Winter Wonderland oder das Froilein dekoriert

Werte LeserInnen,
nun hat das Froilein Olivia seit dem letzten Sommertag gerade einmal 3 mal geblinzelt (so kommt es ihr zumindest vor) und schon hat sie wieder begonnen … die fabelhafte Weihnachtszeit. Das Froilein hat freilich ein Faible für diesen besonders besinnlichen Teil des Jahres und fiebert ja der Woche vor dem 1. Advent innig entgegen – Sie erinnern sich: der heilige Gral des Weihnachtslandes Erzgebirge: nichts, aber auch rein gar nichts Weihnachtliches vor dem Totensonntag. Liebe LeserInnen, wie verhält es sich eigentlich mit Ihrem Weihnachtsfeeling? Sind Sie schon weihnachtlich eingestimmt oder stehen Sie beim Einkaufsbummel in Ihrer Stadt ganz plötzlich und völlig verdattert vor der üppigen Weihnachtsdekoration diverser Geschäfte und fragen sich: „Ist es denn etwa schon wieder so weit?“ Nun denn, der 1. Advent wäre geschafft und in der hiesigen Provinz erleuchten die Schwibbögen jedes Fenster, die Adventssterne funkeln, die Räuchermännchen nebeln und die Nussknacker gucken grimmig. Auch des Froileins Heim erstrahlt endlich im weihnachtlichen Gewand, nur nicht ganz so traditionell wie man es für meine erzgebirgischen Wurzeln vermuten mag. Schwibbögen müssen freilich sein und zwar in jedem Fenster, warmes Licht ist vorzüglich und so herrlich urgemütlich. Räuchermännchen besitzt das Froilein exakt eines; irgendwo muss man schließlich die Räucherkerzen abfackeln und Nußknacker mag das Froilein so gar nicht mit ihrer negativen Aura und ihrem finsteren Blick. Die letzten zwei Jahre wurde um das eine Räuchermännchen herum recht klassisch geschmückt, dass heißt ein paar Zapfen, Orangenscheiben, Zimtstangen hier und ein paar güldene und rote Kugeln dort, das ganze hübsch drapiert in hohen Glasvasen, auf Etageren und dergleichen. Es wurde also höchste Zeit für Veränderungen in Sachen weihnachtlicher Verzierung. Da grübelt ich so vor mich hin, wie denn mein Heim zu der diesjährigen Weihnachtszeit anmuten sollte. Schlussendlich kam mir die dekorative Erleuchtung: „Winter Wonderland“. Natürlich ist es ganz und gar nicht verwunderlich, dass meine anvisierte neue Dekorationsabsicht überhaupt nichts gemein hat mit dem Sammelsurium der vergangenen Jahre, denn ein winterliches Wunderland ist nicht rot oder gülden, und kommt auch nicht mit Orangenscheiben & Zimtstangen um die Ecke. Damit könnte das Froilein ja immer noch den provinziellen Schuppen dekorieren, die Mäuse würden sich bestimmt in ihrem Winterquartier sehr darüber freuen. Jedenfalls war ich ungemein entzückt von meinem schmucken Weihnachtsgeistesblitz, welcher umgehend den Besuch eines Dekorationsgeschäfts erforderte. Das Angebot an Weihnachtszubehör war immens … insbesondere in den Farben rot & gold. Mein teurer Gatte und ich schlängelten uns durch die engen Gänge, vorbei an empfindlichem Dekor, welches mir zurief: „Wenn du mich auch nur einmal scharf anguckst, dann springe ich unverzüglich zu Boden, zerbreche in viele kleine Teile und treibe dir so die Schamesröte in dein Angesicht. Das funktioniert übrigens ganz prima fern ab der sündigen Reeperbahn in einer Depot-Filiale inmitten von Karl-Marx-Stadt. Also stiegen wir bedächtig über die Rückstände etlicher Weihnachtskugeln und waren auf der Suche nach dem Winter Wonderland. Und eines muss man meinem Mann wirklich lassen, er ist stets ein vortrefflicher Einkaufsbegleiter. „Was suchen oder brauchen wir denn?“ – Alles was hübsch und weiß ist. Das „wir“ meint er tatsächlich wörtlich, denn mein teurer Gatte trottet eben nicht murrend und den Einkaufskorb nur widerwillig tragend hinterher, nein er stöbert und guckt ebenso aufmerksam wie das Froilein selbst, des Öfteren übrigens erfolgreicher als ich. 
