieder unsere Wohnstube herrichten.“ Und da man bekanntermaßen im Winter nicht renoviert, haben wir für unser Vorhaben eher den späten Frühling beziehungsweise den frühen Sommer angesetzt. Aber nach einer neuen Wohnstubeneinrichtung kann man sich doch freilich schon einmal umsehen. Es gibt schließlich dümmere Ausreden für einen IKEA-Besuch. Schnell war dann ein geeignetes Kanapee erpicht, hübsches Mobiliar vermessen, diverse Prospekte gekrallt und der prospektlose Rest in Schönschreibschrift notiert. Nur zur Vorsicht holte sich der Gatte bei einer äußerst freundlichen Mitarbeiterin in gelb & blau noch Erkundigungen ein, ob möglicherweise das ein oder andere Auserwählte in den nächsten 2-4 Monaten aus dem Sortiment genommen wird – man weiß ja nie. Wäre nicht vorgesehen, wie fabelhaft! Widmen wir uns nun den wirklich wichtigen Dingen des Aufenthaltes:

Verehrte Leserschaft, sie wissen doch bestimmt, was den Einrichtungsbeispielen für Wohnzimmer & Co. folgt … nämlich jene Abteilung, vor der es dem Gatten stets gehörig fröstelt, in der sich aber das Froilein immer wie ein kleines, gieriges und schlecht erzogenes Kind aufführt … die Wohntextilien- und Dekorationsabteilung. Einmal ganz unter uns Damen, in der Regel wissen wir doch schon vor dem Betreten jener Abteilung, was wir definitiv kaufen werden. Will heißen, wir verfügen über eine recht genaue Kenntnis des Sortimentes, welche wir uns in zahlreichen Besuchen angeeignet haben. Das hingegen bedeutet aber keinesfalls, dass sich Frau nur auf diese angesinnten Dinge beschränkt, denn da gibt es noch diese vielen, kleinen oder großen, hübschen oder nützlichen Dinge, welche bei mir dann folgende spontane Reaktion auslösen: „Das muss ich haben und zwar unverzüglich.“ Höchst beklemmend, das ist mir durchaus bewusst. Da der Gatte aber schon etliche Jahre an meiner Seite mit mir durch das Leben schreitet (oder durch Möbelhäuser), weiß er sehr wohl um dieses Verhalten und stellte bei einer Zimtschnecke und einer Tasse Kaffee folgende Frage: „Was brauchen wir denn noch so, wenn wir einmal hier sind?“ „Nichts weiter, nur ein paar Kerzen und eventuell (!) eine Tagesdecke.“ „Aha, nur?“ Erst denken und dann sprechen – der Gatte guckte ja schon ganz erschüttert und fragte sich, ob sein Froilein in Sachen schwedisches Einrichtungshaus nun endlich Bescheidenheit erlangt hat. „Wir gucken mal.“ Und wir „gucken mal“ sah dann folgendermaßen aus: Zunächst blieb das Froilein bei den Kissenbezügen kleben, denn eine neue Sofa-Tagesdecke verlangt freilich auch nach neuen Kissenbezügen. Erklären Sie das an dieser Stelle einmal einer Herrlichkeit, dass die „neue“ Tagesdecke mit den „alten“ Kissenbezügen nicht harmonisiert –  Richtig, gemeint ist hier selbstverständlich das Kanapee, welches aller Wahrscheinlichkeit nur noch etwa 3 Monaten in der heimischen Wohnstube verweilen wird. Aber ehrlich, 3 Monate sind eine lange, lange Zeit im fraulichen Denken. Und nein, dabei ist absolut nicht von Belang, dass man die neue Sofa-Lümmel-Gelegenheit erst vor 30 Minuten ausgesucht hat! Es bedurfte also eines Griffes in die große erklärerische Trickkiste oder eines besonders treuherzigen Blickes. „Na, dann such eben welche raus.“ Geht doch. Da sich aber das Froilein über die Farbe der textilen Abdeckung noch unschlüssig war (hellbraun oder hellgrün standen zur Debatte) landeten vorerst 3 mögliche farbliche Varianten im Einkaufskorb. „Die muss ich dann mal ranhalten.“ Der Gatte rollte mit den Augen, das Froilein auch.

