Winterspaziergang & Garderobe für die Seele

Werte LeserInnen,

das Froilein Olivia vermag jeder Jahreszeit etwas Schönes abzugewinnen. Ja, auch dem Winter. Insofern einmal „richtiger“ Winter wäre. Das wöchentliche Wechselspiel zwischen Schneefall mit einer gehörigen Portion Wind (Schneeverwehungen lassen in unserer Provinz recht freundlich grüßen.) und milden Temperaturen mit apriltypischen Regen verwirren. Dabei kann er so schön sein … der Winter mit seiner weißen Pracht, seinen knackig kalten Temperaturen und … Sonnenschein. Das triste Grau der letzten Wochen ist unangenehm, fördert Erkältungskrankheiten und schlechte Stimmung. Als Anfang dieser Woche der Himmel einmal wieder blau erstrahlte (der letzte Tag des Sonnenscheins war der 14.12.2014 – für was doch ein Blog so alles gut sein kann), zog es das Froilein mir fällt die provinzielle Decke auf den Kopf hinaus in die bezaubernde Winterlandschaftder Gatte, der Minimann und der graue Sofawolf durften dabei nicht fehlen:

Hut & Mantel & Rock: Collectif Clothing, Schuhe: Deichmann, Hundeleine: Freßnapf

Ich kann Sie an dieser Stelle beruhigen, am anderen Ende der Leine verweilte nicht der Gatte. Heute möchte ich Ihnen meinen vierbeinigen Freund vorstellen (und er wird wohl das einzige Familienmitglied bleiben, alle anderen könnten mich schließlich aufgrund der medialen Veröffentlichung verklagen.):

Darf ich vorstellen: Bajazzo von der M. (ja, ein ganz eitler Geselle) oder Baja oder Boxerbim oder Bimmel oder Mürmeli oder Schniedelwurz. Letzteren Spitznamen hatte sich das Froilein dann aber ganz schnell wieder abgewöhnt, die Nachbarschaft guckte da immer fürchterlich irritiert, wenn ich lauthals im Garten so nach meinem Hund (und nicht nach meinem Gatten) plärrte. Jedenfalls ist diese treue Seele bereits seit über 7 Jahren an meiner Seite und hatte es beileibe nicht immer gemütlich in seinem Hundeleben. Denn mit Vollendung seines ersten Lebensjahres begann nicht nur seine Flegelzeit, nein ab da zeigte auch die Epilepsie ihre hässliche Fratze. In der Regel fürchten Hundebesitzer 2 mögliche Erkrankungen ihres Tieres: Krebs & Epilepsie. Beiden steht man nämlich ziemlich machtlos gegenüber. Des Boxers Fallsucht steigerte sich schnell in Anfallsserien, die sich in kürzester Zeit bedrohlich häuften. Die Auswirkungen auf seine körperliche, aber auch auf seine geistige Verfassung waren verheerend. An dieser Stelle könnten Sie vehement einwerfen: „Na, liebes Froilein, das lässt sich doch mit Medikamenten eindämmen.“ Sicherlich, nur vermögen sie es nicht, bei jedem Vierbeiner in gleicher und vortrefflicher Weise, ihre Wirkung zu entfalten. Lange Rede, kurzer Sinn nach der Konsultation vieler Tierärzte mit etlichen Untersuchungen verhalf dann endlich ein Tierneurologe unserem Boxer zu einem schönen Hundeleben. Freilich gibt es hin und wieder schlechte Tage und die gemeinsame Zeit neigt sich wohl allmählich seinem Ende, aber des Froileins Überzeugung war und ist es stets, dass der Boxerbim an seinem Schicksal keine Schuld und keinen Willen trägt. Der Gatte und ich haben uns allerdings für diesen Hund entscheiden, also liegt es in unserer Verantwortung für ihn Sorge zu tragen … auch mit seiner Erkrankung. An dieser Stelle möchte ich den Zeigefinger in Richtung Züchter erheben: Verabschieden Sie sich bitte in Ihrer Zucht von bloßen Schönheitskriterien und legen Sie Ihr Hauptaugenmerk wieder auf den Gesundheitszustand eines Tieres. Es ist nämlich völlig gegenstandslos, ob ein Boxer sabbert!

