Reiseanekdoten & Novembergrau

Werte LeserInnen,
das Froilein Olivia ist immer noch ganz hin & weg von den vielen Eindrücken ihrer Kurzreise. Eine Dorfpomeranze kann man in der Großstadt unheimlich beeindrucken und das nicht nur mit diversen Bekleidungsgeschäften, welche sich über mehrere Etagen erstrecken. Ein paar wenige Eindrücke meines 2 Städte-in 2 Tagen-Trips vergangene Woche möchte ich Ihnen freilich nicht vorenthalten; alles werde hier nicht bis zum Überdruss erörtern, denn ich bin immer noch stark am Zweifeln, ob Ihnen meine langen Beiträge wirklich gefallen. Beginnen wir nun mit den exemplarischen Anekdoten der Reise: In Berlin stand der Besuch einer Primark-Filiale auf der zu erledigen Liste an erster Stelle. Werte Leserschaft, waren Sie dort schon einmal? Also mir fällt zu Primark folgendes ein – just in diesem Moment – gemütlich auf dem provinziellen Sofa hockend und rückblickend: Reizüberflutung, Massenware & Massenandrang. So macht Einkaufen, welches der Dame liebste Freizeitbeschäftigung ist, nun wirklich wenig Freude. Dabei dachte ich immer das Geschäft mit dem großen H und dem großen M sei schon grenzwertig und schlimmer ginge es nicht, Primark aber belehrte mich eines Besseren. Zunächst einmal sieht man sich hier mit einer riesigen Verkaufsfläche konfrontiert, was ja eigentlich ganz fabelhaft ist. Nur leider ist diese derart mit Kleiderstangen, Kleiderständern und Regalen vollgestopft, das sicherlich auch eine Size Zero Probleme hat, sich da hindurch zu schlängeln. Nun erfreut sich diese Bekleidungskette größter Beliebtheit, und das eben nicht nur bei Jugendlichen. Dementsprechend groß ist der Andrang an kaufbegeisterten Menschen von 12+ bis 60+. Was gar nicht tragisch ist, man rutscht doch gern etwas näher zusammen, so kurz vor dem besinnlichen Weihnachtsfest – und natürlich auch liebend gern mit wildfremden Menschen. Liebe Leser, Sie sollten sich beim Übertreten der Türschwelle von Ihrer bevorzugten Individualdistanz innig verabschieden. Gut, das ist bei Veranstaltungen mit einer gewissen Anzahl an Teilnehmern auch nicht anders (bei einem Konzert beispielsweise). Aber wer „kämpft“ denn schon gern mit seinem Mitmenschen um den letzten rot-kartierten Schlafanzug in Größe S und schlägt sich dann mühsam zu der Nachtwäsche in kuscheligem Fleece durch? Und wenn sich die Ansammlung wildfremder Menschen wieder etwas verdichtet, dann wird eben gegriffen, was einem so vor die Flinte oder die Shopping-Bag kommt. Aber Menschenmassen hin – wildfremde Menschen her, es ist in dieser Art von Geschäft schier unmöglich sich bei der Warenfülle auch nur annähernd einen Überblick über das angebotene Sortiment zu verschaffen. Hat man einen Kleiderständer erspäht, der vielleicht etwas Interessantes beherbergen könnte, so verliert man ganz schnell die Lust sich dort durchzuwühlen, also gegen Kleidungsstück Nr. 5 nachdem sich Nr. 1-4 in Richtung Boden verabschieden haben. Jeder Zentimeter wird genutzt – auch auf der Kleiderstange. Eigentlich bewundernswert – und uneigentlich irrsinnig unübersichtlich. Übrigens was die allgemeine Preisgestaltung betrifft, scheint Geiz wohl immer noch ziemlich geil zu sein. Aber diesbezüglich fragt sich doch sicherlich nicht nur das Froilein Olivia, wie das alles mit den lächerlich niedrigen Discounterpreisen funktionieren soll, letztendlich müssen doch nicht nur die Kassiererinnen davon ihre Existenz bestreiten. Werte Leserinnen, falls Sie sich an dieser Stelle fragen, was denn das Froilein Olivia in ihrer braunen Papiertüte stolz aus dem Geschäft getragen hat, so möchte ich Sie diesbezüglich nicht im Unklaren lassen: 2 Paar Strümpfe und 3 formgebende Schlüpfer. In der textilen Body-Shaping-Abteilung war nämlich keine Menschenseele und die Strümpfe hingen dort so allein herum und taten mir leid. Richtig, da ist es hineingetappt, das gescheite Froilein, in die geschickte-Produktplatzierungs-Falle. Sollten Sie sich nun weiter fragen, warum denn diese unbequemen Dinger? Ein enger Bleistiftrock, der über einen Taillenbund verfügt, der so ganz und gar nicht nachgeben will, ist in jeder Größe fies. Des Froileins Fazit zu dem Bekleidungsdiscounter: Da ich bei dem Kleidungskauf gern meine Intime Zone gewahrt sehe und ich mich durchaus mit einem kleineren Angebot zufrieden geben kann, werde ich so schnell nicht mehr in eine Filiale dieser Garderobenkette schreiten.
Konzerte sind fabelhaft, wenn man erst einmal die elendige Warterei im Vorfeld überwunden hat. So können alles in allem schon einmal 1 bis 2 Stunden in das Berliner oder Hamburger Land ziehen ohne Musik und adrettes Bühnenbild, aber in denen sich bereits die Krampfadern seicht pochend und die Füße leicht schmerzend bemerkbar machen. Denn anstelle zu den bequemen und fußfreundlichen Leisetretern zu greifen, entscheid sich das Froilein Neunmalklug für die feinen Stöckelschuhe aus der Sparte „extra eng“. Wenn es dann an die Zugabe des Musizierens geht, wird es bisweilen richtig schmerzhaft, sodass man bei Lied aus – wir gehen nach Haus´ durch die Halle stakst und sich selbst höllisch verflucht. Damenhaftes stolzieren sieht dann anders aus, und man läuft sehr schnell Gefahr den Eindruck zu erwecken, dass man