Zur See

Werte LeserInnen,
das werte Froilein Olivia war nicht ganz ehrlich, zumindest was die vorherrschende Farbe in ihren Kleiderschränken betrifft, denn black is (freilich) beautiful – blau aber eben auch. Diese Ansicht nenne ich mein Eigen seit meine Haarwolle errötet ist. Blaue Garderobe und rote Mähne geben nämlich ein fabelhaftes Duo ab. Dabei konnte ich mit blau lange, lange Zeit recht wenig anfangen (mit dem Kochen übrigens auch nicht), war doch blau der Inbegriff der mir so verhassten Jeanshose. Nun gleiche ich mit meiner neuen Vorliebe a la bleu einem Ackergaul, welcher mit riesigen Scheuklappen durch die Botanik schreiten muss. Ich sehe wahrlich nur noch blau. Ich gestehe ein, das ist vielleicht eine etwas zu banale Erklärung dafür, warum ich nun auch unbedingt das 10. blaue Kleid besitzen muss. So ähnlich verhält es sich dann auch mit dem 15. Paar Stöckelschuhen in schwarz, welche natürlich so ganz anders sind wie die übrigen 14. Möglicherweise kommt Ihnen, werte Damen, vielleicht aber auch Ihnen werte Herren, dieses oftmals dem weiblichen Wesen vorbehaltene Benehmen bekannt vor. Mich verwirrt dieses Verhalten bisweilen auch. Nun denn, hat man erst einmal, wie meine Wenigkeit, eine gewisse spontane und sicherlich nicht ewigwährende Affinität zur blauen Garderobe entwickelt, so kommt man zwangsläufig am Marinelook nicht vorbei. Jetzt ist das mit diesem Stil prinzipiell so eine Sache, also mit seinen weißen Streifen auf blauen Untergrund und seinen Verzierungen im Ankerdesign. Nun könnten Sie, da Sie ja über ein ausgezeichnetes Gedächtnis verfügen, stutzig werden. Da war doch schon einmal etwas mit Ankern bei dem Froilein. Richtig, rote und weiße Schiffsbremsen auf schwarzen walle-walle-Stoff:
Dem puren blau-weiß-mit Streifchen Marinelook hingegen, bei dem nur noch ein Schiffchen auf dem Haupt und der unterwürfige Ausspruch „Jawohl Sir!“ fehlt, stand ich bis vor nicht allzu langer Zeit äußerst kritisch gegenüber. Einen touch to much Rockabilly und im tiefsten Gebirge so fern ab jeglichen größeren Tümpels auch ein wenig albern. Irgendwann zu Beginn dieses Sommers (ja, wo isser denn?) entdeckte ich diese beiden Kleider im World Wide Web:

Haarschleife: Miss Moss (by dawanda), Gürtel: Bettie Page

Headpiece: Jazzafine, Kette: Fräulein Wildkirsch, Schuhe: Reno

Wo hätten mir diese beiden textilen Fähnchen auch sonst über den Weg laufen sollen? Hier in der Provinz findet man höchstens Bekleidungsgeschäfte für 65+ und das hat nun so gar nichts mit dem Gewicht zu tun. Jedenfalls tänzelte ich zunächst um diese beiden Schönheiten wie ein Preisboxer um seinen Sandsack – vielleicht eine Spur galanter. Schlussendlich siegte nicht die Kopfnuss sondern meine Vernunft (der Marine-„Jawohl Sir“- Charme hält sich noch in Grenzen) in der Unvernunft (warum denn gleich zwei?). Beide Schmuckstücke stammen aus dem Hause Miss Candyfloss. Ich liebe diese Marke. Warum habe ich Ihnen schnell erklärt: vortreffliche Passform (da passt die gleiche Größe immer wunderbar) und tadellose Qualität. Dabei räume ich durchaus ein, dass der Stil der verschiedenen Modelle irgendwie dann doch immer gleich ist, aber so erkennt man schließlich einwandfrei die charakteristische Miss Candyfloss Art. Ich wäre keine Dorfpomeranze, wenn ich nicht doch wieder eine Kleinigkeit auszusetzen hätte: was ich vergebens suchte, waren Reißverschlüsse zum angenehmeren Einstieg – mal wieder, das Froilein Olivia graut es schon wieder gehörig vor der Rollkragenpulloverzeit. Gut, in das eine Kleid kann man umsichtig von unten hineinkrabbeln, das andere muss wohl oder übel über den Kopf – und dabei be careful, werte Fräuleins, die Nähte an der Büste kommen auch mal an ihre Grenzen. Dafür bekommt man körperbetonte Passform mit Pyjamafeeling (heute schmeiße ich mit Englisch nur so um mich). Und neue Kleider, welche sich in jener Art und Farbe so noch nicht in meinem Kleiderschrank befinden, sind für mich ein wunderbarer Vorwand nach passendem Geschmeide und geeigneten Kopfputz Ausschau zu halten – vielleicht kommt Ihnen dies auch bekannt vor. Schiff ahoi.
Es grüßt Sie Ihr ergebenes Froilein Olivia,
welches sich die Frage stellt, wann sie denn ein Faible für Kirschmuster entwickelt und schon immer einmal an einer Kreuzfahrt teilnehmen wollte, aber bislang davon absah, da ihr die Kähne nicht geheuer sind und sie panische Angst vor einer Seekrankheit hat.
 
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