Pubertäre Widrigkeiten

Werte LeserInnen,
der Herbst zeigt sich in den letzten Tagen, nach einem kurzen winterlichen Intermezzo vergangene Woche, wieder von seiner schönsten Seite. Das Froilein Olivia wünschte, sie könne das Gleiche von ihrer Gesichtshaut behaupten. Verehrte Leserschaft, aus aktuellem Anlass möchte ich mich heute einem Thema widmen, das beileibe unangenehm & wahrlich unschön ist. Die Idee für einen solchen Beitrag hatte ich schon etwas länger ins Äugelein gefasst, mein teurer Gatte riet mir zunächst gehörig davon ab (Hach, warum denn nur?). Da Sie nun aber schon das ein oder andere von mir gewohnt sind, ist es an der Zeit für eben diesen Beitrag. (Keine Sorge, ich zeige Ihnen am Ende nicht wieder langweilige Aufnahmen von der herbstlichen Erika, welche unseren Eingangsbereich verschönert.) Pubertäre Widrigkeiten kündigen sich bisweilen an: Anfänglich pochen sie nur ganz sacht an diversen Stellen im Angesicht – häufig in den frühen Abendstunden – trefflich, wer dann gleich die gute, alte Penaten-Creme zur Hand hat. Sollte diese Paste nicht verfügbar sein, weil sie es sich wieder einmal ganz-hinten-unten-rechts oder unerreichbar im Badezimmerschrank gemütlich gemacht hat, dann muss man eben damit leben, dass der Blick in den Spiegel am nächsten Morgen ganz garstige Tatsachen verkündet. Da funkeln nämlich nicht nur Augäpfel, nein da leuchten auch giftig rote und funkelnd gelbe Erhebungen in der eigenen Visage, die dazu auch noch pulsieren wie eine Großstadt. Wer hätte das für möglich gehalten: Das Froilein Olivia kämpft tatsächlich mit ihren über 30 Lenzen immer noch mit den Auswüchsen der Pubertät und das obwohl ihr Antlitz so gar nicht mehr jugendlich daher kommt. Mischhaut in Kombination mit großporiger Haut ist aber auch wirklich ein Geschenk, an dem man sehr, sehr lange Freude hat, das können Sie mir an dieser Stelle ruhigen Gewissens einfach einmal glauben. Da ich aber frühmorgens in der Provinz weder einen fabelhaften Make-up-Artisten noch einen guten Dermatologen zur Verfügung habe, beginnt er … der Kampf mit meiner Pickel-Roberta-Situation. (Also was Hänseleien in jungen bzw. jüngeren Jahren angeht, da konnten ja Kindergartenkinder schon grausam sein, aber Jugendliche waren in Sachen Wortschatz weitaus erfinderischer und pfiffiger.) Selbstverständlich tue ich dann genau das, was man bei blühender Gesichtshaut keinesfalls tun sollte: Quetschen! Dabei versuche ich möglichst behutsam und hygienisch vorzugehen. Letzteres sollte man schließlich niemals außer Acht lassen. Um die krummen Finger wird nämlich hübsch das heimische Toilettenpapier drapiert, denn gute Kosmetikerinnen tätigen das auch nicht anders. Gut, diese verwenden Kosmetiktücher, aber wir wollen an dieser Stelle nicht kleinkariert sein. Übrigens bevorzuge ich gemustertes Hintern-Abwisch-Papier. Das sieht nämlich an der Klopapieraufhängevorrichtung adrett aus und es verschönert auch die Pustelentfernung erheblich. Nun denn, die Euch-Pickeln-zeig-ich-es-jetzt-aber-mal-richtig Operation endet mit folgenden Erkenntnissen: Der Spiegel muss geputzt werden und diese Dinger sehen in der Tat nicht nur unschön aus, nein sie schmerzen auch ganz fürchterlich. An dieser Stelle greife ich beherzt, nachdem ich tapfer das brennende Notfall-Gesichtswasser überstanden habe (Salizylsäure & Zink, klingen ja schon ungeheuer einladend), zur Camouflage-Creme. Diese soll eigentlich Wunder bewirken. Mit dem eigentlich ist es auch immer so eine utopische Sache. Nach mehreren Schichten, dieser ungeschmeidigen Schmiere und einer Schminke, die selbst Muttermale nahezu verschwinden lässt, traue ich mich dann zumindest aus dem Haus. Übrigens, wenn man sich in strikter Autosuggestion im Geiste immer wieder mit den Worten anbrüllt: „Nobody is perfect – auch ein Froilein Olivia nicht“, glaubt man das … irgendwann. Wenn das nicht so recht gelingen mag, übt man sich eben in stoischer Gelassenheit den Furunkeln im eigenen Gesicht gegenüber – der alte Seneca ist schließlich auch nicht als Meister vom antiken Himmel gefallen. Aber irgendwie hegt man dennoch so ganz im Stillen für sich den Verdacht, dass sich diese Erhebungen nur vorerst verabschiedet haben. Wahrscheinlicher ist nämlich, dass diese fiesen Gebilde nach einigen wenigen Stunden unter der Hautoberfläche wieder hervortreten und schreien werden: „Hier wären wir wieder: giftiger, leuchtender und größer als heute Morgen!“ Unerhört! Insofern man es nicht selbst bemerkt, dass das eigene Gesicht wieder blüht wie ein Primelfeld, kann man sich dann aber wunderbar auf die lieben Mitmenschen verlassen. Sicherlich wird niemand so schonungslos ehrlich sein und einem sagen, dass man als Pickel-Roberta durch die Botanik schreitet. Aber ihr Blick wird Bände sprechen, denn er wird immer wieder an den leuchtenden Erhebungen haften bleiben, die gemütlich das Tageslicht genießen. Dann ist es an der Zeit  mit dem Abdeckstift im Schlepptau das Stille Örtchen aufzusuchen und die Hoffnung zu hegen, dass das Toilettenpapier nicht gerade aufgebraucht ist. Verehrte Leserschaft, vielleicht ergeht es Ihnen von Zeit zu Zeit ähnlich wie mir, wenn nicht, dann möchte ich Sie wahrlich aufrichtig zu Ihrem tadellosen Teint beglückwünschen – Na, so ein bisschen Neid schwingt da jetzt aber schon mit. Anbei bemerkt, für fotografische Aufnahmen, die ich Ihnen immer am Ende eines Beitrages präsentiere, gibt es fabelhafter Weise Bildbearbeitungsprogramme, welche so manches Pustelchen abmildern oder ganz einfach verschwinden lassen. Ihnen ist bestimmt noch nicht aufgefallen, dass meine Bildchen bearbeitet sind.

Headpiece: Accessorize, Rock: Collectif Clothing, Bluse & Ohrstecker: Orsay, Schuhe: Deichmann

Kuh links: ?, Kuh rechts: ?

Fell-Dingsda: H&M

Es grüßt Sie Ihr ergebenes Froilein Olivia, auf deren Einkaufsliste hübsches Klopapier ganz oben vermerkt ist und das sehr wohl weiß, dass es weitaus Schlimmeres gibt als ein paar Gesichtspusteln, denn wo bliebe schließlich die wahre Schönheit ohne ein paar Makel und Macken.
 
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