Lidstrichproblematik und Nasenfahrrad

Werte LeserInnen,
es gibt Tage an denen ist das verehrte Froilein Olivia vom ansehnlichen Lidstrich à la 50er Jahre so weit entfernt wie der Mars zur Erde – also Lichtjahre. Dass sie sich seit etwa zwei Jahren nahezu täglich zwei Lidstriche in das Angesicht zaubert, spielt dabei nicht die geringste Rolle. Ebenso wenig von Belang ist, dass dem Froilein Olivia die verschiedentlichsten Methoden für diese Art der Kriegsbemalung durchaus geläufig sind – alle wurden eingehend getestet; keine aber für besonders schicklich und garantierend empfunden. Und genau heute morgen trat sie wieder ein – die liebe Lidstrichproblematik. Schon der erste Versuch hätte mir die Erkenntnis bescheren sollen, dass heute nicht der Tag ist, an dem sich das Froilein Olivia harmonische Linien in das Antlitz malt. Aber das Froilein meint ja tatsächlich talentiert zu sein und greift entschlossen zu ihren heißgeliebten Kosmetikstäbchen, um sich umgehend an die Entfernung des Lidstrichübels zu machen, nur um dann erneut den Pinsel in den Geleyeliner-Bottich zu tunken (meine derzeit favorisierte Art). Voller Enthusiasmus folgt der zweite Versuch. Nun denn, ein Fremdkörper, in diesem Fall ein Pinsel mit ausreichend schwarzer Farbe dran, welcher am Auge rumfuhrwerkt, kann bisweilen zu Blinzelattacken führen, welche sich auch mit versuchter Körperbeherrschung nicht unterbinden lassen. Zwinker – Kosmetikstäbchen und dritter Versuch. Diesen gehe ich nun schon deutlich respektvoller an. Alle guten Dinge sind eben nicht drei, manchmal auch vier oder acht, wenn ich mich jetzt auf beide Augen beziehe. Mein Durchhaltevermögen ist beileibe vorzüglich. Nach getanem Dilettantismus und eine halbe Stunde später, könnte das Froilein jetzt ganz einfach die Distanz zum Spiegel vergrößern – um circa fünf Meter – und sich am wahrlich schicklichen Ergebnis erfreuen. Aber man ist durchaus fähig zur Selbstkritik. Also wieder auf Touchfühlung mit dem gespiegelten Abbild. Adrette, dünne und konforme Linien sehen wahrlich anders aus. Ich möchte Ihnen gern zur besseren Vorstellung ein Bildchen liefern: Man könnte meinen an Froilein Olivias Wimpernkränze verlaufen Autobahnen: links – eine dreispurige & rechts – eine zweispurige, welche dringend ausgebessert werden müsste. Übung macht eben nicht zwangsläufig die Meisterin. An eben diesen Tagen bin ich sehr dankbar die Sehkraft eines Maulwurfes zu besitzen und greife beherzt zur Sehhilfe (Seien Sie unbesorgt, werte Leserinnen, ich verfüge selbstverständlich über mannigfaltige Ausführungen.). Denn ein Nasenfahrrad vermag bei Kurzsichtigkeit wirklich eine Menge zu kaschieren – aus Autobahnen werden nämlich Bundesstraßen.  Ich möchte an dieser Stelle gern noch Folgendes erwähnen: Ich bin voller Bewunderung für jene Damen, welche sich mühelos und in wahrhaftig angemessener Zeit zwei wunderschöne Schwalbenschwanz-Lidstriche in ihr hübsches Angesicht zaubern. Chapeau, werte Fräuleins! Ich hingegen habe mich von entzückenden Schwalbenschwanz-Lidstrichen leise weinend verabschiedet und bin schon hochzufrieden, wenn die Linien entlang meiner Wimpernkränze adäquat verlaufen und nicht an desolate Fernverkehrsstraßen erinnern.

Cardigan & Top: H&M, Rock: Collectif, Gürtel: Bettie Page, Schuhe: Deichmann, Schmuck: Accessorize

Es grüßt Sie Ihre ergebene Frau Oberlehrerin,

welche nun ihre Intelligenzprothese beiseite legt und sich an das eingehende Üben eines adäquaten Schwalbenschwanzlidstriches macht – natürlich nun mit Liquideyeliner und in der weisen Voraussicht, dass sie morgen früh eine Stunde länger für ihre Kriegsbemalung einplanen muss.

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