Widmen wir uns nun wieder den erfreulichen Dingen des Lebens – ein Winterspaziergang mit den Lieben. Nun fragte das Froilein den Gatten: „Wollen wir vorsichtshalber Wechselkleidung für den Minimann mitnehmen?“ „Warum denn?“ Bei Kleinkinder und Schnee walten ungefähr die gleichen Anziehungskräfte wie bei Kindern und Wasseransammlungen. Es verstrich also nur kurze Zeit, bis der Minimann sich freudig & grunzend im Schnee wälzte: „Wie der Baja.“ – den muss man aber nicht umziehen. Apropos Garderobe. Das Froilein vertritt ja die Ansicht, dass Kleidung Balsam für die Seele ist, insofern man sich in seiner zweiten Haut wahrlich wohlfühlt. Das hingegen bedingt zweierlei Tatsachen:

Zum einen sollte man mit sich selbst, seinen Makeln und Schwächen im Reinen sein. Es mag pathetisch (oder abgenutzt) klingen, aber kein Mensch ist perfekt, weder in seinem Inneren noch in seinem Äußeren. Verabschieden wir uns doch einfach von der Vorstellung eines perfekten Aussehens, eines perfekten Körpers und eines perfekten Charakters (das ließe sich auch wunderbar auf den Partner, die Partnerschaft, die Berufung und die Elternschaft anwenden). Einfach in der Theorie, schwierig in der Praxis, da man diverse Medien mit ihren überzogenen Idealvorstellungen nicht einfach auf den Mond schießen kann. Üben wir uns doch lieber fleißig in einem um- und nachsichtigeren Umgang mit uns selbst. Anstelle nach Modelmaßen und einem perfekten Aussehen zu trachten (oder einem „perfekten Leben“ mit uns als „perfekter Hauptfigur“ – nix da mit mein Haus, mein Auto, mein Boot und meine schöne Ehefrau), wäre doch Zufriedenheit mit uns selbst, unseren Schwächen & Makeln eine erstrebenswertere Zielsetzung. Ich fragte einst den Schneidermeister meines Vertrauens, ob ihm in seiner Arbeit einmal eine Dame mit 90-60-90 untergekommen wäre. Na, da lachte er aber lautstark auf … und ich (erleichtert) mit. Was nun aber „wahre Schönheit“ ist, kann ich Ihnen auch nicht beantworten. Vielleicht liegt sie tatsächlich in dem Auge des Betrachters, aber definitiv beschreibt sie nicht nur äußere und vorgegebene Werte und bestimmt spielen diesbezüglich auch Grazie und Ausstrahlung eine entscheidende Rolle. Anbei bemerkt, auch ein innerer Schweinehund hat bisweilen seine Daseinsberechtigung. Und da das Froilein heute schon so schön altklug schwätzt: Das Leben ist so kurz, da muss man sich nicht mit unnützen auferlegten Bürden geiseln, nur um wem auch immer zu gefallen. Sich selbst gefallen ist eine schicklichere Devise (In absoluten Narzissmus sollte das dann aber auch nicht ausarten). Also liebe Leserschaft, wenn Sie heute keine Lust für körperliche Ertüchtigung verspüren, verschieben Sie es auf einen anderen Tag, an dem es Ihnen auch nach Sport zumute ist, und tätigen Sie lieber etwas, das Ihnen wirklich Freude bereitet. Erfreuen Sie sich an sich selbst – oder an dem sündhaft teuren Wintermantel von Collectif Clothing. Das Froilein hatte schon immer eine Neigung zur Dekadenz – einige Landsleute werden nun freilich verkünden: „Hab ich´s doch gewusst.“

Um es den eben geschriebenen Worten nicht an Glaubwürdigkeit mangeln zu lassen, greift sich nun auch das holde Froilein einmal an ihre Nase: Ja, ich bewege mein Automobil zu schnell durch die Provinz. Ich lasse es oftmals an gutem Benehmen mangeln. Ich bin häufig egoistisch, zickig, rechthaberisch und fürchterlich eitel. Des weiteren besitze ich Unmengen an Kleidung, was mich allerdings nicht daran hindert, mir ständig neue zuzulegen. Ich habe schiefe Zähne, krumme Finger & Beine, hässliche Füße (der Gatte ja auch – geteiltes Leid ist halbes Leid), Krampfadern, faltige Bauchhaut, ein zu großes Riechorgan, und mein Angesicht schmücken Krähenfüße, Falten und bisweilen auch Pickel.