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Und dann war er da: der Tag an dem es in dem provinziellen Heim weihnachtlich werden sollte, zuzüglich der Positionierung der Schwibbögen in den Fenstern (Na, hoffentlich brennen diese auch alle.). Was mein trautes Heim betrifft, bin ich ja auch ganz furchtbar eigen. Dieses muss nämlich stets gemütlich, heimelig, schön dekoriert und … sauber sein. Da bin ich ganz Hausfrau und diesbezüglich kann mir die Emanzipation mit freundlichen Grüßen gepflegt den Buckel runter rutschen. Also kein Weihnachtsklimbim ohne vorheriges Putzen und keine Schwibbögen ohne vorheriges Säubern der Fenster (kein Erzgebirgler beleuchtet schmutzige Fenster, da ist das Froilein wieder ganz in der Tradition gefangen). Und da gerade an den Fenstern rumgefuhrwerkt wird, können bitte auch gleich die Gardinen gewaschen werden … und die schwarze & bunte Wäsche. Alles kein Dilemma, der Gatte hatte sich ja am Vormittag mit den Worten verabschiedet: „Ich schau nur mal kurz auf Arbeit vorbei.“ Da die Worte kurz, vorbeischauen und Arbeit in dem Verständnis meines Mannes eigentlich bedeuten, dass er nicht vor dem frühen Abend zurück sein wird, hatte das Froilein „Es schneit“ reichlich Zeit für die weihnachtliche Schmückung und die vielen anderen Dinge nebenher. Gegen Mittag trollte ich mich dann auf den Speicher, kramte die Weihnachtskisten hervor, ochste diese in die Wohnstube, betätigte dann den Wasserkocher, bewunderte während des Kochvorganges meine sauberen Fenster nebst Gardinen, vereinte Glastasse, Teebeutel und heißes Wasser (ich trinke Tee prinzipiell aus Glastassen, daraus mundet er nämlich besser, werte Leserschaft schmunzeln Sie nicht, Einbildung ist auch eine Form von Bildung) und nutze die 5-7 Minuten „Ziehzeit“ (seltsames Wort) damit, ein ganz entscheidendes Utensil zu suchen, womit ich seit 2 Jahren meine persönliche Weihnachtszeit einläute: dem Weihnachtsalbum von (und werte LeserInnen, nun dürfen Sie gern mit Ihren Augen rollen) The Baseballs. Und mit dem Coca Cola-Weihnachtswerbespot, aber der wird ja schon weit vor dem Tag des heiligen Grals ausgestrahlt. Zurück zu Schöner Wohnen im Erzgebirge. Selbstverständlich hatte ich alle Kisten vom Speicher geholt, 6 an der Zahl, und ja die 3 Kisten mit den Zapfen, Orangenscheiben, Zimtstangen, den roten und güldenen Brimborium natürlich auch. Nein, es wäre nicht einfacher gewesen, diese gleich auf dem Speicher zu sortieren, da oben ist es nämlich hundsgemein kalt. Jedenfalls schlürfte ich Tee, stieg ständig wie ein Storch über die drei nutzlosen Kisten, schwelgte in Erinnerungen, denn Weihnachtsdekoration auspacken ist ja immer ein wenig wie Ostern, da entdeckt man Sachen, an die kann man sich partout nicht mehr erinnern, krächzte lauthals zu „Let it snow“ (der Text ist mir in den letzten 11 Monaten auch abhanden gekommen) und versuchte irgendwie einen adretten Mittelweg zwischen den wenigen alten nicht güldenen und purpurnen und den vielen neuen weißen Dekorationsmitteln zu finden. Dabei machte ich eine entzückende neue Entdeckung: Kunstschnee. Ein fabelhaftes Dekorationsmittel, besonders in offenen Schalen, wenn sich auch ein neugieriger Hund im Haushalt aufhält, der es eigentlich auf die weiß bemalte Pinienzapfe abgesehen hat, dabei allerdings in die Schale schnieft. Kunstschnee auf einem dunklem, und tiefen Sideboard macht sich vorzüglich. „Olivia, du könntest auch einmal wieder Staub wischen.“ Und so verteile das Froilein Olivia Kunstschnee, weiße Kugeln, Sterne, Holzteile, „angeschneite Zapfen“ und wegen der guten alten Zeiten auch ein paar Orangenscheiben und Zimtstangen in Glasvasen, Schalen, auf Etageren und dergleichen. Bis zum Nachmittag, denn da kehrte mein teurer Gatte früher als erwartet heim und begrüßte mich in unserer Wohnstube zwischen Kisten, Kartons, Verpackungen und jeder Menge Kunstschnee mit den Worten: „Hier sieht es ja schon fantastisch weihnachtlich aus“. Gut, sein Blick sagte eher: „Wir brauchen ewig bis wir dein Chaos beseitigt haben“,  aber auch dieses „wir“ meinte er durchaus wörtlich. Zwei Stunden später war alles an seinem oder ihren Platz, der Kunstschnee auf dem Fußboden in den Tiefen des Staubsaugers verschwunden, das eine Räuchermännchen nebelte, The Baseballs trällerten immer noch lauthals und das Froilein nebst Gatten waren hochzufrieden – der Minimann übrigens auch und der Boxer freut sich schon auf die Kugeln am Weihnachtsbaum mit denen er doch so gern kegelt, insofern er dem Minimann zuvor kommt.
Nun ist es aber an der Zeit Ihnen endlich eine weihnachtliche Garderobe zu präsentieren:
Oh du grüner Tannenbaum und nix da mit grün und blau trägt des Kapsers Frau, denn beide Farben vertragen sich doch vorzüglich. Und einmal ganz ehrlich, was wäre die Weihnachtszeit ohne Tartan? Und ohne neuen Kopfputz?

