Froilein Rotkäppchen & die blaue Garderobe

Werte LeserInnen,

das Froilein Olivia schwafelt heute wieder einmal äußerst langatmig über ihre Kopfwolle. Es steht Ihnen selbstverständlich abermals frei gleich zu den fotografischen Highlights zu scrollen – verüble ich Ihnen nicht im Geringsten. Für die ausdauernden Abonnenten unter Ihnen: Das Froilein Olivia ist ja ohnehin schon ein recht verschrobenes Vöglein. Was aber meine Kopfwolle betrifft, da bin ich ganz besonders schrullig oder eben schrecklich eitel. Die muss nämlich möglichst stets adäquat sitzen – wenn schon die Gesichtshaut blüht wie ein Primelfeld, braucht man schließlich etwas, dass einen mental wieder in die Spur bringt … so früh am Morgen. Bad Hair Days bringen mich an den Rande der Verzweiflung und können dann schon einmal dazu führen, dass ich später (viel, viel später) das Haus verlasse, als ich es mir eigentlich vorgenommen habe. Ein Hoch an dieser Stelle auf die flexiblen Arbeitszeiten, die Notfallhüte oder diese kleinen Monster namens Duttkissen – nur niemals zu den Zopfgummis mit dem vielen Samt drumherum greifen. Jedenfalls hatte das Froilein Olivia Anfang des Jahres die spontane vom Hinterteil-in-das-Haupt Eingebung, dass doch rotes Haar auch ganz schicklich sei. Ich werde übrigens nie behaupten, dass meine Geistesblitze stets glänzend sind, denn meine glorreiche Idee traf auf folgende Tatsache: zwei Jahre Haare kolorieren in dem Farbton „dunkelbraun“. Nun ja, die Farbbezeichnung ist eigentlich überaus tückisch, denn spätestens nach der 3. Koloration ist das Haar nicht mehr „dunkelbraun“ sondern „schneewittchenschwarz“  – auch wenn man brav und artig immer die Ansatz-Einkleister-Methode wählt, irgendwann muss aber der Färbebalsam wieder in die Spitzen; sieht ja schließlich nicht hübsch aus, wenn der Ansatz immer dunkler wird und die Spitzen immer heller. Nicht jeder mag den Ombre-Look. Irgendwann hatten sich dann meine „dunkelbraunen“ Haare und ich auseinandergelebt und es wurde Zeit für Veränderungen. Die Frage meiner lieben Mitmenschen: „Olivia geht es dir nicht gut? Du siehst so blass aus!“, die grundsätzlich in der Winterzeit gestellt wurde, tat ihr übriges dazu. Das Froilein Olivia hatte da weit mehr mit einer „Kallichwand“ (Kalkwand) gemein als mit dem bezaubernden Schneewittchen – nix da mit Haaren so schwarz wie Ebenholz, Haut so weiß wie Schnee und 7 Zwerge im Schlepptau. Chapeau an jene schönen Damen, die mit ihrem schwarzen Haar und ihrem blassen Teint umwerfend aussehen und Glückwunsch liebe Damen, Sie können garderobentechnisch jede Farbe bedenkenlos tragen. Werte LeserInnen, Sie können nun kurz aufatmen:

