Das Froilein, der Gatte & der Senf oder Weihnachtsmarkt- und Kinobesuch

Werte LeserInnen,

haben Sie denn schon just in dieser Weihnachtssaison den Weihnachtsmarktes Ihres Vertrauens besucht, im Gedränge umsichtig Glühwein geschlürft, sich beim Bratwurst essen mit Senf bekleckert, um sich dann an dem entzückenden Angebot der Stände zu erfreuen und eine überteuerte schwarze Strumpfhose mit Norwegermuster zu erwerben? Nein? Das Froilein schon … vergangene Woche. Zwar nicht den Weihnachtsmarktes ihres Vertrauens, aber mit den oben genannten Gepflogenheiten. Eigentlich waren mein Gatte und ich in der fantastischen Karl-Marx-Stadt, weil wir eine Kinoveranstaltung besuchen wollten. Da sich das Kino ganz oben in einer Einkaufspassage befindet, vor deren Toren – oh Freude – der alljährliche Weihnachtsmarkt weihnachtet, und wir noch Zeit bis zu dem Beginn der Vorführung hatten, nutzen wir die Gunst der Stunde und wühlten uns durch das Gedränge der Shoppingstätte auf den Weg nach draußen, um zugleich was anzusteuern? Selbstverständlich … den Glühweinstand. So schlürfte das Froilein Olivia einen Heidelbeerglühwein – dieser verfärbt ja die Mundhöhle immer so vorzüglich blau. Daneben – oh Freude – befand sich ein Stand, welcher doch tatsächlich Bratwurst verkaufte – fabelhaft, so gab es zum zweiten Glühwein gleich noch eine Bratwurst im Brötchen mit Senf dazu … mit viel Senf. Diesen hätte sich das Froilein wahrlich sparen können, denn die Extraportion Mostrich schmückte nach dem zweiten herzhaften Bissen in die Semmel nicht mehr die Bratwurst sondern den nagelneuen schwarzen Collectif-Wintermantel. Was folgte war hektisches Wischen mit den viel zu dünnen Servietten und anstatt die ockergelbe Misere zu entfernen, wurde diese galant in den Stoff hineinbefördert. Zurück zu dem Übel, dass Zunge und Mund in einem fantastischen blau-violett erstrahlen lässt. Nun ist es bei dem holden Froilein und dem warmen Alkohol so eine Sache … wir vertragen uns nämlich gar nicht. Spätestens nach 1 1/2 Tassen dreht sich nicht nur die Pyramide des Weihnachtsmarktes unaufhörlich, nein da dreht es auch in des Froileins Pyramide mächtig gewaltig, wenn Sie jetzt wissen, worauf ich nun abzielen möchte. Aber sind wir einmal ehrlich, das trinkt sich nun wirklich wie Brause. Nach den beiden Bechern Glühwein, der Bratwurst mit dem Brötchen und dem relativ wenigen Mustard war nun wirklich der Moment gekommen über den Markt zu schlendern und dem Senf auf meinem Mantel das entzückende Angebot der einzelnen Verkaufsstände vorzuführen, denn bis zu diesem Zeitpunkt waren der Gatte und ich gerade einmal aus der Passage heraus gepurzelt und am erstbesten Glühweinstand, der dann doch ganze 5 Meter vom Ausgang entfernt war, hängen geblieben. Also schlendern mein Gatte und ich, der Senf und mein glühweinbedingtes Dauergrienen entspannt, gemütlich (auch glühweinbedingt) und vorzüglich weihnachtlich eingestimmt (…) über den Chemnitzer Weihnachtsmarkt am vergangenen Montag, nachmittags 16.00 Uhr. Der lokalen Bestimmung wegen, steht es Ihnen selbstverständlich erneut frei, die Google-Suche zu bemühen. Was die Dame oder der Herr nicht alles käuflich erwerben kann auf so einem größeren Marché de Noel: Puppenstubenzubehör, Küchensiebe, Kerzen in Formen, welche wirklich der Geschmackssache unterliegen, ausgefallene Teesorten, da wären wir wieder bei den Geschmacksvorlieben und Fischsemmeln. Das Froilein hingegen blieb vor einem Stand mit Strumpfwaren kleben. Der Gatte eilte derweil weiter, er wusste wahrscheinlich warum. Da erpichte ich eine schwarze Strumpfhose mit weißen Schneeflocken und Rentieren geschmückt – oh Freude – ein derartig wärmendes Beinkleid befand sich noch nicht in meinen Ikea-Strumpfwaren-Aufbewahrungsboxen. Erstanden in mittlerer Größe für sensationelle 15€ – die Damen und Herren-Strumpfwaren-Verkaufsstand-BesitzerInnen möchten schließlich auch von etwas leben. Der Gatte schüttelte den Kopf und das Froilein war zufrieden mit sich und dem Strumpfhosenkauf und wanderte den Markt einmal herauf und einmal herunter. Liebe Leserschaft, sollten Sie sich nun an dieser Stelle fragen, wann es nun endlich mit den Ereignissen im Kinosaal beginnen möge, so möchte ich Sie da nicht länger auf die Folter spannen. Wir besuchten eine Vorstellung am frühen Abend (oder späten Nachmittag), um diese Zeit ist der Andrang an kinofreudigen Besuchern freilich noch überschaubar. Das Betreten und der