Zurück zum zweiten Punkt in Sachen Kleidung als Balsam für die Seele: Zum anderen sollte man seinen ganz eigenen Sinn für Mode entwickelt oder seinen individuellen Kleidungsstil gefunden haben. Wie dieser schlussendlich anmutet, ist gänzlich unbedeutend. Werte Damen, wenn Sie sich für die aktuellen Modetrends von H&M & Co. entschieden haben, dann sei es so und ich wünsche Ihnen stets viel Freude damit. Wie also auch immer sich Ihr textiler Himmel auf Erden gestalten mag, tragen Sie Ihre Kleidung stets mit Begeisterung & Würde und verspüren Sie stets Lust & Laune auf Mode. Freilich, Kleider machen keine Leute, aber das Leben bunter und schöner – auch jenseits der Größe XS. Mode ist nämlich nicht nur den schlanken Damen und Herren vorbehalten. Kleidung sollte eines aber niemals sein: Bloßes Mittel zum Zweck, nicht wie Adam und Eva durch die Botanik zu schreiten. Natürlich sollte man aus der morgendlichen Kleiderwahl keine stundenlange Philosophie entstehen lassen, aber sich stets für das Kleidungsstück zu entschieden, welches gerade oben auf dem Stapel liegt, verfehlt den Sinn von Mode – egal welcher Epoche oder Art. Kleidung ist Freiheit, eine Art des persönlichen Ausdruckes und pure Wonne – und das fern ab des Anschaffungspreises der jeweiligen Garderobe. Gewiss, gab es eine lange Zeit, da rannte auch das Froilein jedweden Schönheitsidealen und Kleidungsstilen hinterher (Also, dem sportiven konnte ich ja nie etwas abgewinnen, wunderte mich aber immer tüchtig, warum sich in Jeans + bunt bedrucktem T-Shirt + Sneakers kein Wohlfühlen einstellen wollte.). Hätte sich nicht irgendwann einmal die Einsicht in den Weg gestellt, würde ich wohl immer noch rennen, ohne aber wirklich anzukommen. Meinen modischen Weg kreuzte da (vor gut 3 Jahren) ein typisches Petticoat-Kleid. Der Rest ist Geschichte … der vergangenen 40er, 50er und bisweilen auch 60er Jahre – ein Kleidungsstil in dem sich das Froilein stets behaglich fühlt und welcher sie jeden Morgen voller Freude ihre Garderobenaufbewahrungsstätten öffnen lässt.

Am Tage des Winterspazierganges war es dem Froilein wohl nach den endlosen Weiten … Russlands und so sabbelte sie einer Olga gleich durch den Schnee – immer dem Boxer hinterher … wie „bei Fuß laufen“ funktioniert, hat er ja bis heute nicht verinnerlicht. Die vintage-begeisterten LeserInnen unter Ihnen wissen um die Existenz dieses bezaubernden Wintermantels von Collectif Clothing mit dem hübschen Namen Anastasia. An dem kam das Froilein nämlich vergangenen Winter nicht vorbei. Und ich liebe ihn abgöttisch – dieses Blau – der Fellbesatz und dieses traumhafte Cape, welches sich übrigens abnehmen lässt. Aber wann bitte schön, sind eigentlich Hüte aus der Mode gekommen?

Es grüßt Sie Ihr treu ergebenes Froilein Olivia Kaltschnäuzig, welches im Glashaus verweilend, nicht mit Steinen schmeißen sollte und für Ergänzungen oder Denkanstöße Ihrerseits sehr dankbar ist.

Übrigens, es ist ein völliger Irrglaube, dass unsere Vierbeiner gern bei jedem Wetter Spazierengehen. Der Boxerbim hasst Schmuddelwetter in Form von Regen, Schnee oder Nebel – da ist er ganz das Heimchen. Wenn da sein Frauchen nicht wäre … das stört sich an dem schlechten Wetter überhaupt nicht und zeigt kein Erbarmen mit ihrer treuen Seele.

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2 Kommentare zu “Winterspaziergang & Garderobe für die Seele

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