Oh du nadelnder Tannenbaum, Weihnachtsbäckerei & Hahnentritt

Werte LeserInnen,

der Gatte, der Minimann und das Froilein befanden sich letztlich auf dem Außengelände des Gartenfachmarktes ihres Vertrauens … gemeinsam mit 50 Nordmanntannen … 10 Tage vor dem heiligsten der Abende … vergangenen Montag … gegen 17.00 Uhr … auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum, welcher dem Froilein „Nun wird es aber endlich einmal Zeit für den Christbaum in der heimischen Wohnstube“ anstand. Nun ist es ja bekanntermaßen um diese Zeit bereits stockrammelduster in unseren Breiten. „Die haben doch bestimmt Licht da draußen.“ Bestimmt. Außenlampen gab es schließlich zur Genüge – Jemand müsste diese nur einmal anschalten – bitte. Vorzüglich, dass die angrenzende Filiale einer namenhaften Fast-Food-Kette als Lichtquelle herhielt. Also tapsten wir mit Pommes-Frites Duft in unseren Näschen durch das Außengelände und warfen dabei immer auch ein Auge auf den Minimann, damit uns dieser zwischen all den Kitzelfichten nicht abhanden kam. „Olivia, wie findest du diesen hier?“ „Der ist aber mächtig groß.“ Da überlegt man ja, ob sich das Baummonstrum und die heimische Deckenhöhe überhaupt vertragen würden. „Und dieser hier?“ „Die Baumspitze ist aber ganz schön lang.“ Also ernsthaft, die Baumspitze sollte nun wahrlich nicht die Hälfte des ganzen Baumes ausmachen. „Und der, wenn wir ihn an die Wand stellten?“ „Ich möchte keine Krippelfichte.“ Ist Symmetrie nicht ein Kriterium für Schönheit – und was ein Gesicht schön macht, könnte man doch auch bei einem Baum erwarten, oder? Es war zum Verzweifeln, auch der 37. Baum entsprach so ganz und gar nicht des Froileins Vorstellung. „Mama, guck mal.“ Voller kindlichem Stolz präsentierte der Minimann ein kleines und wohlgeformtes Bäumchen mit einer erträglichen Baumspitze. Na, da hat der Gatte bei der Auswahl, vom Froilein unbemerkt, sicherlich ein wenig nachgeholfen. Völlig nebensächlich – wie und wer. Im Inneren des eigentlich Fachmarktes für alle „mit einem grünen Daumen“ erspähten wir zwischen Adventsstern und Weihnachtskaktus eine Florafachverkäufern. Diese Dame würde uns bestimmt unser Bäumchen transportfähig verpacken, denn irgendwie musste es in die heimische Provinz – das ausladene Bäumchen -, welches der Gatte derweil irgendwo zwischengeparkt hatte. „Ich mache Ihnen ein wenig Licht da draußen.“ Fabelhaft. Und der Mitarbeiterin hinterher, wieder nach draußen in die Erleuchtung … aber weit gefehlt, die Außenlampen funzelnden gerade einmal – gut, die Dame sprach schließlich auch nur von ein wenig Licht. Da stellte sich das Froilein ja die Frage, ob die düstere Auswahl auch die Richtige war – wer kauft schon gern die Katze im Sack. „Zeig mir doch mal welchen Baum du dir mit Mama und Papa ausgesucht hast.“ „Den da.“ Es war nicht einmal dem Froilein möglich, den genauen Standort des Bäumchens auszumachen, also warum wurde das an dieser Stelle von dem Minimann erwartet, der den Wald eben einmal nicht vor lauter Bäumen sah? Übrigens, als dieser gerade sein erstes Lebensjahr vollendet hatte, begannen sie ja die banalen Fragen, von jedweden Damen und Herren, welche uns so nahe stehen, wie der Weihnachtsmann und seine Frau höchstpersönlich. Eine beliebte Erkundigung war beispielsweise: „Spricht er denn schon?“ „Selbstverständlich … 3 Sprachen und diese fließend!“ Verehrte Leserschaft, verübeln Sie mir es bitte nicht, aber das Froilein hatte „Schläft er schon durch?“, „Ist er denn schon sauber?“ und „Geht er schon in den Kindergarten?“ –  mächtig leid. Der Charakter eines Kindes wird nicht an diesen Kriterien gemessen.

