Textile Grausamkeit & des Froileins Verhältnis zu H&M und den Ankleideräumen

Werte LeserInnen,

Das Froilein Olivia findet ihn höchst entzückend … ihren neuen Pullover, der Weihnachten zum Himmel posaunt … oder textile Geschmacksverirrung

Die Qualität der fotografischen Aufnahmen könnte wirklich besser sein – aber es gibt sie, die winterlichen grauen Tage an denen es gar nicht so recht hell werden mag.

Eine Einschätzung würde ich an dieser Stelle einfach Ihnen und Ihrem vortrefflichen Modegeschmack überlassen. Aber werte Damen, Hand auf Ihr Herz, befindet sich nicht auch in Ihrem Kleiderschrank die ein oder andere textile Grausamkeit? Erstanden habe ich dieses Schmuckstück tatsächlich in München und seltsamerweise bei H&M. Ja mei, was treibt denn das Froilein in der bayrischen Landeshauptstadt? Mein Gatte und ich waren doch Ende November in Berlin & Hamburg unterwegs … Sie erinnern sich bestimmt. Kaum hatten wir wieder einen Fuß in das erzgebirgische Heimatdorf gesetzt, ging es nämlich zwei Tage später schon wieder auf Reisen. Diesmal allerdings Richtung Süden. Ein Besuch Münchens ist nämlich in oder um die Adventszeit zu einer Tradition von dem Knappschen Ehepaar dem Jüngeren geworden. Übrigens, wussten Sie, dass sich zwischen Viktualienmarkt und Stachus ganze 3 Filialen der Bekleidungskette mit dem großen H und dem großen M befinden? Also zumindest was Damenbekleidung betrifft. Nun ist das mit dem Froilein Kleidungskauf und der bekleidungsverkaufenden Kette namens H&M prinzipiell so eine Sache – unser Verhältnis ist nämlich eher von zwiespältiger Natur. Bei jedem Besuch schimpfe ich wie ein Rohrspatz darüber, dass ich eigentlich nicht so recht fündig werde, zwischen den schreienden Mustern und den unvorteilhaften Schnitten – Oversize ist wahrlich nicht jederfraus Geschmack. Am Rande bemerkt: Fündig werden, würde in des Froileins Verständnis bedeuten, dass der Gatte mindestens eine riesige vollgestopfte Einkaufstüte neben mir aus dem Geschäft trägt. Aber anstelle einmal kokett an einer Filiale vorbeizuwandern, denn Froilein Kleidungskauf wird eh nicht fündig werden, werde ich eben immer wieder magisch angezogen.

In einem der letzten Beiträge hatte ich Ihnen ja von den fabelhaften Einkaufsqualitäten meines Gatten berichtet. Und diese erstrecken sich freilich nicht nur auf das Zulegen von weihnachtlichen Dekorationsmitteln à la Winter Wonderland. Denn auch bei dem Garderobenkauf verhält er sich stets vorbildlich und zuvorkommend. Anbei bemerkt, so gern das Froilein auch dem Kleidungskauf frönt, nur eben nicht stundenlang. Da bekommt es nämlich Zustände, das dörfliche Froilein. Aber der Gatte kennt seine Frau und nimmt mir immer artig jedes Kleidungsstück ab, welches die engere Auswahl erlangt hat. Auch vermag er es, vollgepackt und bereits diverse Tüten tragend, genau jene schwarze Bluse zu erspähen, welche ich bereits in Hamburg sehnsüchtig begutachtet habe. Es gibt allerdings etwas, das mag ich so gar nicht an den urbanen Bekleidungskettenfilialen: die Umkleidekabinen. Zunächst einmal sind diese derart stark frequentiert, so dass man beim Anstehen nun wirklich nicht jünger wird. Hat das Froilein dann endlich einen Ankleideraum ergattern können, dann bin ich ja jedes mal fürchterlich entsetzt, wie diese so anmuten. Nein, geräumig sind diese freilich. Aber wenn da nicht immer die Hinterlassenschaften der Vorgängerinnen wären … Da stellen sich mir nämlich gern folgende Fragen … nachdem mein Hirn es vermag den seltsamen Geruch in meiner Nase auszublenden: Was bitte schön ist das da an den Trennwänden? Haben wir das Spiegelantatschen nicht schon im Alter von 5 Jahren überwunden? Neuerdings darf wohl jeglicher Müll überall entsorgt werden? Aber sollte mich bei der Anprobe eines Kleidungsstückes (welches Rückschlüsse auf die Make-up-Farbe einer früheren Interessenten zulässt) ein kleiner Hunger überkommen, so kann ich diesen doch unverzüglich stillen, da ich auf dem einen Quadratmeter unter den großen Staubmonstern (In welchem Abstand erfolgt eigentlich die Reinigung – alle 3 Monate?) noch ein angenagtes Brötchen (ohne Bratwurst und Senf) finde … Ist es eigentlich zu viel verlangt, eine Umkleidekabine so zu verlassen, wie man sie selbst gern vorfindet, oder ist Dreck und Müll des neue Home-Feeling?