anschließende, oftmals beschwerliche Weg zum zugewiesenen Sitzplatz weist ja bisweilen die Form eines Schaulaufens auf, da man eingehend von den bereits sitzenden Besuchern gemustert wird. Sitzt man dann endlich, mustert man selbst fröhlich, da die graue Kinoleinwand vor einem nur bedingt unterhaltsam ist. Aber, verehrte Leserschaft, oh Freude, uns starrten gerade einmal 4 Augenpaare an … 10 Minuten vor Beginn des Filmchens. Da fragt man sich ja ganz besorgt, ob es bei den Kinostatistiken mit rechten Dingen zugeht – wir besuchten nämlich filmtechnisch den derzeitigen Platz Nr. 1 der Kino-Hitliste. Wenn man sich einen Kinosaal, im dem vorzüglich etwa 200 Damen und Herren Platz finden würden, mit 7 reizenden Mitmenschen teilt, welche sich just auf die letzten 3 Reihen großzügig verteilen, der Senf hatte mit meinen Mantel auch sein eigenes Plätzchen, dann können jedwede Verfehlungen egal von wem sofort & persönlich zugeordnet werden. Da Sie, werte Leserschaft, aufmerksame Blogdurchleser sind, ist Ihnen sicherlich eben aufgefallen, dass das Froilein ja gar nicht recht zählen kann. Zur Verteidigung meiner mathematischen Talentfreiheit: Es betraten dann noch 3 Persönchen die Filmvorführungsstätte. Das Froilein war also tiefenentspannt und herrlich weihnachtlich eingestimmt im Kino – der werte Herr eine Reihe vor uns war es wahrscheinlich nicht. Dieser ließ nämlich seine Übergrößen-Popcorn-Tüte bereits während der Reklame zu Boden fallen. Und wir essen ja nichts, das den Boden berührt hat, das haben wir von unseren Eltern eingehend vermittelt bekommen. Der Herr beugte sich dann aber doch immer wieder verdächtig nach vorn, während der nicht enden wollenden Werbung. Diese ist wahrlich zermürbend, und man mag es gar nicht glauben, 7 Menschen können bei dem 10. das-läuft-bald-in-Ihrem-Kino Spot entnervt stöhnen wie 200. Was tut man also während man auf den Beginn des Filmes lauert? Korrekt, man mampft Popcorn in unschöner Art & Weise (und hofft inständig, dass das Pärchen hinter einem ihr Gespräch bei Beginn des Filmes einstellen wird). Da es aber so finster ist, scheint es nicht mehr von Belang zu sein, ob man auch stets gezielt den Schlund trifft. Das Resultat darf man dann nach Ende des Filmes und bei zunehmender Beleuchtung, spätestens aber beim Erheben vom Sitzplatz begutachten, wenn sich auf einem selbst und dem Schemel soviel Popcorn befindet, welches eigentlich noch eine kleine Tüte ausfüllen würde. Wie beschämend für das Froilein Saubermann, auch der Senf kroch noch tiefer in den Mantel. Im Dunkeln ist eben gut mampfen und munkeln. Haben Sie sich eigentlich schon einmal dabei ertappt, dass Sie die Funktion Ihrer Kauleisten unverzüglich einstellen, wenn es im Film ganz plötzlich etwas ruhiger zugeht? Schließlich möchte man die anderen nicht stören (oder unangenehm auffallen). Mich machte es nämlich höchst fuchsig, als ich hörte wie der Herr hinter mir genussvoll und viel zu laut Popcorn speiste – fragen Sie einmal meinen Mann was mit meiner Stimmung geschieht, wenn er neben mir auf dem Sofa und beim gemütlichen Abendprogramm gedenkt Schokolade mit ganzen Nüssen zu verzehren … Jedenfalls wurde es leiser im Kino und das Froilein beendete trotz jeder Menge Popcorn im Mund den Kauvorgang unverzüglich. Das kann dann bisweilen unschön ausgehen, denn dauert die stille Passage länger als der Speichelfluss arbeiten kann, dann wird es brenzlig, spätestens wenn sich ein kleines Stückchen Maisprodukt Richtung Speiseröhre auf den Weg macht – ungebeten natürlich. Es kribbelt, ein Hustenreiz kündigt sich an, vortrefflich wenn man den Mundinhalt noch hinterschlucken kann. Schlimmstenfalls hustet man mit vollem Mundinhalt und … Sie haben an dieser Stelle bestimmt eine blühende Fantasie. Da war es ja wieder peinlich berührt … das Froilein Saubermann. Der Griff zum Getränk war daraufhin auch nicht glückselig, der teure Gatte hatte sich nämlich vorsichtshalber für ein 1-Liter-Getränk entschieden. Aus einem Pappbecher mit 1 Liter braunen Inhalt kann man nicht galant trinken, aber man bekommt vorzüglich einen Einblick wie man wohl als Einjährige sein Fläschchen gehalten hat. Die restlichen 1 1/2 Stunden des Filmes griff das Froilein weder in Popcorntüte noch zum Getränk, fühlte sich aber glänzend unterhalten vom Mockingjay den Ersten und schob den Gedanken sich doch Pfeil & Bogen zuzulegen gleich wieder zur Seite. Der Senf schmunzelte darüber nämlich schon.

