Pfefferminztee, abendliches Unterhaltungsprogramm & 3D-Brille

Werte LeserInnen,

vergangene Woche … in der beschaulichen und ruhig vor sich hin siechenden Provinz … freuten sich der Gatte und sein Froilein auf einen gemütlichen Abend vor dem Fernsehapparat. Der Minimann schlief bereits selig und das Froilein schlürfte auf dem Chaiselongue neben ihrem laut schnarchendem Schniedelwurz ein großes Dippel Pfefferminztee. Anbei bemerkt, wenn der Gatte sägt, dann endet sie ja schlagartig … die Toleranz von dem Froilein. Entfleuchen aber dem Minimann oder gar dem grauen Sofawolf Schnarchgeräusche jenseits der 90 db-Grenze, dann kreischt das Froilein voller Entzückung: „Hör mal, wie drollig“. Die abendliche Einverleibung eines halben Liters Minztees ist ja bisweilen auch so eine putzige Sache. Pfefferminze soll ja äußerst dienlich für das eigene Wohlbefinden sein, besitzt aber auch den vortrefflichen Nebeneffekt, die Blasenfunktion enorm zu stimulieren. In den Abendstunden verzehrt – das Froilein weiß es eben nicht besser – hat man so die ganze Nacht etwas davon. In der Regel schlafe ich wie ein sprichwörtlicher Stein. Und außerhalb der Regel, also nach abendlichem Teegenuss, schleppt das Froilein des Nächstens ihre zum Bersten gefüllte Blase nicht nur einmal zum Abort. Dabei tapse ich freilich stets durch die Dunkelheit, schließlich möchte ich niemanden wecken und mich selbst schon gar nicht – Licht kann ja bisweilen unheimlich laut sein. Das funktioniert einwandfrei, insofern das Froilein bei der zweiten Nachtwanderung und dem Öffnen der Badezimmertür nicht als lebender Tür-Stopper fungiert. Spätestens dann ist es nämlich putzmunter … das Froilein, welches immer so adrett auf ihre Gesundheit achtet und allmählich wirklich zusehen muss, dass sie ihr Hinterteil erneut auf der Kloschüssel platziert. Immerhin kann ich mich dann im Schlafgemach noch gehörig über die Sägegeräusche des Gattens echauffieren, bis sein Zustand ebenfalls als hellwach bezeichnet werden könnte.

Vertiefen wir an dieser Stelle des Froileins Treiben zu der Geisterstunde nicht weiter, blenden wir aus, dass man sich eine Badezimmertüre auch hervorragend vor den eigenen Latz knallen kann und kehren wir zurück zu dem anberaumten gemütlichen Unterhaltungsabend in der Provinz im Schein des flackernden Kerzenlichtes. Jetzt sind der Gatte und meine Wenigkeit längst durch mit der zweiten Serienfolge um den Herrn Hannibal und seinen kulinarischen Eskapaden und müssen uns wieder auf das reguläre Fernsehprogramm verlassen. Nun besitzt man nicht umsonst Pay-TV; da wird sich doch auf einem der vielzähligen Kanäle etwas Schickliches finden. Könnte man durchaus meinen. Denkste! Denn gerade an jenen Abenden an denen man es sich besonders gemütlich auf dem heimischen Sofa eingerichtet hat (oder an den Oster-, Pfingst oder Weihnachtsfeiertagen), unterhält das Berieselungsprogramm den freudigen Zuschauer mit filmischen Wiederholungen oder mit filmischen Meisterleistungen, welche dann doch mit einer mittelprächtigen bis unterirdischen Handlung glänzen. „Wir könnten auch mal wieder ins Kino gehen.“ Fabelhafter Geistblitz von dem Gatten. „Aber doch nicht noch heute Abend zur Spätvorstellung?“ Schließlich war des Froileins Haarpracht an jenem Abend bereits zu-bett-geh-fertig in Lockenwickler gehüllt. „Wie wäre es morgen?“ Hätte das Froilein einmal nach der Nase des Gattens getanzt, dann hätte sie nur die halbe Nacht mit den Auswirkungen des Pfefferminztees kämpfen müssen, wäre aber in dem Filmpalast ständig zur Toilette gewandert. „Und, wie hat dir der Film gefallen?“ Also, das Stille Örtlichen war absolut entzückend und wirklich sauber.