Headpiece: Jazzafine, Schmuck: Fräulein Wildkirsch, Pullover: C&A, Rock: Banned, Schuhe: Deichmann, Gürtel: Tatyana

Es grüßt Sie Ihr ergebenes Froilein „Weiße Weihnacht“, welches sich nun den Liedtext von „Let it snow“ eingehend anschauen wird – Sie dürfen mich dann gern in 2 Wochen abfragen.
 
 
 
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3 Kommentare zu “Winter Wonderland oder das Froilein dekoriert

    • Derzeit mutet es ja ganz und gar nicht nach weißer Weihnacht an … auch bei uns hier nicht (und das Schneeflöckchen von dieser Woche hat den Kampf gegen die Plusgrade schon wieder verloren) und das obwohl wir eigentlich bereits zu dieser Zeit im Schnee ersticken … da wusste man oftmals gar nicht mehr so recht, wo man die weiße Pracht noch so hin schippen sollte, zum Nachbarn wäre ja auch nicht schön. Aber wissen Sie was, ich bin da nicht mal böse drum, also wegen dem fehlenden Schneeflöckchen, denn Schnee brauche ich eigentlich nur vom 23.12 bis zum 27.12. … wegen der Stimmung. Gut, für die Skifahrer unter Ihnen ist kein Schnee schon blöd. Ganz liebe Grüße an Sie, Herr Wortman (und vergessen Sie nicht unser schönes Erzgebirge wieder einmal zu besuchen)

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