Bei den Badezimmertextilien – die Tagesdecken waren ja bereits in Sichtweite – konnte ich natürlich nicht widerstehen – Handtücher kann man immer gebrauchen. „Guck doch mal, die haben neue Farben im Sortiment.“ „Ist ja ganz toll“, sprach der Gatte und postierte sich in der Zwischenzeit bei den Tagesdecken und beobachte wie Handtücher, Gästehandtücher und Duschtücher in dem Einkaufskorb verschwanden. Als ich mich dann aber anschickte, den Schlafzimmertextilien meine Aufmerksamkeit zu schenken, begann der Gatte wild mit einer Tagesdecke zu winken und meinen Namen zu rufen – ein wenig albern sah das schon aus. Werte Damen, oftmals reicht aber schon ein flüchtiger Blick aus, um eine geeignete Bettwäsche zu erspähen. Das wissen Sie, das weiß ich, nur der Gatte, der weiß das nicht. Nachdem ich mich dann für die hellbraune Variante entschieden hatte – „Olivia, warum denn nicht hellgrün?“ „Wenn ich auf was Grünem liegen will, dann gehe ich in den Garten und leg mich auf den Rasen.“ „Auch im Winter?“ „Wir nehmen die hellbraune!“ Der Gatte aber richtete daraufhin vorwurfsvoll seinen Zeigefinger auf die nun überflüssig gewordenen Kissenbezüge. Wüst vor sich hin murmelnd schaffte das Froilein Kissenbezug Nr. 3-6 an ihren Ursprungsort zurück; mögen Sie ein anderes Zuhause verschönern – Recht hatte er ja der Gatte, aber die hübsche Bettwäsche sollten wir vielleicht doch mitnehmen. In der Kerzenabteilung war das Froilein dann gänzlich der Maßlosigkeit verfallen, zwischen Duft-, Block- und Haushaltskerzen: „Die riechen aber gut. Guck mal, die Blockkerze sieht aber auch schön aus. Haushaltskerzen kann man immer gebrauchen, findest du nicht auch? Och wie toll, da gibt es in einer Verpackung gleich 5 verschiedene Kerzengrößen.“ Was soll der Geiz – im provinziellen Heim wird nun Kerzenlicht bis zum Sankt Nimmerleinstag flacken. Zudem weiß Frau nie wann der nächste Ausflug zu IKEA anstehen wird – schlimmstenfalls nämlich erst in 2-4 Monaten: „Die Übertöpfe nehmen wir auch mit … und die fabelhafte Vase dort … und das schöne Bild macht sich bestimmt ganz gut in unserer Küche und … . Ein Besuch wäre nicht erfolgreich, wenn man nicht mindestens eine prall gefüllte Tüte in das Automobil hievt. Und ich meine, das hat nun weniger etwas damit zu tun, dass wir Einwohner der neuen Bundesländer in Massen kaufen, wenn wir endlich einmal die Gelegenheit dazu haben. „Hast du eine blaue Tüte mitgenommen?“ „Nö, warum?“ Ja, warum eigentlich? Wir besitzen etwa 10 blaue IKEA-Tüten, welche natürlich ganz fabelhaft ihren Zweck erfüllen, indem sie Zuhause fröhlich vor sich hinsiechen. „Dann kaufen wir eben eine.“ Das erzürnt mich immer wieder, aber die 5. Packung Kerzen ist wahrlich notwendig – seltsame weibliche Denkweise. Übrigens, wenn der Minimann in unserem Heim etwas Neues entdeckt, sei es nun ein Übertopf oder eine Kerze, dann verkündet er immer voller Stolz: „Hat die Mama neu gekauft.“ Schlauer Minimann.

Da das Wetter am Tage der Überlandfahrt recht angenehm war, also ohne Nebel, Niederschläge & Sturm hüpfte das Froilein in einem Forst umher und der Gatte knipste fleißig:

Das Fotografieren in den Wintermonaten hält ja leider eine Vielzahl an Tücken parat – von den eisigen Temperaturen einmal ganz abgesehen. Deshalb ist die Qualität der heutigen Aufnahmen nicht die Beste. Hoffen wir auf bessere Bildchenbedingungen. Das Kleid entstammt dem Hause Hell Bunny. Dies Marke bietet seit einiger Zeit neben Totenkopfprints & Neonfarben auch klassische Schnitte & Farben an. Fantastisch, und das zu einem annehmbaren Preis. Der Petticoat ist ein Weihnachtsgeschenk des Gattens. Werte Damen, sollten Sie Ihren Lieblingspetticoat noch nicht gefunden haben, kann ich Ihnen diesen von Collectif Clothing wirklich empfehlen. Er hat ein schönes Volumen ohne zu sehr aufzuplustern – nicht jeder mag flauschige Tülllagen in Hülle & Fülle. Jetzt im Winter greife ich ganz gern wieder zum Petticoat, da pfeift der Winter nämlich nicht so toll unten rein.

Headpiece: Jazzafine, Kleid: Hell Bunny, Petticoat: Collectif Clothing

Es grüßt Sie Ihr treu ergebenes Froilein Olivia, welches Ihnen zum Schluss noch verrät, sollte eine Dame oder ein Herr statt des Begriffes Wohnzimmer verbal zu Wohnstube greifen, dann wird sie oder er wohl im Erzgebirge beheimatet sein.

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2 Kommentare zu “Das schwedische Einrichtungshaus und seine Verlockungen

  1. Das muss bei uns Frauen genetisch sein. Sehen wir blau-gelb setzt bei uns das haben-wollen ein. Herrlich zu lesen, nich besser nachzuvollziehen. Danke dafür!!!

    LG aus Dem Smaland
    Stefy

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