gehörig einen im Tee hat. Zurück zu der Ausharrerei: Hat man sich endlich in die eigentliche Musizierstätte vorgekämpft, wobei die Warterei vor dem Einlass bei den aktuellen Temperaturen wirklich grausig ist, dann beginnt man doch aus purer Langeweile und zum eigennützigen Zeitvertreib damit, also ich zumindest, die umherstehenden konzertbegeisterten Menschen zu beobachten. Da fragte sich doch das Froilein Olivia folgendes: Welche Notwendigkeit besteht eigentlich dafür, sich den ausgestreckten Zeigefinger zunächst in die Nase einzuführen, um wahrscheinlich im Inneren nach diversen Störenfrieden zu suchen (getreu dem Motto: Was keine Miete zahlt, muss raus!), um sich daraufhin just diesen Finger in den Mund zu stecken? Was manche Damen so tun, wenn sie sich doch unbeobachtet fühlen. Es gibt Dinge, die sollte man wirklich nur Zuhause auf dem Stillen Örtchen betreiben, möglichst bei verschlossener Tür. Verehrte Leserschaft, wie bereits erwähnt, geht es bei Konzertveranstaltung immer unschön eng zu, insofern sich die singenden Akteure einer gewissen Beliebtheit erfreuen. The Baseballs tun es jedenfalls. Da fragte ich mich wieder etwas verwundert, warum manche Damen zu einer derartigen Veranstaltung einen Shopper (und das ist wahrlich eine große „Handtasche“) mit sich herumtragen? Erstens ist diese doch sicherlich prall gefüllt, ansonsten wäre eine Clutch zum Einsatz gekommen. Und zweitens wird diese bestimmt unerträglich schwer nach einer gewissen Zeit oder gegen Lied Nr. 7 – wie die Füße in den zu engen Schuhen. Aber bei der Handtaschenthematik ist nun wirklich nicht von der Hand zu weisen, dass solche Monster, das eh schon geringe Platzangebot nur noch weiter einschränken. Da wären wir wieder bei der Intimen Zone. Also werte Damen, klären Sie doch bitte das geistig kleinkarierte Froilein vom Lande einmal auf, wie sich denn der Inhalt einer derart großen Handtasche zu einem Konzertbesuch so gestaltet, während ich mich grienend daran zurückerinnere, wie ich stocknüchtern und ohne Handtasche durch die Halle stelze.
Die Hansestadt Hamburg ist wunderbar, zweispurige Autobahnen hingegen furchtbar – das mag vielleicht an der Fahrweise meines teuren Gatten liegen … oder an der Tatsache, dass wir mit meinem Automobil unterwegs waren. Aber der Norden unseres wunderbaren Landes hat es mir schon immer angetan, ich mag die nordische Mentalität. Schwer beeindruckt war das Froilein Dorfpomeranze auch von der Reeperbahn, die ja doch so anders anmutet als in ihrer Vorstellung – warum übertreibt die eigene Vorstellungskraft immer derart maßlos? Jedenfalls bekam das Froilein Hinterwäldlerisch gar keinen roten Kopf oder war gepeinigt von einem massiven Schamgefühl (in ihrer Vorstellung jedoch schon). Faszinierend war ebenfalls, dass doch auf dem Kiez schon der Weihnachtsmarkt geöffnet hatte (Zur Erinnerung: Der Tag des Aufenthaltes in Hamburg war letzte Woche Donnerstag; also 2 Tage vor dem Totensonntag.). Jetzt entstamme ich ja dem traditionellen Weihnachtsland „Erzgebirge“ und hier weihnachtet vor dem Totensonntag überhaupt nichts … und schon gar kein Weihnachtsmarkt. Gleiches gilt übrigens für Schwibbogen, Räuchermännchen, Pyramide & Co (Wehe, wehe, wenn doch!). Dennoch fand ich es fabelhaft schon den ersten heißen alkoholisierten Traubenmost zu schlürfen und das Angebot der einzelnen Verkaufsstände zu bewundern, das so ganz anders ist als bei uns, neben Bratwurst und Glühwein. Wie würden das wohl meine provinziellen Mitbewohner finden, wenn auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt neben Räuchermännchen & Co. auch Sexspielzeuge feilgeboten würden? Oh du fröhliche Schamesröte – oh du besinnliches Entsetzen – oder vielleicht auch nicht. Das soll es nun gewesen sein mit den Reiseerlebnissen meiner Wenigkeit. Eines möchte ich dennoch anfügen, obwohl es nichts mit dem eigentlichen Inhalt des Beitrages gemein hat: Verehrte Leserschaft, ich bin sprachlos und Ihnen unheimlich dankbar für mehr als 1000 Seitenaufrufe! Ich werde mich weiterhin bemühen, Ihnen mit meinen Beiträge ein wenig Freude zu bereiten und Ihnen vielleicht den ein oder anderen Schmunzler zu entlocken.
Ein Aspekt des einfallsreichen Titels steht allerdings noch aus:
Bei dem Novembergrau der letzten Tage, dachte ich so bei mir: Grau? Moment, etwas Graues befindet sich doch auch in dem Kleiderschrank den Zweiten. Ein Ensemble bestehend aus Rock & Cape in zauberhaften Tweed. Eigentlich fristet diese Kombination schon seit vergangenen Winter ein unbeachtetes Dasein, denn getragen hatte ich es bislang nie. Ja aber, warum denn nicht? Na, das fragte ich mich letztlich auch. Es fiel mir dann allerdings wieder schlagartig ein, als ich den Reißverschluss des Rockes geschlossen hatte. Aber beruhigend, dass ich jetzt über eine stattliche Auswahl an formgebenden Schlüpfern verfüge. Dennoch lässt mich die Frage nicht los, warum ich immer auch Kleidungsstücke käuflich erwerbe, welche mir eben nicht vorzüglich passen – in der Regel sind diese immer ein wenig zu klein, zu eng oder zu kurz. Was ist mir da bei der Entscheidung zum Kauf durch das Kleinhirn geschwirrt? Doch nicht etwa, dass diese wie von Zauberhand irgendwann doch wie angegossen sitzen?