Am nächsten Abend lauerten die Lockenwicklern folgerichtig etwas länger auf ihren Einsatz. (Des Froileins Blasenfunktion hatte sich auch wieder normalisiert, sollte Sie das an dieser Stelle interessieren.) „Olivia, du weißt aber schon, dass der Film wieder in 3D ist, wie wäre es mit Kontaktlinsen?“ „Am Abend? Die heißen doch nicht ohne Grund Tageslinsen, danke deiner Sorge, das wird schon irgendwie gehen mit der zweiten Brille. Aber es ist so stürmisch draußen, vielleicht sollte ich mir doch lieber die Haare zusammenbinden?“ Im Lichtspieltheater angekommen (und die Frisur hielt … tadellos) – das Froilein war ja schon voller gespannter Erwartung wie das mit dem Halbling und seinen schönen, großen und behaarten Füßen so ausgehen wird – fragte der Gatte: „Welche Popcorngröße nehmen wir denn?“ „Also wir nehmen schon einmal gar nichts. Ich möchte eine Popcorntüte ganz für mich allein und zwar in mittel.“ Das Froilein musste nämlich bei dem letzten Kinobesuch entsetzt feststellen, dass sie es ja gar nicht leiden mag, wenn der Gatte ständig in ihrer Popcorntüte herumfingerte à la „Ich eß dann mal bei dir mit“. Liebe Leserschaft, Sie kennen doch bestimmt diese fiesen, kleinen Maiskörner, welche sich ganz hinterlistig zwischen all den fluffigen Popcornstücken verstecken und sich erst in der Mundhöhle als infame Zahnzerstörer zu erkennen geben. Etliche Zahnärzte sind diesbezüglich sicherlich hocherfreut.

Das Filmspektakel um Hobbit, Elben und Zwerge hätte so fantastisch sein können, wenn … . Ja, wenn diese verflixte 3D-Brille und diese ungewohnte bildliche Darstellung nicht gewesen wäre – da braucht man ja den ganzen Film zu, um sich daran zu gewöhnen. Also einmal ganz im Ernsthaften, ein Epos wird nun nicht besser oder schlechter, nur weil man meint mit einem Hobbit auf Tuchfühlung zu gehen, und das unterliegt freilich auch der ganz persönlichen Geschmackssache. Da wir gerade bei Delikatessen wären: Man sollte sich eine Frage niemals stellen: „Na, wer mag wohl die Brille vor mir auf seiner Nase platziert und hinter seine Ohren gesteckt haben … ?“ Verehrte Leserschaft, das wollen Sie wirklich nicht wissen, aber Sie sollten voll und ganz auf die Wirksamkeit des Desinfektionsmittels vertrauen. Und bitte lassen Sie diesen heiligen Gral der Filmeskunst niemals im Sichtfeld des Kinopersonals zu Boden gleiten, das finden diese nämlich nur bedingt amüsant. Erfahrungswerte.

Falls Sie sich fragen, wie es denn bei dem Froilein mit dem doppelten Nasenfahrrad so war … in Mittelerde: Eine handelsübliche 3D-Brille ist derart groß konzipiert, dass sich diese ganz wunderbar über meine eigene Sehhilfe positionieren lies. Aber derartig groß impliziert leider auch, dass sich dieses Monstrum immer wieder Richtung Nase verabschiedete – ungebeten natürlich, während meine eigene Brille allerdings artig an ihrem zugewiesenen Platz verweilte. (Der Gatte fuchtelte ja neben mir auch mit seinem Kino-Okular.) Sollten Sie einmal mit dieser Brillenmisere in Ihrem bevorzugten Lichtspielhaus konfrontiert werden, könnte Ihnen vielleicht diese Sitzposition behilflich sein: Rutschen Sie ganz tief in Ihren Kinoschemel hinein (ja, das bedeutet auch weiter nach unten) und heben Sie ihr hübsches Köpfchen ein nicht unerhebliches Stück nach oben (von einem Duttdingsda in Ihrem Nacken, würde ich Ihnen abraten wollen). Tata … die Brille verrutscht nicht mehr. Sollten Sie der Brille aber immer noch nicht über ihren dreidimensionalen Weg trauen, stützen Sie einfach Ihren linken Arm auf die Lehne, richten Sie Ihr Körpergewicht linksseitig aus und halten Sie die Brille noch zusätzlich mit 2-3 Fingern Ihrer linken Hand fest. Das funktioniert ausgezeichnet. Sollte Ihnen diese Körperhaltung unbequem werden, und das wird sie … bei einem Streifen mit Überlänge, wechseln Sie einfach auf die rechte Seite, achten Sie dabei bitte auch immer schön auf Ihre Atmung – einatmen, ausatmen. Fabelhaft, an das Speisen von Popcorn ist so natürlich nicht mehr zu denken. Einen Zahnarzt müssen Sie also am nächsten Tage nicht behelligen, aber Sie sollten sich vielleicht auf die Suche nach einem adäquaten Chiropraktiker begeben. Erfahrungswerte.

Selbstverständlich soll es nicht an Bildmaterial mangeln – ohne Nasenfahrrad:

Hut & Mantel: Collectif Clothing, Stiefel: Deichmann, Handschuhe: C&A, Lippenstiftfarbe: grell

Leider kann ich Sie heute nur mit einem dick eingemummelten Froilein erfreuen, dafür präsentiere ich Ihnen einen weiteren Scheppdeckel und den adretten Boxerrüden.

Es grüßt Sie Ihr treu ergebenes Froilein Olivia, welches sich den Hobbit auf DVD zulegen wird und dieses filmische Meisterwerk in 3 Teilen voller Freude auf dem heimischen Kanapee konsumieren wird – in entspannter Sitzhaltung und ohne rutschende Hornissen-Brille.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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