Schnipp Schnapp – Haare ab

Werte LeserInnen,
es war einmal … eine holde Rothaarige und eine Dame, welche das Haarverschönerungshandwerk ausübt. Moral von der Geschicht: Und fertig ist der ungewollte Kurzhaarschnitt.
Manchmal ist es an der Zeit die Bindfäden auf dem Kopf fachmännisch richten zu lassen, spätestens dann, wenn das Frisieren eben dieser nicht mehr so recht gelingen will. Vergangene Woche war die Zeit gekommen und ich hatte einen Termin bei meiner Haarverschönerungsdame. Voller Vorfreude auf vorteilhaftere Zeiten frühmorgens im Bad, machte ich mich auf den Weg in die nächstgrößere Provinz. Na hoppla, wenige Meter nachdem ich unsere idyllische Ortschaft verlassen hatte, begrüßte mich mitten im Wald eine Vollsperrscheibe. Wie kommt denn diese dahin? Ich grüßte höchstfreundlich zurück indem ich das plötzliche Hindernis fast um ein paar Meter mit meinem Automobil verrückt hätte. Jetzt hätte das Froilein Olivia einfach umdrehen und wie eine zivilisierte Verkehrsteilnehmerin die ausgeschriebene Umleitung fahren können, aber ich versuchte mittels eines Feldweges entlang eines Wäldchens abzukürzen. Beim Versuch blieb es dann auch, der Feldweg entpuppte sich als reinste Schotterpiste, die nicht schneller als mit Schritttempo zu passieren war, oftmals aber deutlich darunter. Ich sag Ihnen, es kann wirklich deprimierend sein, von einem Traktor überholt zu werden. Schlussendlich war diese Exkursion wahrlich unangenehm für mein Automobil und wirkte sich ungünstig auf die Fahrzeit aus. Irgendwann erreichte ich wieder eine geteerte Straße und irgendwann später auch die Haarschneidestätte. Ich nahm nach äußerst freundlicher Begrüßung auf dem mir zugewiesenen Frisierschemel platz. Nun kommt der Moment an dem man möglichst präzise seine Wünsche artikulieren sollte. Das tat ich: Eine Ansatzfärbung ist nicht nötig, bitte nur etwas durchstufen (damit meine Lockenpracht wieder besser fällt) und dabei die Grundlänge belassen. Aus dem wohlwollenden Nicken meiner Frisörin entnahm ich, dass sie meine Wünsche verstanden hat. Also lehnte ich mich entspannt zurück und genoss die deftige Kopfmassage beim Waschen meiner Haare. Ich möchte an dieser Stelle betonen ich habe weder fettige, noch stinkende oder gar stark verschmutzte Haare. Demnach wunderte ich mich gehörig als die werte Dame meine Kopfwolle zum dritten Mal wusch. „Ihre Haare bluten ja immer noch aus.“ Welch entzückende Formulierung! Nun erreiche ich mein zauberhaftes Rot mit Directions, die Kenner unter Ihnen werden jetzt sehr wohl wissen, dass dieses Produkt wenig gemein mit einer Haartönung oder gar einer dauerhaften Haarfarbe hat. Ergo verflüchtigte sich mein Rot in den Frisörladenabfluss – Ade, du holdes Intensivrot und Guten Tag du unschönes Straßenköter-Rot. Da war das Froilein Olivia schon nicht mehr so angetan vom Frisörbesuch. Nächster Verschönerungsprogrammpunkt: Pflegespülung. „Die lassen wir mal ein bisschen einwirken.“ Sehr schön, ich bitte herzlichst darum. Nun weiß ich nicht wie Sie sich, verehrte LeserInnen, beim Coiffeur Ihre Haare säubern lassen, ob vorn- oder hintenüber. Ich bevorzuge Letzteres, da es unangenehm ist, wenn einem das Wasser unaufhörlich das Antlitz entlang läuft und Lidstrich, Wimperntusche und Make-up in Richtung Kinn befördert. Deshaslb wäre es beim Hintenüberkuren wahrlich schön gewesen, wenn die Pflege auch meine Haarspitzen erreicht hätte; so alleinig am Ansatz nützt das recht wenig. Weiter ging es zum beherzten Abfrottieren und Abteilen. Klammer links, Klammer rechts und fertig ist der authentische Pippi Langstrumpf-Verschnitt mit ausgewaschenem Rotton. Erster Schnitt. Stolz präsentierte mir die Haarschneidedame die gekappten Spitzen im Nackenbereich. Geschätzte 2 cm waren für mich völlig vertretbar und ich nickte bestätigend (nicht ermutigend!). Was nun aber folgte, sah ich in keinster Weise voraus. Ich riss die Augen weit auf und meiner Kehle entfuhr ein Laut, welchen man zwischen Aufschrei, Kreischen und Klagelaut hätte ansiedeln können. Langsam und leise schwebten 7 cm lange Haare zu Boden und leider ja, es waren die meinigen. Im Spiegel traf mich der ungläubige Blick der Friseurin, mit der ich bislang wirklich zufrieden war. „Aber Ihre Spitzen“. Wäre die Pflege bis dorthin vorgedrungen, so wären diese problemlos mit dem Kamm zu bewältigen gewesen. „So kurz wirkt das schlussendlich doch gar nicht.“ Sicherlich, wenn ich meine „Mähne“ zukünftig glatt tragen würde. Zwischen Wirken und wirklichem Sein liegen eben bekanntlich Welten. Völlig bedient, ließ ich den Rest „der Gesamtlängen-Bewahrung“ über mich ergehen. „Heute nehmen wir mal im Durchschnitt kleinere Lockenwickler.“ Ach, meinen Sie wirklich? Unter dem feschen Monstrum namens Trockenhaube hatte ich Zeit darüber zu grübeln, wie ich wohl in einer halben Stunde aussehen würde. Schlussendlich traten meine Befürchtungen mit voller Wucht ein, als ich mir nach dem Frisieren zaghaft am Hinterkopf durch meine viel zu kurzen Haare fuhr. Auf Wiedersehen du holde schulterlange Lockenmähne. Ich zahlte und bereitete meine Coiffeuse moralisch darauf vor, dass ich zukünftig jeden (!) Schnitt, den sie tätigen möchte, absegnen werde. Danach wählte ich den direktesten Weg zurück in die heimischen Gefilden, also artig auf geteerten Straßen, wusch mir mein Haar, griff zum Directions-Tiegel und kämpfte wie Don Quijote. Nur eben nicht mit Windmühlen sondern mit den kleineren Lockenwicklern, die ich erst aus der hintersten Ecke meines Badezimmerschrankes hervorwühlen musste. Werte LeserInnen, ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich voller Bewunderung und großem Respekt für die MitarbeiterInnen des Haarschneidehandwerkes bin. Aber ich bin ein Gewohnheitsindividuum, mit klaren Vorstellungen. Und noch eines zum Abschluss, eigentlich wollte ich mir an jenem Tag einen geraden Pony zaubern lassen. Dieser war dann ganz schnell passé. Noch mehr Kürze hätte ich nämlich nicht vertragen.
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Natürlich möchte ich Ihnen vor lauter Haaren dieses wunderschöne Kleid nicht vorenthalten – hübsch verdeckt von etwas Grünzeug:

Kleid: Collectif, Ohrstecker: Orsay

es grüßt Sie Ihr ergebenes Froilein Olivia,
welches nun ihre Duttkissen und Haarnadeln auf unbestimmt Zeit einmotten und zur guten alten Kieselerde greifen wird.

 

 
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7 Kommentare zu “Schnipp Schnapp – Haare ab

  1. Wow, sehen die Haare toll aus! Soviel Farbe, Volumen und Leben! Der kürzere Schnitt ist absolut toll! Und erst recht, was das Froilein draus gemacht hat. Bitte sooo lassen!

  2. Fürwahr liebes Froilein Olivia,

    mit Vergnügen möchte ich mich dem Zeileninhalt von Elisabeth anschließen.

    Wenn ich mit einem analytischen Auge auf ihre mit Hilfe von Wicklern & Haube
    geschaffene Vintagecurls-Performance schaue,
    so bin ich von allen bislang gezeigten Varianten .. „hin und weg“.

    Jedoch der speziell hier präsentierte .. vorzüglich gelegte „Shortlook“,
    ist mit einem Art „Ausnahmesstatus“ zu besehen.
    Für mich der absolute „Überflieger“ !

    Dieses „Wonderstyle“ unterstreicht ihren „Typ Frau“
    in einer derart genialen Weise,
    das es nur schwer zu toppen ist.

    Grüßle aus der Bodenseewelt –
    Peter

    • Lieber Herr Apemann, sehe ich es nun richtig, in Ihnen einen weiteren flammenden Verfechter des Kurzhaarschnittes bei oder an dem Froilein vorzufinden? Nun denn, Überlegungen dazu gibt es reichlich neuerdings, es bleibt allerdings abzuwarten, ob der Mut zur Schere die Oberhand gewinnt … gegenüber der jahrelangen Sehnsucht nach der „längerer Haarwolle“. Ich danke Ihnen für Ihre wundervollen Worte und wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende. Mit den besten Wünschen in die Bodenseewelt – Ihr Froilein

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