Zurück zu der Tanne à la Nordmann. Nach eingehender Prüfung des Bäumchens bei annehmbaren Lichtverhältnissen in der heimischen Provinz (Ergebnis: adrettes Nadelbäumchen) wurde natürlich dessen Schmückung unverzüglich in Angriff genommen … und das Anbringen einer Lichterkette mit 75 Lichtern. Falls Sie sich nun ganz besorgt fragen und das wirklich nicht zu Unrecht: Liebes Froilein, warum denn so viele Lichter auf einem 1,35m messenden Tannenbäumchen? Der Gatte hat die kleinen, also die ganz kleinen Lichter verwendet und ich meine, er hatte sich gehörig satt, als er diese einzeln befestigen musste. Vorzüglich, dass er zuvor eine „leuchten-denn-auch-alle-Lämpchen-Probe“ durchführte. Denn hätten nur 72 Lichter gefunzelnd, wäre er wohl explodiert, der sonst so tiefenentspannte Gatte. Schon das Ausrichten des Bäumchens hatte des Gattens Nerven tüchtig strapaziert, vor allem da die holde Ehefrau ausnahmsweise besonders kritisch (oder gerade) blickte: „Der steht aber immer noch leicht schief.“. Der Minimann und das Froilein verteilten daraufhin rote & weiße Kugeln, ein paar Sterne & Anhänger und ganz zu des Minimanns Entzückung auch eine Vielzahl an Zuckerstangen.

Nun war des Gattens Reaktion auf meine kleinkindliche Quengelei doch endlich das Weihnachtsbäumchen zu besorgen, die Folgende (mit weit aufgerissenen und staunenden Äugelein): „Schon?“ Sie erinnern sich, verehrte Leserschaft, der Tannenbaumkauf ereignete sich am 14.12. Es soll ja Damen und Herren geben, bei denen christbäumelt vor dem 23. oder 24.12. nichts in der heimischen Wohnstube. Und seit 3 Tagen meine ich den Grund dafür zu kennen: Das Froilein „Ungeduld“ wird nämlich bis zum 27.12. mit größter Sorgfalt und Umsicht die provinziellen Türen & Fenster öffnen & schließen (jeglicher Luftzug muss tunlichst vermieden werden) und inständig hoffen, dass zu dem Weihnachtsfest noch mehr Nadeln den Baum schmücken als den Boden darunter.

Nun schafft man sich freilich in der besinnlichen Vorweihnachtszeit nicht nur ein adrettes Tannenbäumchen an, nein man frönt auch der Weihnachtsbäckerei – ob nun besonders gut oder besonders gern, das mag dahin gestellt sein. Das Froilen bäckt übrigens liebend gern – auch außerhalb von „Oh du fröhliche & Co.“. Jedenfalls widmete ich mich vergangenen Dienstag voller Elan meiner Weihnachtsbäckerei – im strahlenden Schein der 75 Lichter des Tannenbäumchens. Aber anstelle sich auf ein paar Plätzchen und Zimtsterne zu beschränken, gab das Froilein „Backmaßlosigkeit“ alles in der heimischen Küche vom schwedischen Einrichtungshaus. Übrigens, Ikea ist wahrlich ein Meister in Sachen „platzsparrend“, denn unser Herd benötigt tatsächlich nur ein winziges Fleckchen, erinnert aber, was das Fassungsvermögen der Backröhre betrifft, eher an Puppenstubenmobiliar. Freilich ist Platz für mehr als 2 Backbleche, aber man möchte doch, dass das Backgut auch gar wird … irgendwann einmal.