Headpiece: Jazzafine, Cape & Rock: Collectif, Rollkragenshirt: Orsay, Schuhe: Deichmann, Brosche: Bijou Brigitte, Ohrhänger: Fräulein Wildkirsch, Regenschirm Lisbeth Dahl

Es grüßt Sie Ihr ergebenes Froilein Olivia,
welches um einige städtische Erfahrungen reicher ist und nun das Maßband zur Hand nimmt, um endlich einmal ihr Taillenmaß genau zu bestimmen, damit sich der Bund des nächsten Bleistiftrockes nicht wieder gemein in des Froileins Körpermitte frisst.
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6 Kommentare zu “Reiseanekdoten & Novembergrau

  1. Tolle Geschichte! Und ich bin ganz bei Dir mit Deinen Erlebnissen, ging mir genauso! Eine Frage: Du bedankst Dich für 1000 Aufrufe….insgesamt oder für eine Geschichte? Das nimmt mich nun doch wunder!? Liebe Grüsse, Dani 🙂

    • Einen wunderschönen guten Abend liebe Dani,
      herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar (ja, die „lieben Wortwiederholungen“). Es ist ungeheuer beruhigend mich mit meinen Erlebnissen nicht allein zu wissen. Aber nun bin ich neugierig, bei was ging es dir denn genauso? Mit der Danksagung meinte ich 1000 Aufrufe insgesamt – da stellt sich mir doch gleich die Frage, was ich denn bei 1000 Aufrufen für einen Beitrag machen würde-. Vielen Dank für den Hinweis, da war mal nix mit den deutlichen Worten.
      Liebe (Ww!) Grüße von
      der Olivia mit dem (unangebrachten) Froilein vornweg

  2. Ich bin auch vom Land, aber so richtig. Ich wohne bei Herrn Fuchs und Frau Blindschleiche – nix als Ruhe ohne Ende! Ich war in Hamburg zum Shopping – 4 Tage in der tollsten Stadt der Welt. Ich liebe Hamburg. Und im Alsterhaus war ich im Gala-Nightshopping. Die total Überforderung. Menschen ohne Ende, Ware ohne Ende, ein Gedränge ohne Ende und ich – die Shoppingqueen schlechthin – plötzlich keine Lust mehr zum Einkaufen. Ich war am Arsch – aber richtig. Zu viel, zu laut, zu hektisch, zu hell….einfach von allem zu viel. Anderntags gingen wir dann den schönen und teuren Geschäften nach. Vorteil: Da hats fast keine Menschen. Gemütlich! Deswegen konnte ich mich so gut in die hineinfühlen. Von Landpomeranze zu Landpomeranze.
    Ach so – ich dachte, Du hättest 1000 Aufrufe für eine Story bekommen. Ich bloge erst seit 2 Monaten, habe 62 Geschichten online und bin nun auf 11’000 Aufrufen – und auf dem Weg zum Buch dazu. Hab sogar einen Verlag gefunden. Freude herrscht! Da ich aber eben neu blogge hatte ich keine Ahnung, was für Zahlen der „Norm“ entsprechen. Spannend! Schlaf gut!! 🙂

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