Zurück zum Vorhaben „Froilein Rotkäppchen“. Nun ist rote Haarfarbe auf schwarzem  – Verzeihung – „dunkelbraunem“ Haar so wirkungsvoll wie …  (führen Sie jetzt bitte selbst einen passenden Vergleich an, mir will partout keiner einfallen). Da aber spontane Einfälle in des Froilein Olivias kleiner, heilen Welt hinter den sieben Bergen möglichst sofort umgesetzt werden müssen und demnach „herauswachsen“ lassen so gar keine Option war, blieb nur die Chemiekeule. Diese ließ ich dann doch in einer professionellen Haarwerkstatt tätigen, ein Selbstversuch erschien mir zu heikel und der Ausgang zu ungewiss. Also platzierte ich mein Gesäß 3 nicht enden wollende Stunden auf einem Frisierstuhl und ertrug tapfer eine Blondierung, Färbeversuch den Ersten und Directionstönungsversuch den Zweiten. Oh Freude, die Kopfwolle war heller und fantastisch purpurn. Nun aber begann das Dilemma mit den roten Bindfäden auf meinem Schädel. Directionstönungen sind wirklich fabelhaft und zaubern, im Vergleich zu manch anderen Tönungs- und Färbemitteln, tatsächlich ein märchenhaftes Rot. Die Verweildauer im Haar dagegen ist nun leider so gar nicht fabelhaft. Kaum drin – schon wieder raus, so gegen Haarwäsche der Dritten. Da hilft dann nur nachtönen, entweder gleich kniend & vornübergebeugt über der Duschwanne mit kurzer Einwirkzeit oder umständlich mit Pinsel aufgetragen und langer Einwirkzeit und der Umsicht nicht die ganze Umgebung erröten zu lassen. Eine 10er Karte für das Münzmallorca im Winter wäre sicherlich weniger aufwändig gewesen, aber ich mag meine rote Haarwolle (noch). Sollte es Sie an dieser Stelle interessieren, mein Rot erreiche ich entweder mit 2 Teilen Coral Red & 3 Teilen Pillarboxred oder mit Poppy Red pur. Das Haare waschen wird seitdem zu einem reinsten Erlebnis. Ich musste mich schweren Herzens davon verabschieden, mir meine Haare gleich während des Duschvorganges zu säubern – und da wären wir wieder bei der damenhaften vornübergebeugten Haltung und der Duschwanne. Apropos: Badezusätze sind ja ein ungemein beliebtes Geschenk  – also liebe Frau Schwiegermutter falls du es (nach 9 Jahren) noch nicht wissen solltest: Ich habe gar keine Badewanne und Sprudelperlen machen in der Duschwanne nur wenig Sinn. Zurück zu den Zotteln: Mein Bedarf an Einweghandschuhe ist radikal in die Höhe geschnellt, würde man sich vom deutschen Wirtschaftswachstum ja auch wünschen. Haben Sie sich schon einmal directionsgetönte Haare mit den blanken Händen gewaschen? Es wäre wahrlich vorzüglich, wenn diese „Tönung“ an meinen Haaren ähnlich haften würde, wie an meinen Händen … oder wie auf meiner Kopfhaut … oder wie an der weißen Badezimmereinrichtung. En Passant kann eine schreiend rote Duschwanne den teuren Ehegatten schon einmal einen gehörigen Schreck einjagen und das ganz fern ab von Halloween. „Nein, ich habe kein Nasenbluten, ich habe auch keine Schnittverletzung, ich habe mir wirklich nur die Haare gewaschen. Wirklich! Und jetzt hör auf, mich so blöd anzugucken!“. Da ich mir aber so gar keine tiefgreifenden Gedanken bei der unverzüglichen Umsetzung von spontanen Entscheidungen mache, stand ich dann mit meinem wundervollen rotem Haar ziemlich belämmert vor meinen Kleiderschränken. Die Tatsache, dass nun die farbliche Wahl meiner Garderobe enorm beeinflusst wird, hatte ich ganz weit nach hinten verdrängt in meinem Dachstübchen. Und da ich so aberwitzig farbenmutig bin, hängen die roten und violetten Roben nun ganz hinten. Von Zeit zu Zeit nehme ich sie zwar heraus, hänge sie aber geschwind und leise weinend wieder zurück. Blau und rot hingegen vertragen sich ganz wunderbar und wenn es frühmorgens mit den Kontaktlinsen nicht funktionieren will, bleiben immer noch die Intelligenzprothesen:

 Trenchcoats sind in der Tat famos, meiner ist blau – welch eine Überraschung.

Headpiece: Jazzafine, Trenchcoat: Collectif Clothing, Kleid: Lindy Bop, Schuhe: Deichmann, Ohrstecker: ?, Nasenfahrrad: Fielmann

Es grüßt Sie Ihr ergebenes Froilein Rotkäppchen, welches über die Anschaffung einer „dunkelbrauen“ Perücke nachdenkt, sich auf die Suche nach einer geeigneten Sonnenstätte begibt und sich einfach nicht kurz fassen kann.

 
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