Es dämmerte also bereits, als das Froilein ihre zweierlei Cookies, ihre Karamellschnitten, ihre karamellisierten Walnussschnitten (Liebe Leser, sollten sie gerade stutzen: „Ist das denn nicht das gleiche?“ Nein, die Nuss macht den Unterschied), ihre Erdnussbutter- und Orangenplätzchen, ihre 80 Pralinen und ihre zwei weihnachtlichen Schokoladenkuchen vollendet hatte. Dabei hätte ich mich noch so gern der Zubereitung der Lebkuchen gewidmet, aber da hatte das Froilein im Rezept tatsächlich überlesen, dass der Teig eine Nacht im lauschigen Kühlschrank verbringen muss. „Fabelhaft, morgen wird die heimische Küche wieder zur Zuckerbäckerei“, teilte ich dem Gatten und dem Minimann mit. Der Sohnemann freute sich, denn Kinder haben ein ausgesprochenes Faible für alles, das gehörig Dreck verursacht (neben dem Breitschaufeln der Maulwurfhügel im heimischen Garten mit vollem Körpereinsatz). Der Gatte hingegen seufzte, denn als ich nämlich zur Zeit des Sandmännchens meine Backwaren in den hübschen Weihnachtsdosen verstaute, war unsere Küche ein wahres Schlachtfeld. Ja, Sie lesen völlig richtig, das Froilein „Saubermann“ kann bisweilen auch ganz anders. „Olivia kannst du zwischendurch nicht mal ein wenig aufräumen, sauber machen oder abwaschen?“ Zunächst einmal besteht für das Froilein keine Notwendigkeit die eine Schüssel zu säubern, wenn der Schrank noch 5 saubere beinhaltet. Die leere Mehltüte 1, 2 und 3, die Eierschalen, und der dritte Teigfleck auf dem Fussboden stören mich bei meinem Werkeln nicht im Geringsten und das Kabel des Handrührgerätes kann auch umständlich und eines Schildbürgers gleich um die riesige Zuckerdose herum geführt werden, ohne diese auch nur einen Millimeter bewegen zu müssen. Und „zwischendurch“ den Lappen zu schwingen, grenzt doch wahrlich an Zeitverschwendung, denn wenn sich die, just in diesem Moment benötigte, gezuckerte Kondensmilch noch im Kühlschrank befindet, dann klebt der Teig eben nicht nur an den Händen sondern auch an der Kühlschranktür … neben den 3 anderen Teigsorten. Schlussendlich hat man dann ein ganz entzückendes Potpourri aller Teigsorten am Küchenmobiliar. Am Ende der Weihnachtsbäckerei musste das Froilein „Meisterin des Chaosproduzierens“ den Urzustand ihrer fantastischen Küche allerdings doch wiederherstellen – möglichst vor dem beginnenden Abendprogramm. Der Gatte hatte aber Erbarmen mit mir und kurze Zeit später glänzten die schwarzen Fronten mit dem Fußboden um die Wette. Bei dem folgenden Abendprogramm hätte man freilich auch noch renovieren können, das wäre sicherlich unterhaltsamer gewesen.

In den vergangenen Beiträgen habe ich schon so oft über ihn geplaudert, nun möchte ich ihn auch gern einmal präsentieren … den schwarzen Wintermantel von Collectif Clothing:

Headpiece: Jazzafine, Ohrhänger: Fräulein Wildkirsch, Tasche: Darling Divine (via Topvintage), Schal: Orsay, Handschuhe: C&A, Schuhe: Deichmann

Ein wahres und wärmendes Schmuckstück. Entstanden sind diese fotografischen Aufnahmen übrigens an dem Tage als auch das Tannenbäumchen Einzug in unsere 4 Wände hielt. Also für den Fall, dass Sie sich fragen, wie kleidet sich denn so ein Froilein „vom Dorf“ bei dem Bäumchenkauf? Verehrte Leserschaft, nun weiß ich nicht wie es Ihnen ergeht, aber auch wir vintagebegeisterten Damen kommen diesen Winter nicht am Hahnentrittmuster vorbei (Pepita soll ja nicht das gleiche sein – wie verwirrend.). Und wenn das Froilein Hahnentritt trägt, dann auf Schal, Hütchen und Kleid:

Kleid: Orsay

Es grüßt Sie Ihr ergebenes Froilein Olivia, welches ihrem Tannenbäumchen täglich gut zuspricht und welches zwar gerne bäckt, sich aber mit dem Kochen immer noch nicht so recht anfreunden mag – wie vorzüglich, dass der Gatte das Kochhandwerk erlernt hat.

 

 

 

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2 Kommentare zu “Oh du nadelnder Tannenbaum, Weihnachtsbäckerei & Hahnentritt

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