Nun, bin ich es ja gewohnt, meinen Gatten stets vor der Kabine zu wissen – ich kann ja so schlecht allein sein in mir fremder Umgebung. Er, und das wäre eine weitere Einkaufsqualität seinerseits, entfernt Bügel, knöpft Blusen auf, schließt Reißverschlüsse und hilft beim Aus- oder Ankleiden, wenn das blasierte Froilein wieder so gescheit war, sich zu der Einkaufstour ein Hütchen auf den Kopf zu pappen. Aber bei dem Andrang vor und im Gang der Umkleidekabinen streikte selbst mein Gatte … und dieser kann so einiges ertragen, neben seiner Gattin. Jetzt war ich während unseres Aufenthaltes in Müchnen allerdings derart tiefenentspannt, dass ich ausnahmsweise mit einem kleidungstechnisch vollbepackten Ehemann den Weg zu den Ankleideräumen antrat und da wäre es wahrlich schön gewesen, wenn man das Froilein Nimmersatt im Vorfeld darüber aufgeklärt hätte, dass man nur 7 Teile mit in die Umkleidekabine schleppen darf. Und 7 Teile, nehmen Sie mir es an dieser Stelle bitte nicht krumm, sind nicht viel, vor allem, wenn man stets zwischen zwei Größen schwankt. Da zürnte es mich derart, dass lediglich die schwarze Bluse mit mir in den Genuss der tadellosen Garderobe kam. Wir gingen dann auch gemeinsam zur Kasse. Und der Gatte durfte eine kleinere Tüte mehr tragen – soviel zum Aspekt „fündig werden“ … ein Schal und 3 Strumpfhosen zählen da nicht.

Das war In Filiale Nr. 1. In der 2. (und der 3.) hingegen, stöberte das Froilein gar nicht mehr ganz so genau … der Gatte ebenfalls nicht. Brauchten wir auch gar nicht, denn da funkelte er nämlich schon – hell & leuchtend … der Pullover mit dem inkludierten Weihnachtsfeeling … schnell hin und eingehend betrachtet, der Gatte wollte gar nicht so recht. Herrje, dieses textile Fähnchen erfüllt alle weihnachtlichen Klischees, insofern man Kitschiges ganz vorzüglich findet (Ja, und manchmal tue ich das in meiner weihnachtlichen Sentimentalität): Weihnachtskugeln, Ilex Zweige, Zuckerstängelchen, Bling Bling … und ein Schleifchen mit Glöckchen. Liebe Leserschaft, die klingen sogar … wenn man schön Hockstrecksprünge tätigt. „Der ist doch entzückend!“ „Olivia, der ist furchtbar.“ Manchmal sollten wir Damen nicht auf das Urteil unserer besseren Hälfte vertrauen … und so trat das Froilein Olivia mit dem Weihnachtspullover den Weg zur Kasse an, ohne vorher auch nur in die Nähe einer Umkleidekabine zu kommen. In den heimischen Gefilden allerdings stellte sie fest, dass die Passform nicht als „Figur umspielend“ sondern als „Figur nicht einmal andeutend“ beschrieben werden könnte. Oh du fröhliche Oversize-Mode.

Pullover: H&M, Rock: Banned, Schuhe: Deichmann

 

Es grüßt Sie Ihr ergebenes Froilein Olivia, welches Ihnen nicht deutlich mitteilen wird, dass ihr Gatte und sie am Abend in München wieder ein bestimmtes Konzert besuchten, denn da würden Sie mich ja für einen durchgeknallten Groupie halten.

 

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2 Kommentare zu “Textile Grausamkeit & des Froileins Verhältnis zu H&M und den Ankleideräumen

  1. Das ist ja vielleicht gemein, aber Du siehst sogar in diesem billigen H & M – Schrott (sorry, mag den Krempel nicht) gut aus. Als obs ein teures Designerteil wäre! Tja, der liebe Gott war beim Verteilen der Schönheit irgendwie nicht so ganz gerecht 🙂 Und zum Thema „Finde was bei H & M“…ja wie denn? Diese Läden sind ja derart vollgestopf, dass man nichts finden kann! Einfach nur der Horror!

    • Liebe Daniela,
      du bist so gut zu mir – herzlichen Dank für deine lieben Worte! Ich muss dir inbrünstig beipflichten H&M ist vollgestopft (Primark hingegen ist vollgestopfter) … und hat man sich doch einmal durch eine Kleiderstange gekämpft, kann man sich die weitere Durchsicht ruhigen Gewissens sparen, denn die Schnitte, Muster und Farben wiederholen sich eh. Wir begrüßen den Mode-Einheitsbrei ohne jegliche Individualität. Furchtbar!

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