Selbstverständlich sollen nun, nach den vielen Worten, auch ein paar Bildchen folgen. Präsentieren möchte ich Ihnen freilich eine weitere weihnachtliche Garderobe – ohne Mostrich:

Pullover: H&M, Rock: Collectif Clothing, Strumpfhose: im adretten Tannengrün, Schuhe: Deichmann, Ohrhänger: Fräulein Wildkirsch, Brosche: Vintage

Oh Verwunderung – es geht wieder einmal kariert zu. Aber noch größere Verwunderung das Froilein greift zu etwas Rotem. Diesen Rock erwarb ich übrigens bereits im Oktober. Sie können sich vorstellen, wie sehnsüchtig ich dieses Schmuckstück bis zu dem Beginn der Weihnachtszeit immer wieder in der Garderobenstätte anstarrte. Ein wahres Träumchen in den traditionellen Weihnachtsfarben rot & grün.

Ein Bildchen für alle LeserInnen, welche nach einer weißen Weihnacht trachten. Vergangene Woche gab es nämlich bei uns im Erzgebirge einen kleinen Vorgeschmack auf die weiße Pracht, zumindest auf des Berges Höhn. Es bleibt aber spannend, ob nun der Winter auch bei uns gänzlich Einzug hält.

Es grüßt Sie Ihr ergebenes Froilein Olivia, welches am nächsten Tag ihren Mantel zu Reinigung trug und deren Enttäuschung sich über den unvollendeten Ausgang des Filmes in Grenzen hielt, da das gescheite Froilein sich bereits literarisch informiert hatte und ihren Gatten bei einem weiteren Glühwein und keiner weiteren Bratwurst über das Ende von Tribute von Panem aufklärte.

Die Ohrhänger von der bezaubernden Anna tragen den hübschen Namen „Tannenwäldchen“. Sind diese nicht entzückend?

 

 

 

 

 

 

 

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